DB Cargo: 260-Millionen-Abschreibung gefährdet EU-Sanierungsziele
Abschreibungen in Großbritannien gefährden die Sanierung der DB-Frachtsparte und die EU-Vorgaben zur Profitabilität.

Die Sanierung der Güterverkehrstochter der Deutschen Bahn gerät ins Stocken. Eine milliardenschwere Wertberichtigung auf die britische Tochtergesellschaft bringt die Zeitpläne durcheinander und gefährdet die von der EU-Kommission geforderten Profitabilitätsziele.
DB-Cargo-Chef Bernhard Osburg räumte am Donnerstag in Berlin ein, dass ein bilanzieller Einmaleffekt aus Verlustabschreibungen der britischen Tochter das Jahresergebnis belasten wird. Der Verkaufsprozess für DB Cargo UK läuft bereits. Insidern zufolge summieren sich die Wertberichtigungen auf rund 260 Millionen Euro. Diese müssen noch im laufenden Jahr verbucht werden, da zeitnah mit verbindlichen Angeboten gerechnet wird.
EU-Kommission setzt strenge Vorgaben
Die angepeilte schwarze Null für 2026 ist damit kaum noch zu erreichen. Das ist besonders problematisch, denn auf Druck der EU-Kommission, die übermäßige staatliche Subventionen verhindern will, ist DB Cargo verpflichtet, bis Ende 2026 profitabel zu werden. Der Mutterkonzern darf die Verluste der Tochter eigentlich nicht mehr ausgleichen. Im schlimmsten Fall droht eine Abwicklung.
Osburg fordert daher mehr Zeit für die Sanierung. Im Umfeld des Unternehmens ist von ein bis zwei Jahren zusätzlicher Zeitbedarf die Rede. Man werde das Gespräch mit Brüssel suchen. „Unser Ziel ist eine DB Cargo, die nicht nur in Deutschland erfolgreich saniert ist, sondern bis 2031 als integrierter, wettbewerbsfähiger und nachhaltig profitabler europäischer Bahnlogistiker agiert“, so Osburg.
Fortschritte im Heimatmarkt
Im Inland zeigt die Sanierung erste Erfolge. „In einigen Bereichen kommen wir bei der Sanierung sogar schneller voran als geplant. Im ersten Halbjahr haben wir unser Ergebnis um mehr als 100 Millionen Euro verbessert, davon 87 Millionen Euro aus dem operativen Geschäft“, sagte Osburg. In Deutschland werde DB Cargo 2026 die Verlustzone verlassen. Das Fundament sei gelegt, weil das Unternehmen im Heimatmarkt wirtschaftlich tragfähig aufgestellt sei.
Täglich werden in Deutschland etwa eine Million Tonnen Güter auf der Schiene transportiert. DB Cargo mit Sitz in Mainz ist Marktführer, die Wettbewerber kommen zusammen auf einen Anteil von rund 60 Prozent. Während DB Cargo seit Jahren defizitär ist, erzielen private Anbieter oft eine Rendite von zwei bis drei Prozent – trotz eines überlasteten und sanierungsbedürftigen Schienennetzes.
Massiver Stellenabbau geplant
Osburg fährt einen harten Sparkurs und will vor allem bei den Kosten ansetzen, die aus seiner Sicht nicht wettbewerbsfähig sind. In Deutschland sollen 6200 der insgesamt rund 14.000 Stellen abgebaut werden. Betriebsbedingte Kündigungen sollen dabei vermieden werden. Wachstumschancen sieht Osburg im Ausland, aber nicht überall. Der Fokus soll auf Kontinentaleuropa liegen. Die Auslandsgesellschaften seien einer vertieften Prüfung unterzogen worden, die notwendigen Gegenmaßnahmen seien eingeleitet.
Die britische Tochter soll möglichst schnell veräußert werden. Ob noch dieses Jahr Verträge unterschrieben werden, ist unklar. DB Cargo UK gehört zu den größeren Anbietern in Großbritannien und beschäftigt dort rund 2200 Mitarbeiter. Das Unternehmen verfügt über 228 Güterzüge und 6450 Waggons. Weitere Verkäufe im Ausland gelten als möglich.
Gewerkschaft warnt vor Folgen
Cosima Ingenschay, Vizechefin der Eisenbahngewerkschaft EVG, kritisierte das frühere Management scharf. Dieses habe die Probleme bei europäischen Töchtern sträflich ignoriert und den Vertrieb vernachlässigt. „Für eine erfolgreiche Sanierung müssen alle mitziehen. Allen muss klar sein: Wenn Cargo keine Zukunft hat, wird es für die deutsche Industrie richtig eng.“ Die Arbeitnehmer hätten ihren Beitrag bereits geleistet.
Die Probleme bei Cargo dürften auch Auswirkungen auf den gesamten Staatskonzern haben. Die Deutsche Bahn hat sich vorgenommen, in diesem Jahr unter dem Strich wieder in die Gewinnzone zu kommen – im dreistelligen Millionenbereich. 2025 hatte die Bahn einen Nettoverlust von 2,3 Milliarden Euro ausgewiesen. Für Anleger bleibt die Entwicklung des Staatskonzerns daher ein wichtiger Gradmesser für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Schienenlogistik.
