Deutsche Wirtschaft schrumpft im Frühjahrsquartal
Zölle belasten Exporte, Investitionen brechen ein, Nachfrage bleibt verhalten

Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2025 leicht geschrumpft. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen April und Juni im Vergleich zum Vorquartal um 0,1 Prozent zurück. Fachleute hatten diesen Rückgang erwartet. Bereits im ersten Quartal war die Wirtschaftsleistung leicht gestiegen, allerdings wurde das ursprüngliche Plus von 0,4 Prozent nun auf 0,3 Prozent nach unten korrigiert. Der Rückgang im Frühjahr ist unter anderem auf gesunkene Investitionen in Ausrüstungen und Bauten zurückzuführen. Im Gegensatz dazu legten die privaten und staatlichen Konsumausgaben zu.
Ein wesentlicher Belastungsfaktor bleibt der Handelskonflikt mit den USA. Die Auseinandersetzung um Zölle auf europäische Waren führte zu erheblichen Unsicherheiten. Zunächst hatte es aufgrund der angekündigten US-Zölle Vorzieheffekte gegeben, die die Produktion in Deutschland im ersten Quartal stützten. Im zweiten Quartal herrschte dagegen Zurückhaltung. Seit dem Wochenende steht fest: US-Präsident Donald Trump setzte in Verhandlungen mit der EU-Kommission einseitige Zölle von 15 Prozent durch – zuvor waren sogar 30 Prozent im Gespräch gewesen. Für bestimmte Produkte wie Autos, Stahl und Aluminium galten bereits erhöhte Sätze, von denen einige bestehen bleiben.
Besonders betroffen sind die Autoexporte. Seit April erhebt die US-Regierung 27,5 Prozent Zoll auf in Deutschland produzierte Fahrzeuge. Ab August soll dieser Satz auf 15 Prozent gesenkt werden. Im Gegenzug sollen Autos aus US-Produktion zollfrei in die EU exportiert werden dürfen. Da viele dieser Fahrzeuge aus deutschen Werken in den USA stammen, profitieren deutsche Hersteller teilweise – trotzdem rechnet die Bundesregierung mit spürbaren Einbußen. Bundeskanzler Friedrich Merz sprach von erheblichem Schaden für die deutsche Wirtschaft. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft beziffert den Einfluss der Autozölle auf das BIP mit minus 0,15 Prozent.
Auch das Institut der deutschen Wirtschaft sowie das Münchner ifo-Institut erwarten negative Effekte, insbesondere für Branchen mit hoher US-Abhängigkeit wie die Pharmaindustrie oder den Maschinenbau. Die ifo-Expertin Lisandra Flach rechnet mit einem BIP-Rückgang von 0,2 Prozent durch die neuen Handelsbedingungen. Der Internationale Währungsfonds blickt trotz allem etwas optimistischer auf die deutsche Konjunktur: Wegen der vergleichsweise moderaten Zölle sei 2025 ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent möglich – zuvor war man von einer Stagnation ausgegangen. Dennoch bleibt die Nachfrage schwach, Investitionsimpulse wirken nur verzögert. Für 2026 rechnet die Commerzbank mit einem Wachstum von 1,4 Prozent.
