BASF streicht mehr als die Hälfte der Stellen bei IT-Tochter
BASF streicht bei IT-Tochter BDS mehr als die Hälfte der Stellen – Gewerkschaft kritisiert Abbau von Know-how.

Der Chemiekonzern BASF verschärft seinen Sparkurs und nimmt nun massiv die IT-Tochter ins Visier. Die Digital Solutions GmbH (BDS) am Stammsitz Ludwigshafen soll drastisch verkleinert werden.
Nach Angaben der Gewerkschaft IGBCE sinkt die Belegschaft von derzeit rund 1900 Beschäftigten auf unter 1100 im Jahr 2028. Bis 2030 könnte die Zahl sogar auf weniger als 900 fallen. Das entspricht einem Abbau von mehr als der Hälfte der Stellen. Bislang hatte BASF keine konkreten Zahlen zum Umfang der Streichungen in diesem Bereich genannt.
Hintergrund ist die Verlagerung digitaler Aufgaben an kostengünstigere Standorte. Immer mehr IT-Arbeiten wandern nach Indien und Malaysia ab. Für die Beschäftigten in Ludwigshafen bedeutet das einen tiefgreifenden Einschnitt.
Gewerkschaft zeigt sich alarmiert
Die Arbeitnehmervertreter reagierten mit deutlicher Kritik auf die Pläne. „Wir sehen mit Sorge, dass am Standort Ludwigshafen in erheblichem Umfang Arbeitsplätze und Know-how abgebaut werden“, erklärte IGBCE-Gewerkschaftssekretär Nils Winternheimer.
Zugleich betonte die Gewerkschaft, dass eine Gesamtbetriebsvereinbarung mit dem Unternehmen geschlossen worden sei. Diese soll den Abbau sozialverträglich gestalten. Neben Regelungen für freiwillige Austritte und berufliche Neuorientierung gilt für Ludwigshafen weiterhin ein Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen. Unter bestimmten Bedingungen soll dieser Schutz sogar bis 2030 verlängert werden.
Teil des umfassenden Sparprogramms CoreShift
Der Stellenabbau bei der IT-Tochter ist nur ein Baustein eines weitreichenden Sparkurses bei BASF. Der Konzern leidet wie die gesamte Chemiebranche unter einer schwachen Nachfrage und hohen Energiepreisen. Vorstandschef Markus Kamieth hatte im Mai das Programm „CoreShift“ vorgestellt. Ziel ist es, die Fixkosten im Kerngeschäft bis 2029 um bis zu 20 Prozent zu senken.
Bereits im Februar hatte das Unternehmen den Umbau seiner IT- und Service-Strukturen angekündigt. Die Verlagerung von Tätigkeiten betrifft neben der IT-Tochter in Ludwigshafen auch Tausende Beschäftigte der BASF Services Europe am Standort Berlin.
Ludwigshafen verliert weiter an Bedeutung
Die Entwicklung in Ludwigshafen ist symptomatisch für den Wandel bei BASF. Die Zahl der Vollzeitstellen am Stammsitz fiel zuletzt erstmals seit 1954 auf unter 30.000. Weltweit hat BASF seit Januar 2024 bereits rund 7000 Stellen gestrichen.
Für Anleger stellt sich die Frage, ob die massiven Einsparungen ausreichen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Chemieriesen nachhaltig zu sichern. Der Konzern steht unter erheblichem Druck: Die hohen Energiekosten in Deutschland belasten die Margen, während die Nachfrage aus wichtigen Abnehmerbranchen wie der Automobilindustrie und dem Baugewerbe schwach bleibt.
Das CoreShift-Programm von CEO Kamieth zielt darauf ab, BASF schlanker und profitabler aufzustellen. Ob dies gelingt, wird maßgeblich davon abhängen, ob die Einsparungen nicht zulasten der Innovationskraft gehen. Der massive Know-how-Abgang in der IT könnte hier zum Risiko werden.
BASF-Aktionäre müssen sich auf weitere Belastungen einstellen. Die Aktie des DAX-Konzerns notiert weiterhin unter Druck. Die Unsicherheit über die konjunkturelle Entwicklung und die Höhe der Energiekosten in Europa belasten das Papier. Eine Erholung ist erst dann in Sicht, wenn sich die Rahmenbedingungen für die Chemieindustrie nachhaltig verbessern.
