China treibt KI-Entwicklung mit mehreren Anbietern voran
Chipmangel und Konkurrenz prägen den Wettlauf um leistungsfähige Modelle

Chinas Technologieunternehmen reagieren mit Hochdruck auf die Vorstellung von GPT-5 durch OpenAI. Eine einheitliche Antwort auf das neue US-Spitzenmodell wird es jedoch nicht geben. Stattdessen treiben mehrere Konzerne und Start-ups parallel ihre Entwicklungen voran. Rund ein halbes Jahr nach dem sogenannten „DeepSeek-Moment“, als ein chinesisches Start-up erstmals in wichtigen Benchmarks mit US-Konkurrenten mithalten konnte, ist der Wettbewerb im Land intensiver denn je. Während DeepSeek zuletzt Verzögerungen bei der Einführung neuer Modelle hinnehmen musste, verzeichnen andere Anbieter deutliche Fortschritte. Das Pekinger Unternehmen Moonshot AI sorgte im Juli mit seinem Modell Kimi K2 für Aufmerksamkeit, das in Tests überzeugte und sogar von der Fachzeitschrift „Nature“ gewürdigt wurde.
Neben Moonshot gehören Alibaba, Baidu, Tencent und ByteDance zu den treibenden Kräften der Branche. Alibaba setzt mit seiner Qwen-Modellreihe Maßstäbe in Benchmarks und präsentierte jüngst ein auf logisches Denken spezialisiertes System, das effizienter arbeitet als Kimi K2. Baidu veröffentlichte im Juni Ernie 4.5 und plant ein weiteres Modell für komplexes Schlussfolgern. Tencent integriert sein Hunyuan-Modell direkt in die weit verbreitete Messenger-App WeChat. ByteDance ist mit der Chatbot-App Doubao im Markt aktiv.
Eine zentrale Hürde für alle Anbieter bleibt der Mangel an leistungsfähigen Chips. US-Exportkontrollen verhindern den offiziellen Verkauf moderner Nvidia-Modelle wie H100, A100 oder H200 nach China. Der angepasste H20 ist hingegen wieder unter Lizenz verfügbar. Branchenkreisen zufolge zeigen US-Hersteller Bereitschaft, einen Teil ihrer Chip-Einnahmen in China an die US-Regierung abzuführen, um den Export wieder auszuweiten. Der Engpass wirkt sich direkt auf die Leistungsfähigkeit der Rechenzentren aus. Kleinere Anbieter spüren dies in Form von langsameren KI-Antworten oder Nutzungslimits, wie auch Moonshot kurz nach dem Start von Kimi K2 einräumen musste. Große Konzerne, die vor den Sanktionen größere Mengen sichern konnten, arbeiten stabiler.
Huawei versucht, seine eigenen Ascend-Chips stärker zu etablieren, während viele Firmen weiter auf Nvidia-Hardware setzen. Die chinesische Regierung fördert die heimische Chipproduktion, setzt aber zugleich auf eine Lockerung der US-Sanktionen, um den Fortschritt der KI-Industrie zu beschleunigen. Neue Pläne des Weißen Hauses, Hochleistungs-KI-Chips mit Ortungsfunktionen auszustatten, sorgen in Peking für Unruhe. Die Cyberspace-Behörde bestellte Vertreter von Nvidia ein, um mögliche Sicherheitsrisiken zu erörtern.
Neben Hardware zählt der Zugang zu Fachkräften zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren. Chinesische Universitäten bilden jedes Jahr zahlreiche KI-Spezialisten aus, von denen viele im Ausland tätig werden. Umgekehrt kämpfen in China große Konzerne und Start-ups mit hohen Gehältern und Beteiligungen um erfahrene Entwickler. DeepSeek zeigte, dass auch rein lokal aufgestellte Teams zu Spitzenleistungen fähig sind.
