Bank of England vor Zinswende: Erhöhung im November rückt näher
Angesichts hoher Energiepreise und steigender Inflationsrisiken signalisieren führende BoE-Vertreter eine mögliche Abkehr von der abwartenden Haltung.

Die Bank of England (BoE) steuert auf eine mögliche Zinswende zu. Angesichts anhaltend hoher Energiepreise und der damit verbundenen Inflationsrisiken signalisierten mehrere hochrangige Entscheidungsträger eine Abkehr von der bisherigen abwartenden Haltung. Während die US-Notenbank Federal Reserve und die Europäische Zentralbank bereits mit Zinserhöhungen reagiert haben, hielt die BoE ihren Leitzins zuletzt bei 3,75 Prozent. Der Fokus richtet sich nun fest auf die nächste Sitzung im November.
Sarah Breeden, stellvertretende Gouverneurin für Finanzstabilität, machte die veränderte Haltung bei einem Forum des National Institute of Economic and Social Research (NIESR) deutlich. Eine Zinserhöhung sei „zunehmend angemessen", betonte sie. Sie warnte davor, zu lange auf Anzeichen für Zweitrundeneffekte zu warten, da dies zu Bedauern führen könnte. Zur Veranschaulichung verglich Breeden die Lage mit einem „Zunderkasten", in den man immer mehr Funken werfe – was den Einsatz der „Löschschläuche", also einer strafferen Geldpolitik, wahrscheinlicher mache.
Ähnlich äußerte sich die stellvertretende Gouverneurin Clare Lombardelli. Sie verwies darauf, dass die Dauer der hohen Energiepreise das Risiko erhöhe, dass sich Inflationserwartungen und Lohnverhandlungen negativ anpassen. Damit wächst innerhalb der Notenbank der Druck, schneller zu handeln und die bisherige Geduld aufzugeben.
Iran-Konflikt treibt Energiepreise und Inflationsprognose
Hintergrund der angespannten Lage ist unter anderem der Konflikt im Iran, der die Energiepreise in die Höhe treibt. Die BoE prognostiziert für Anfang nächsten Jahres eine Inflationsrate von über 4 Prozent – mehr als das Doppelte ihres 2-Prozent-Ziels. Gouverneur Andrew Bailey hatte bereits betont, dass die Situation mit zunehmender Dauer schwieriger werde. Für deutsche Anleger ist das Signal relevant, weil die Geldpolitik in London auch die europäischen Finanzmärkte und den Euro-Dollar-Wechselkurs beeinflusst.
Uneinigkeit im geldpolitischen Ausschuss
Innerhalb des geldpolitischen Ausschusses (MPC) gibt es jedoch unterschiedliche Einschätzungen. Swati Dhingra mahnte zur Vorsicht und betonte, dass die langfristigen Inflationsdrucke erst im Laufe des Winters klarer würden. Sie wies darauf hin, dass die aktuelle Situation nicht mit den breit angelegten Preissteigerungen von 2022 vergleichbar sei und der Arbeitsmarkt mittlerweile schwächer dastehe. Damit steht einer möglichen Mehrheit für eine Erhöhung im November eine zumindest skeptische Minderheit gegenüber.
Märkte preisen Zinserhöhung bereits ein
Die Finanzmärkte reagieren bereits auf die Signale: Investoren preisen derzeit eine Wahrscheinlichkeit von etwa 75 bis 100 Prozent für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte bei der nächsten Sitzung im November ein. Analysten von Investec gehen davon aus, dass die Geduld der Ausschussmitglieder schwinden wird, sofern keine Entspannung bei den Energielieferungen durch die Straße von Hormus eintritt.
Die nächste Entscheidung der Bank of England wird mit Spannung erwartet. Sollte der MPC tatsächlich eine Anhebung beschließen, wäre das der erste Schritt weg von der abwartenden Haltung. Entscheidend dürfte sein, wie sich die Energiepreise und die Lage im Iran bis November entwickeln – denn genau davon hängt ab, ob die Notenbank den „Löschschlauch" tatsächlich einsetzt.
