Bilfinger streicht 1.500 Stellen: Aktie bricht nach Gewinnwarnung ein
Bilfinger streicht 1.500 Stellen und senkt Prognosen – Aktie bricht um 26 Prozent ein.

Der Mannheimer Industriedienstleister Bilfinger bricht seine Aufholjagd ab und schwenkt auf einen harten Sparkurs um. Vorstandschef Thomas Schulz streicht weltweit 1.500 der rund 31.000 Stellen. Die Ankündigung schickte die Bilfinger-Aktie am Donnerstag auf Talfahrt: Im MDax notiert, brach der Kurs um bis zu 26,4 Prozent auf 55,60 Euro ein – der tiefste Stand seit fast eineinhalb Jahren. Seit Februar hat sich der Aktienwert mehr als halbiert.
Mit dem Stellenabbau „erhöhen wir die Flexibilität unserer Organisation, um auf Marktveränderungen – wie den anhaltenden Konflikt im Mittleren Osten – künftig schneller und unabhängiger reagieren zu können“, begründete Schulz den Schritt. Die Entwicklung sei im Sommer deutlich hinter den ursprünglichen Annahmen zurückgeblieben, räumte Bilfinger am Mittwochabend ein. Grund sei vor allem der länger als erwartet andauernde Iran-Konflikt.
Sparprogramm „Agile“ soll Wende bringen
Das Management hatte eigentlich auf eine Belebung des Geschäfts gesetzt – etwa durch den Wiederaufbau der Infrastruktur im Nahen Osten. Doch die Kunden hielten sich auch im dritten Quartal zurück, sowohl bei Neuaufträgen als auch beim Abruf von Rahmenverträgen. Die Folge: Mitarbeiter sind nicht ausgelastet, was auf die Renditen drückt.
Mit dem Sparprogramm namens „Agile“ will Bilfinger nun gegen die Flaute stemmen. Es gehe um „die Anpassung von Kapazitäten an veränderte Marktbedingungen“, die ohnehin geplant gewesen sei, nun aber vorgezogen werde, erklärte der Konzern. Allerdings belastet der Stellenabbau den Gewinn in diesem Jahr zunächst mit 75 Millionen Euro, die im vierten Quartal als Rückstellungen gebucht werden. Ab 2028 soll das Programm dann jährlich 75 Millionen Euro mehr Gewinn bringen.
Analyst Pal Skirta von Bernstein SG zeigte sich skeptisch: „In einem Quartal, in dem verschobene Arbeiten eigentlich hätten kommen sollen, kam es stattdessen zu weiteren Verschiebungen.“ Damit fehlten den Optimisten die Argumente für die Annahme, dass die Aufträge eher verschoben und nicht verloren seien. Das Management habe in einer Analystenkonferenz auf politische Faktoren verwiesen: langwierige Entscheidungsprozesse in Deutschland, den Iran-Konflikt und hohe Energiepreise.
Deutlich gesenkte Prognosen schocken Anleger
Die gesenkten Gewinnerwartungen für das laufende Jahr trafen die Börsianer besonders hart. Für 2026 rechnet Bilfinger nur noch mit einem Umsatz von 5,3 bis 5,7 Milliarden Euro – zuvor waren 5,4 bis 5,9 Milliarden avisiert. Die Umsatzrendite vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) soll nur noch zwischen 3,2 und 3,6 Prozent liegen. Bisher hatte Bilfinger 5,8 Prozent (2025: 5,5 Prozent) angepeilt.
Selbst ohne die Kosten für das Sparprogramm würde die Marge mit 4,6 bis 5,0 Prozent hinter dem bisherigen Zielwert herhinken. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebita) würde damit auf 245 bis 285 Millionen Euro schrumpfen – nach 299 Millionen Euro im Vorjahr.
Die Mittelfristziele hält Bilfinger dagegen unverändert aufrecht: Bis 2030 soll der Umsatz pro Jahr – auch mithilfe von Zukäufen – im Schnitt um acht bis zehn Prozent zulegen. Die Ebita-Marge soll dann zwischen acht und neun Prozent liegen. Analyst Skirta bezeichnete diese Ziele als „anspruchsvoll, bis sich die Auslastung wieder sichtbar normalisiert habe“.
Für Privatanleger bleibt die Lage angespannt. Die Kombination aus geopolitischen Risiken, schwächelnder Nachfrage und einem milliardenschweren Sparprogramm, das zunächst Gewinne kostet, bevor es Früchte trägt, macht Bilfinger derzeit zu einem spekulativen Wert. Die Hoffnung ruht auf einer Stabilisierung im Nahen Osten und einer Erholung der europäischen Industriekonjunktur – beides Faktoren, die das Management nicht selbst steuern kann.
