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Viele Deutsche leben für den Alltag auf Pump

Steigende Preise treiben Jüngere in Kredite und verändern Einkaufsgewohnheiten

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Viele Deutsche leben für den Alltag auf Pump

Mehr als die Hälfte der unter 50-Jährigen in Deutschland hat sich in den vergangenen zwei Jahren Geld geliehen, häufig um alltägliche Ausgaben wie Lebensmittel zu finanzieren. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Instituts Civey im Auftrag von Barclays hervor. Demnach griffen 44 Prozent der Befragten auf Unterstützung von Familienmitgliedern zurück, während 40 Prozent einen Bankkredit aufnahmen. Besonders junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren waren betroffen: In dieser Altersgruppe gaben 60,4 Prozent an, in den letzten 24 Monaten auf Pump gelebt zu haben.

Die Gründe für die Kreditaufnahme liegen vor allem im täglichen Bedarf. Rund 26,6 Prozent der Befragten nannten den Kauf von Lebensmitteln als Verwendungszweck, 21,4 Prozent gaben allgemeine Konsumgüter wie Kleidung an. Auch Ausgaben für das Auto spielten mit 27 Prozent eine Rolle. Bei den unter 30-Jährigen handelte es sich häufig um kleinere Summen: 28,8 Prozent borgten sich bis zu 200 Euro. Knapp die Hälfte aller Befragten gab an, weniger als 1000 Euro geliehen zu haben, während ein Viertel zwischen 1001 und 5000 Euro benötigte. Etwa jeder Dritte rechnet damit, sich auch in den kommenden zwei Jahren Geld leihen zu müssen.

Die wirtschaftliche Lage spiegelt sich vor allem in den gestiegenen Lebensmittelpreisen wider. Im August 2025 verteuerten sich Nahrungsmittel um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, nachdem sie bereits in den Jahren 2022 und 2023 zweistellige Zuwächse verzeichnet hatten. Besonders stark stiegen die Preise für Kaffee mit plus 22,8 Prozent und für Schokolade mit plus 21,3 Prozent. Obst kostete 7,1 Prozent mehr, während Gemüse leicht günstiger war. Kartoffeln verbilligten sich um 17,3 Prozent, Zucker sogar um 29,2 Prozent.

Die Inflation lag im August insgesamt bei 2,2 Prozent. Ohne schwankungsanfällige Preise für Energie und Lebensmittel betrug die Kerninflation 2,7 Prozent und damit seit drei Monaten unverändert. Dienstleistungen verteuerten sich mit 3,1 Prozent ebenfalls deutlich, darunter insbesondere die Personenbeförderung mit einem Anstieg von 11,1 Prozent. Versicherungen lagen 6,4 Prozent über dem Vorjahreswert, während internationale Flüge 8,2 Prozent günstiger waren. Energie war im August zwar 2,4 Prozent billiger, doch fiel der Preisrückgang geringer aus als im Vorjahr.

Viele Verbraucher reagierten auf die Preisentwicklung mit verändertem Einkaufsverhalten. Einer Yougov-Umfrage zufolge gaben 57 Prozent an, ihre Gewohnheiten angepasst zu haben. Mehr als die Hälfte dieser Gruppe kauft häufiger bei Discountern, fast drei Viertel achten verstärkt auf Sonderangebote. Rund ein Drittel schränkt die Menge beim Einkauf ein, 84 Prozent versuchen, Lebensmittelabfälle zu vermeiden und Reste gezielt zu verwerten. Etwa die Hälfte nutzt auch abgelaufene, aber noch genießbare Produkte.

Trotz der Belastung durch steigende Preise gab es zuletzt auch eine positive Entwicklung: Im zweiten Quartal 2025 stiegen die Löhne laut Statistischem Bundesamt um 4,1 Prozent und damit stärker als die Verbraucherpreise. Daraus resultierte eine Reallohnsteigerung von 1,9 Prozent im Vorjahresvergleich. Zwar sind die Kaufkraftverluste aus den Jahren 2022 und 2023 damit noch nicht vollständig ausgeglichen, doch die finanzielle Lage vieler Beschäftigter hat sich verbessert.

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