Cannabis vs. Alkohol: Ungleiche Behandlung im US-Rechtssystem
Eine Autorin aus Alabama prangert die Doppelmoral im Umgang mit Cannabis und Alkohol an.

Eine persönliche Meinungsäußerung aus Alabama sorgt für Diskussionen: Die Schriftstellerin und ehemalige Pflegekraft Tiffany McElrath stellt die Frage, warum verantwortungsvoller Cannabiskonsum kriminalisiert wird, während Alkoholkonsum gesellschaftlich akzeptiert ist – obwohl die gesundheitlichen Risiken des Alkohols deutlich höher sind.
"Cannabis ist nicht für jeden geeignet. Erwachsene sollten weiterhin die Freiheit haben zu entscheiden, ob es das Richtige für sie ist – genau wie sie entscheiden können, ob sie Alkohol trinken, verschriebene Medikamente einnehmen oder auf beides verzichten", schreibt McElrath in ihrem Gastbeitrag für Marijuana Moment. Sie lebt in Alabama, einem Bundesstaat, in dem Cannabisbesitz weiterhin strafbar ist, während Alkohol legal erworben werden kann.
Die Ungleichbehandlung des Rechts
Die Autorin macht auf einen eklatanten Widerspruch aufmerksam: "Ein Erwachsener, der diskret Cannabis zu Hause konsumiert, nachdem er die Kinder ins Bett gebracht hat, wird anders behandelt. Diese Person könnte mit einer Verhaftung, einem Strafregister und potenziell verheerenden Folgen für Beschäftigung, Wohnsituation oder Sorgerechte konfrontiert werden."
Laut den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) sind übermäßiger Alkoholkonsum jedes Jahr für rund 178.000 Todesfälle in den USA verantwortlich. Dennoch bleibt Alkohol legal, reguliert und weit verbreitet verfügbar. Im Jahr 2025 verhaftete die Polizei landesweit mindestens 218.152 Personen in cannabisbezogenen Fällen, wie FBI-Daten zeigen. Diese Zahl ist laut McElrath eine Unterschätzung, da etwa 13 Prozent der Strafverfolgungsbehörden keine Arrestdaten meldeten.
Alabama mit hohen Festnahmezahlen
Alabama selbst meldete im Jahr 2025 insgesamt 8.583 Festnahmen wegen Cannabisbesitzes – die zehnthöchste absolute Zahl im Land. Auf Pro-Kopf-Basis wird das Bild noch deutlicher: 8.242 der Besitzfestnahmen betrafen Erwachsene. Bei einer erwachsenen Bevölkerung von rund 4,075 Millionen entspricht dies etwa 202 Festnahmen pro 100.000 Erwachsene. Damit belegt Alabama den neunthöchsten Platz unter allen US-Bundesstaaten.
Die Konsequenzen des Verbots hängen heute weitgehend von der Geografie ab. "Dasselbe Verhalten, das jemandem in Alabama eine Festnahme und ein Strafregister einbringen kann, ist für Erwachsene in fast der Hälfte des Landes legal", betont McElrath. "Die Überschreitung der Staatsgrenze macht das Verhalten nicht gefährlicher. Sie ändert lediglich, wen die Regierung bestrafen will."
Persönliche Erfahrung mit Cannabis als Medizin
McElrath berichtet von eigenen gesundheitlichen Kämpfen mit klinischer Depression und schweren Angstzuständen. Ihr wurden Xanax und Antidepressiva verschrieben, doch die Medikamente machten sie extrem schläfrig und beeinträchtigten ihre Libido. Cannabis half ihr dagegen, einige Symptome zu lindern, ohne sie vollständig zu sedieren.
Sie räumt jedoch ein: "Cannabis kann Urteilsvermögen und Koordination beeinträchtigen. Häufiger oder hochpotenter Konsum kann zu Abhängigkeit führen und bei manchen Menschen Angstzustände oder andere psychische Symptome verschlimmern." Dennoch, so argumentiert sie, rechtfertige die Anerkennung dieser Risiken kein Verbot, sondern stärke vielmehr das Argument für Legalisierung und Regulierung.
Medizinisches Cannabis in Alabama: Ein langer Weg
Alabamas Erfahrung mit medizinischem Cannabis verdeutlicht den Widerspruch besonders. Die Gesetzgeber genehmigten 2021 ein medizinisches Programm, doch Patienten warteten mehr als fünf Jahre, bis die erste Apotheke eröffnet wurde. Diese öffnete am 4. Juni dieses Jahres, gefolgt von einem zweiten Standort im August. Der Zugang bleibt extrem begrenzt, und das Landesgesetz verbietet rohes Cannabis, Rauchen, Vaping und herkömmliche essbare Produkte.
"Während dieser fünf Jahre warteten Patienten, die gesetzlich als zugangswürdig anerkannt wurden, weiter, während Alabama weiterhin Menschen wegen Cannabisbesitzes festnahm", kritisiert McElrath. "Das ist keine kohärente Public-Health-Politik."
Ein Plädoyer für Regulierung statt Verbot
Die Autorin plädiert nicht für einen unkontrollierten Cannabiskonsum. Sie fordert Altersgrenzen, Tests und genaue Kennzeichnungen, Einschränkungen der Werbung gegenüber Kindern sowie die Bestrafung von fahrlässigem Fahren unter Einfluss. "Was wir stattdessen einstellen sollten, ist das Zerstören von Menschenleben, nur weil sie sich für Cannabis entschieden haben", schreibt sie.
Ihr Fazit: "Regulieren Sie es. Bilden Sie die Menschen ehrlich darüber auf. Halten Sie es von Kindern fern. Bestrafen Sie wirklich gefährliches Verhalten. Aber hören Sie auf, verantwortungsbewusste Erwachsene wie Kriminelle zu behandeln."
Der Beitrag von Tiffany McElrath, die über persönliche Freiheit, psychische Gesundheit und die alltäglichen Auswirkungen der öffentlichen Politik schreibt, erschien zuerst auf Marijuana Moment und wirft ein Schlaglicht auf die anhaltende Debatte um die Cannabislegalisierung in den USA.
