China fordert weltweite Regeln für Künstliche Intelligenz
Peking will internationale Kooperation – und stellt sich offen gegen Trumps KI-Strategie

China hat auf der Welt-KI-Konferenz in Shanghai die Gründung einer globalen Organisation zur Zusammenarbeit im Bereich Künstliche Intelligenz vorgeschlagen. Ministerpräsident Li Qiang betonte in seiner Eröffnungsrede die Notwendigkeit eines weltweit anerkannten Regelwerks, um die zersplitterte Regulierung von KI zu überwinden. Eine stärkere internationale Koordinierung sei laut Li unerlässlich, um ein Gleichgewicht zwischen Fortschritt und Sicherheit zu gewährleisten. Er warnte vor den Risiken und Herausforderungen, die mit einer unregulierten Entwicklung verbunden seien.
Peking positioniert sich damit als Gegenspieler der Vereinigten Staaten, deren Präsident Donald Trump nur wenige Tage zuvor eine neue KI-Strategie vorgestellt hatte. Trump kündigte darin eine Lockerung der Vorgaben für die KI-Industrie an. Die USA wollen mit dieser Strategie ihre technologische Vormacht gegenüber China behaupten. Dazu gehören unter anderem eine Ausweitung der KI-Exporte an Verbündete, der Abbau von Umweltauflagen für Rechenzentren und ein wirtschaftlicher Vorteil für US-Konzerne wie Nvidia, AMD, Google und <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft.
Li stellte hingegen klar, dass China die Entwicklung von Open-Source-KI aktiv fördern werde und bereit sei, seine Erkenntnisse insbesondere mit Entwicklungsländern zu teilen. Technologische Monopole und Blockaden würden die globale Entwicklung behindern, so der Ministerpräsident. China wolle verhindern, dass KI zur Domäne weniger Staaten und Unternehmen werde.
Ein weiterer Vorschlag Chinas betrifft den möglichen Standort der neuen globalen Organisation: Laut Vize-Außenminister Ma Zhaoxu könnte ihr Hauptsitz in Shanghai eingerichtet werden. Die Konferenz in der chinesischen Metropole dient auch als Schaufenster für technologische Innovationen. Zwei Tage lang präsentieren dort Unternehmen wie Huawei, Alibaba, Tesla und Alphabet ihre neuesten Anwendungen, etwa für autonomes Fahren, Robotik oder smarte Produktionssysteme.
Hintergrund der chinesischen Initiative ist auch die zunehmende Sorge über Engpässe bei Rechenleistung und Chips. Die USA hatten in den vergangenen Jahren Exporte von Hochtechnologie nach China beschränkt, insbesondere im Halbleiterbereich. In jüngster Zeit ist jedoch eine leichte Entspannung erkennbar: Im Gegenzug für Seltene Erden erlaubt Washington wieder begrenzte Chip-Exporte, wovon etwa Nvidia profitiert. Das Unternehmen darf einen eigens für China entwickelten KI-Chip erneut in die Volksrepublik liefern.
