eBay weist GameStops 56-Milliarden-Dollar-Übernahmeangebot klar zurück
Der Online-Marktplatz eBay bezeichnet den unaufgeforderten Vorstoß von GameStop-Chef Ryan Cohen als weder glaubwürdig noch attraktiv.

Der Online-Marktplatz eBay hat ein unaufgefordertes Übernahmeangebot des US-Videospieleinzelhändlers GameStop in Höhe von 56 Milliarden US-Dollar abgelehnt. eBay bezeichnete den Vorschlag in einer klaren Stellungnahme als „weder glaubwürdig noch attraktiv". Damit scheitert vorerst ein ungewöhnlicher Vorstoß, der die Finanzwelt überrascht hatte.
GameStop, geführt von Unternehmer Ryan Cohen, hatte Anfang Mai 2026 öffentlich bekanntgegeben, eine Übernahme von eBay anzustreben. Das Ziel dahinter war ambitioniert: Cohen wollte eBay als strategisches Instrument nutzen, um im Wettbewerb mit dem Online-Handelsriesen Amazon besser bestehen zu können. GameStop sieht sich damit in einer Rolle, die weit über den klassischen Videospielhandel hinausgeht.
Filialnetz als logistischer Rückhalt
Ein zentrales Element des Übernahmekonzepts war die Nutzung des bestehenden GameStop-Filialnetzes. Die rund 1.600 US-Standorte des Unternehmens sollten demnach zu Abgabe- und Versandstellen für eBay-Bestellungen umfunktioniert werden. Damit hätte GameStop eine physische Infrastruktur in den digitalen Handelsmarkt eingebracht, die eBay bislang fehlt.
Darüber hinaus sah ein weiterer Vorschlag Live-Verkaufssendungen aus GameStop-Filialen vor, bei denen eBay-Produkte präsentiert und verkauft werden sollten. Dieses Konzept orientiert sich an einem wachsenden Trend im E-Commerce, dem sogenannten Live-Shopping, das insbesondere in Asien bereits große Popularität genießt.
GameStop und Ryan Cohen: Ein ungewöhnlicher Akteur
Ryan Cohen ist vor allem als treibende Kraft hinter dem spektakulären Kursanstieg von GameStop im Jahr 2021 bekannt, als die Aktie zum Symbol der sogenannten Meme-Stock-Bewegung wurde. Seitdem versucht Cohen, das Unternehmen strategisch neu auszurichten und aus dem schrumpfenden stationären Videospielmarkt herauszuführen. Die angestrebte eBay-Übernahme wäre der bislang größte und kühnste Schritt in dieser Transformation gewesen.
eBay hingegen ist einer der ältesten und bekanntesten Online-Marktplätze der Welt und konkurriert seit Jahren mit Amazon um Marktanteile im globalen E-Commerce. Mit einer angestrebten Übernahmesumme von 56 Milliarden US-Dollar wäre der Deal eine der größten Transaktionen im US-Technologie- und Handelssektor gewesen. Dass eBay das Angebot so deutlich zurückwies, zeigt, wie wenig Vertrauen der Konzern in die Umsetzbarkeit des Vorhabens hat.
Für deutsche Anleger, die in US-Technologie- und Handelsaktien investiert sind, verdeutlicht dieser Vorfall, wie dynamisch und bisweilen überraschend die Konsolidierungsbewegungen im amerikanischen E-Commerce-Markt verlaufen können. Ob GameStop einen neuen Anlauf unternimmt oder alternative Strategien verfolgt, bleibt abzuwarten.
