Asiatische Aktien steigen nach Fed-Zinserhöhung – China bleibt zurück
Fed-Zinserhöhung beruhigt Anleihemärkte – Asiatische Börsen reagieren gemischt

Die asiatischen Aktienmärkte haben am Donnerstag überwiegend zugelegt, nachdem die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ihren ersten Zinsanstieg seit 2023 verkündet hatte. Der Fokus von Fed-Chef Kevin Warsh auf die Inflationsbekämpfung half dabei, eine jüngste Veräußerungswelle an den Anleihemärkten zu beruhigen. Die US-Aktien-Futures stärkten sich im asiatischen Handel, wobei die Nasdaq-100-Futures und die S&P-500-Futures nach dem Rückgang an der Wall Street infolge der Fed-Entscheidung um 0,7 Prozent zulegten.
Die Notenbank hob ihren Leitzins einstimmig um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,0 Prozent an. Ihre Projektionen deuteten zudem auf einen weiteren Anstieg in diesem Jahr hin. Die Geldmärkte preisen nun eine Wahrscheinlichkeit von etwa 50 Prozent für einen weiteren Zinsanstieg im Oktober ein, während ein Anstieg im Dezember vollständig eingepreist ist. US-Staatsanleihen (Treasuries) hingegen milderten ihre Verluste. Die Rendite der zweijährigen Anleihe fiel um einen Basispunkt auf 4,72 Prozent, nachdem sie in der vorangegangenen Sitzung ihr Niveau seit 2024 erreicht hatte. Die Renditen der zehn- und 30-jährigen Anleihen sanken jeweils um etwa zwei Basispunkte.
Fed signalisiert Unabhängigkeit von Trump
Philip Wee, Stratege bei DBS, erklärte, dass die Entscheidung der Fed auch deren Unabhängigkeit vom Weißen Haus unterstrichen habe. Dies führe zu einer Konfrontation mit Präsident Donald Trump, der wiederholt Kürzungen der Zinssätze auf ein Prozent oder darunter gefordert habe. Die jüngste Zinserhöhung zeigt, dass die Fed ihren eigenen Kurs in der Geldpolitik verfolgt, ungeachtet des politischen Drucks aus Washington.
Der MSCI-Asia-Pacific-Index stieg um 0,4 Prozent. In Südkorea legte der KOSPI um 0,3 Prozent zu, während Japans Nikkei 225 um 0,4 Prozent zulegte. Hongkongs Hang Seng fiel jedoch um 1,1 Prozent, während der CSI 300 um 0,4 Prozent verlor. Die asiatischen Halbleiterwerte zeigten sich gemischt nach der Erholung der US-Futures nach der Fed-Ankündigung. SK Hynix fiel um 0,9 Prozent, während Samsung Electronics unverändert bei 253.500 Won notierte. Japans Kioxia verzeichnete einen Rückgang um zwei Prozent, Murata Manufacturing fiel um 2,4 Prozent und Largan verlor 1,7 Prozent.
Diese Entwicklungen erfolgten nach Bedenken hinsichtlich der Aussichten für KI-Investitionen und der Auswirkungen höherer Finanzierungskosten auf die Bewertungen von Technologieunternehmen. Chinesische Halbleiteraktien entwickelten sich ebenfalls unterschiedlich: NAURA Technology stieg um 0,7 Prozent, SMIC fiel um 2,4 Prozent und Cambrian Technologies verlor 1,5 Prozent. In Hongkong sprangen Z.AI um 4,7 Prozent und MiniMax um 5,3 Prozent nach oben, während Alibaba um 1,5 Prozent fiel, Tencent um 1,6 Prozent verlor und Meituan um 2,6 Prozent sank.
Blick auf BOE und BOJ
Allgemein wird erwartet, dass die britische Zentralbank Bank of England (BOE) ihre Zinsen am Donnerstag unverändert lässt. Anleger werden genau auf Anzeichen achten, ob hohe Energiepreise einen Zinsanstieg im November auslösen könnten. Die Bank of Japan (BOJ) wird voraussichtlich am Freitag die Zinsen anheben und signalisieren, dass weitere Verschärfungen möglich bleiben. Die Entscheidungen beider Notenbanken werden mit Spannung erwartet, da sie die weitere Richtung der globalen Geldpolitik mitbestimmen.
Brent-Rohöl notierte bei rund 105,75 Dollar pro Barrel, nachdem es am Mittwoch um bis zu fünf Prozent gefallen war, als sich einige versorgungsseitige Bedenken entspannten. Saudi-Arabien bemüht sich darum, innerhalb weniger Tage etwa die Hälfte der Kapazität seiner Ost-West-Pipeline wiederherzustellen, nachdem Drohnenangriffe ihre Schließung in der vergangenen Woche erzwungen hatten. Gleichzeitig erklärte Trump, der Krieg mit Iran werde „sehr bald“ enden.
Breite Marktentwicklung in der Region
In anderen Regionen stiegen Japans TOPIX um 0,7 Prozent, Australiens S&P/ASX 200 gewann 0,3 Prozent, Neuseelands NZX 50 kletterte um 0,9 Prozent und Singapurs Straits Times stieg um 0,4 Prozent. Indiens Nifty 50 legte um 0,6 Prozent zu, während Thailands SET um 0,9 Prozent zulegte. Die Philippinen’ PSEi stieg um 0,79 Prozent, Malaysias KLCI gab nur geringfügig nach und Indonesiens Jakarta Composite notierte flach.
Der Fokus verschiebt sich nun auf die Entscheidungen der BOE und BOJ. Die Märkte wägen ab, ob die strengere Haltung der Fed die Inflation eindämmen kann, ohne eine breitere Verlangsamung des Wirtschaftswachstums auszulösen. Für deutsche Anleger bleibt die Entwicklung der globalen Zinslandschaft von zentraler Bedeutung, da höhere Leitzinsen in den USA und möglicherweise auch in Japan die Kapitalflüsse und Wechselkurse beeinflussen könnten.
