DAX-Anleger verunsichert durch politische Risiken
Der tägliche Marktbericht von Aktien.news

Politische Risiken haben den deutschen Aktienmarkt den zweiten Tag in Folge belastet. Der DAX konnte nicht von der derzeitigen Rally an der Wall Street profitieren und schloss im Minus. Der deutsche Leitindex gab am Ende 0,39 Prozent auf 18.518 Punkte nach. Im frühen Handel fiel er auf ein Tagestief von 18.448 Punkten, das Tageshoch lag bei 18.586 Zählern. Somit bleibt es dabei, dass der DAX vom Rekordlauf der Wall Street nicht profitieren kann.
Auch der export- und industrielastige MDAX verzeichnete einen Rückgang und schloss 0,43 Prozent tiefer bei 25.576 Zählern. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht für Deutschland kaum Wachstum und prognostiziert für dieses Jahr eine Wachstumsrate von 0,2 Prozent und für das nächste Jahr 1,3 Prozent. 2023 war die deutsche Wirtschaft um 0,2 Prozent geschrumpft. Sollten diese Prognosen zutreffen, wird Deutschland 2024 erneut das Schlusslicht unter den großen Industrienationen sein.
Politische Unsicherheiten spielten eine bedeutende Rolle im Tagesgeschäft. Der ehemalige US-Präsident Donald Trump sorgte für Verunsicherung. Ein erwartetes protektionistisches Wirtschaftsprogramm bereitet der deutschen Exportwirtschaft, insbesondere der Automobilbranche, Sorgen. Marktbeobachter Thomas Altmann von QC Partners befürchtet, dass höhere Zölle unter Trump den Warenaustausch zwischen den USA, Europa und China beeinträchtigen könnten. Zusätzlich belastet die politische Unsicherheit in Frankreich, wo sich die Parteien nach der Wahl nicht auf eine neue Regierung einigen können.
Autowerte standen besonders unter Druck. Die Aktien von Porsche AG fielen um 4,6 Prozent. Die Automobilbranche leidet unter eingetrübten Perspektiven an wichtigen Absatzmärkten. Marktbeobachter Andreas Lipkow warnt vor erschwerten Handelsbeziehungen mit den USA bei einer zweiten Amtszeit Trumps. Auch die Rückversicherer Münchener Rück und Hannover Rück gaben nach einer Gewinnwarnung des französischen Konkurrenten Scor nach. Die Gewinner im DAX verteilten sich über verschiedene Branchen, mit Commerzbank und Fresenius an der Spitze.
Während in Deutschland Unsicherheiten dominieren, verzeichnen die US-Märkte Rekordhochs. Der Dow Jones markierte ein neues Rekordhoch bei 40.849 Punkten, unterstützt durch starke Quartalsberichte der Banken und des Krankenversicherers UnitedHealth. Der S&P-500-Index blieb knapp unter seinem gestrigen Bestmarke. Die Technologiebörse Nasdaq gab anfängliche Gewinne wieder ab. Anleger in den USA rechnen mit einer Zinssenkung im September.
Die Bank of America konnte trotz eines Gewinnrückgangs im zweiten Quartal zulegen. Anleger begrüßten den positiven Ausblick für Zinserträge. Auch Morgan Stanley profitierte von einer Erholung im Investmentbanking und verzeichnete im zweiten Quartal einen Nettogewinn von 3,1 Milliarden Dollar. UnitedHealth übertraf die Erwartungen trotz Belastungen durch eine Cyberattacke und erhöhte seinen Umsatz im zweiten Quartal um sechs Prozent.
Die Umsätze des US-Einzelhandels entwickelten sich im Juni besser als erwartet und stiegen ohne Autoverkäufe um 0,4 Prozent. Die US-Importpreise blieben im Juni unverändert. Der Dollar legte nach den US-Daten zu, während der Euro schwächer notierte. Der ZEW-Index für die Erwartungen der deutschen Konjunktur sank im Juli um 5,7 Punkte auf 41,8 Zähler.
Am Kryptomarkt setzte der Bitcoin seinen Erholungskurs fort, stieg zeitweise über 65.000 Dollar und fiel dann wieder auf 64.000 Dollar. Die Deutsche Bank stand unter Druck, nachdem die BaFin Fehler im Jahresabschluss von 2019 bemängelte. Hugo Boss kappte seine Jahresprognose und fiel im MDAX um 6,8 Prozent. Die Aktie der Salzgitter AG fiel im SDAX auf den tiefsten Stand seit 2020.
Eckert & Ziegler hob seine Gewinnprognose an, was die Aktie um 11,6 Prozent steigen ließ. Der Schweizer Richemont-Konzern trotzte der China-Schwäche dank eines robusten Schmuckgeschäfts und steigerte seinen Umsatz im zweiten Quartal um ein Prozent auf 5,27 Milliarden Euro.
