eBay lehnt GameStop-Übernahmeangebot von Ryan Cohen ab
Der eBay-Verwaltungsrat bezeichnet Cohens 56-Milliarden-Dollar-Angebot als „weder glaubwürdig noch attraktiv" und setzt auf Eigenständigkeit.

Der Verwaltungsrat von eBay hat am Dienstag das spektakuläre Übernahmeangebot von GameStop-CEO Ryan Cohen offiziell zurückgewiesen. In einer klaren Stellungnahme bezeichnete das Gremium den Vorstoß als „weder glaubwürdig noch attraktiv" – ein deutliches Signal, dass eBay keinen Verhandlungsspielraum sieht.
Cohen hatte vorgeschlagen, dass GameStop den deutlich größeren Online-Marktplatz eBay für 56 Milliarden US-Dollar übernimmt. Die Finanzierung sollte dabei zu gleichen Teilen in bar und in Aktien erfolgen – also je 28 Milliarden Dollar in cash und in GameStop-Aktien.
Zweifel an der Finanzierbarkeit
Das Angebot sorgt an der Wall Street für erhebliche Skepsis. Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage, ob GameStop überhaupt in der Lage wäre, einen solchen Deal zu stemmen. GameStop ist zwar in den vergangenen Jahren durch die sogenannte Meme-Aktien-Bewegung ins Rampenlicht gerückt, gilt aber im Vergleich zu eBay als deutlich kleineres Unternehmen mit begrenzten finanziellen Ressourcen.
Ein Übernahmeversuch eines kleineren Unternehmens gegenüber einem größeren wird an den Finanzmärkten als „feindliche Übernahme" oder „Reverse Takeover" bezeichnet. Solche Transaktionen sind selten und erfordern in der Regel eine außergewöhnlich starke Finanzierungsbasis – was bei GameStop von vielen Marktteilnehmern bezweifelt wird.
Ryan Cohen und die GameStop-Saga
Ryan Cohen ist eine der schillerndsten Figuren der jüngeren Börsengeschichte. Als Mitgründer des Online-Tierbedarfshändlers Chewy wurde er bekannt, bevor er bei GameStop einstieg und schließlich zum CEO aufstieg. Unter seiner Führung wurde GameStop zum Symbol der Meme-Aktien-Bewegung, bei der Kleinanleger über soziale Medien koordiniert Aktien kauften und damit Hedgefonds unter Druck setzten.
Das nun zurückgewiesene Übernahmeangebot für eBay stellt eine neue Wendung in dieser Geschichte dar. eBay ist einer der bekanntesten Online-Marktplätze der Welt und mit einer Bewertung von rund 56 Milliarden Dollar ein Schwergewicht im E-Commerce-Sektor – ein Ziel, das für GameStop in den Augen vieler Analysten schlicht unerreichbar erscheint.
eBay setzt auf Eigenständigkeit
Mit der Ablehnung des Angebots macht eBay deutlich, dass das Unternehmen seinen eigenen Kurs verfolgen will. Der Verwaltungsrat sieht offenbar keinen Mehrwert in einer Transaktion mit GameStop und vertraut auf die eigene Strategie. Für Anleger beider Unternehmen bleibt die Situation damit vorerst ungeklärt – weitere Schritte von Ryan Cohen sind nicht ausgeschlossen.
Die Entwicklung zeigt einmal mehr, wie unkonventionell Cohen als Unternehmenslenker agiert. Ob er das Angebot weiterverfolgt oder zurückzieht, bleibt abzuwarten. Die Reaktion der Märkte und weiterer Investoren dürfte die nächsten Schritte maßgeblich beeinflussen.
