Deutsche Wirtschaft im Aufwind: Fiskalimpulse treffen auf Regulierungsunsicherheit
Bank of America hebt Wachstumsprognose an, während Energiewende-Investitionen durch geplante Gesetzesänderungen bedroht werden.

Die deutsche Wirtschaft zeigt erste Lebenszeichen: Bank of America hat ihre Wachstumsprognose für Deutschland 2026 auf 1,0 Prozent angehoben. Als Grund nennen die Analysten die beginnende Wirkung lang erwarteter Fiskalstimuli. Deutsche Fabrikaufträge stiegen auf Dreimonatsbasis annualisiert um mehr als 40 Prozent.
Dennoch bleiben die Investmentexperten vorsichtig. Die jüngste 15-Prozent-Rally europäischer Aktien habe bereits viel Potenzial eingepreist, warnt die Bank. Für den Gesamtmarkt sehen sie etwa 15 Prozent Abwärtspotenzial. Deutsche Aktien könnten jedoch eine Ausnahme bilden: Wegen ihrer Unterbewertung – minus 11 Prozent gegenüber dem Gesamtmarkt seit Mai des Vorjahres – trauen die Analysten heimischen Titeln etwa 5 Prozent Outperformance zu. Besonders favorisiert werden inlandsorientierte Unternehmen und Small Caps.
Energiewende in Gefahr
Während die Konjunktur anzieht, droht der Energiewende ein empfindlicher Rückschlag. Die Bundesnetzagentur plant, die 20-jährige Befreiung von Netzentgelten für Batteriespeicher zu ändern. Betroffen wären auch Anlagen, die vor 2029 in Betrieb gehen. Die Behörde argumentiert, dass Speicher die Netzinfrastruktur intensiv nutzen und sich an den Kosten beteiligen sollten.
Die Industrie reagiert alarmiert. Trianel-Chef Sven Becker bezeichnet die geplante Änderung als "Eingriff in bestehendes Recht", der "allen Investoren den Boden unter den Füßen wegzieht". Große Projekte wie der Speicherpark in Waltrop mit 1.800 MWh Kapazität oder die Anlage in Duisburg-Walsum stehen auf dem Spiel. Die Duisburger Anlage soll ab der zweiten Jahreshälfte eine mittelgroße Stadt mehrere Stunden mit Strom versorgen können.
Das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium räumt ein, dass der Ausbau hinterherhinkt: Nur etwa 294 MWh wurden in der Region zuletzt ans Netz angeschlossen. Unternehmen wie Steag Iqony beklagen die fehlende Planungssicherheit bei unvorhersehbarer Kostenentwicklung.
Deutsche Tech-Riesen für digitales Vertrauen
Auf internationaler Ebene positioniert sich SAP als Mitbegründer der "Trusted Tech Alliance". Das von <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft und Ericsson angeführte Bündnis vereint 15 globale Technologiekonzerne, darunter AWS, Google und Nokia. Ziel ist die Etablierung hoher Standards für digitales Vertrauen – eine direkte Antwort auf wachsende Sorgen um Datensouveränität, besonders in Europa und Asien.
Die Initiative basiert auf fünf Kernprinzipien: starke Unternehmensführung, ethisches Verhalten, sichere Technologieentwicklung, Einhaltung globaler Sicherheitsstandards und Unterstützung einer offenen digitalen Umgebung. Ericsson-Chef Börje Ekholm warnte, dass "kein Land auf diesem Planeten allein vollständig souverän sein kann". Zu starker Fokus auf Souveränität berge die Gefahr neuer Handelsbarrieren.
Bewegung bei der Bahn
In den festgefahrenen Tarifverhandlungen bei der Deutschen Bahn gibt es Fortschritte. Sowohl das Unternehmen als auch die GDL berichten von einer Annäherung und ersten Verständigungen. Beide Seiten zeigen sich zuversichtlich, die letzten Punkte in der nächsten Runde am 23. Februar klären zu können. Die GDL hatte zuvor mit Verhandlungsabbruch und möglichen Streiks ab März gedroht.
Bahlsen korrigiert Markenstrategie
Der Kekshersteller Bahlsen zieht Lehren aus einem missglückten Relaunch. Nach einem radikalen Design-Wechsel 2021, der die Stammkundschaft verprellte, setzt Marketing-Chefin Alexandra Megid nun auf Evolution statt Revolution. Die Kernzielgruppe – über 50-Jährige – soll gehalten, die Marke gleichzeitig behutsam verjüngt werden.
Die Strategie differenziert nach Konsumanlässen: Leibniz als Familienprodukt, "Pick up" für Stressabbau bei Teenagern, Bahlsen als kurze Alltagspause für vielbeschäftigte Erwachsene zwischen 30 und 50. Erste Zahlen deuten auf Erfolg hin: Marktanteile bei Umsatz und Volumen wurden im Vergleich zur Vorjahreshälfte zurückgewonnen.
Russisches LNG weiter im Geschäft
Trotz Ukraine-Krieg importierten EU-Staaten 2024 russisches Flüssiggas im Wert von etwa 7,4 Milliarden Euro – nur 3 Prozent weniger als im Vorjahr. Die USA bleiben mit 24,2 Milliarden Euro größter Lieferant. Ein vollständiges Importverbot für russisches LNG gilt ab spätestens 1. November 2027, wobei eine Sicherheitsklausel Ausnahmen bei Versorgungsengpässen erlaubt. Die deutsche Staatsenergiefirma Sefe bezieht weiter russisches LNG auf Basis bestehender Langzeitverträge.
