Indien erhält Stahlexportquote für die EU im Handelsabkommen
Neues Freihandelsabkommen erlaubt Indien jährlich 1,64 Millionen Tonnen Stahlexporte in die EU.

Indien darf im Rahmen eines neuen Freihandelsabkommens mit der Europäischen Union künftig jährlich bis zu 1,64 Millionen Tonnen Stahl in die EU exportieren. Das geht aus dem veröffentlichten Rechtstext des Abkommens hervor, den die Nachrichtenagentur Reuters ausgewertet hat. Die Exporteure müssen jedoch weiterhin kohlenstoffbedingte Kosten entrichten.
Das Abkommen gewährt Indien ein zusätzliches Präferenzkontingent von 694.853 Tonnen Stahl. Dieses addiert sich zu einem bestehenden WTO-Kontingent von 946.616 Tonnen. Das kombinierte Kontingent entspricht rund 68,4 Prozent der indischen Stahlexporte in die EU, die im Jahr 2025 bei etwa 2,4 Millionen Tonnen lagen. Zum Vergleich: Unter dem vorherigen Kontingent lag dieser Anteil lediglich bei 39,4 Prozent.
Indische Stahlindustrie zeigt sich unzufrieden
Trotz der spürbaren Ausweitung der Quote zeigt sich die indische Stahlindustrie enttäuscht. Laut dem Reuters-Bericht hatte die Branche ursprünglich um 35 Prozent höhere Kontingente für verschiedene Produktkategorien gebeten. In einem an das indische Handelsministerium eingereichten Vermerk heißt es: „Das gesamte garantierte länderspezifische Kontingent Indiens gemäß dem Abkommen ist kleiner als sein derzeitiges Gesamtanspruchsvolumen, was das Land in eine ungünstige Position hinsichtlich des Marktzugangs versetzt."
Stahllieferungen, die das vereinbarte Kontingent überschreiten, unterliegen künftig einem EU-Zollsatz von 50 Prozent. Dies geht aus einer Analyse des indischen Thinktanks Global Trade Research Initiative (GTRI) hervor, die auf dem freigegebenen Rechtstext basiert. Allerdings könnte der Text nach Angaben der GTRI noch überarbeitet werden.
CBAM bleibt bestehen
Ein wichtiger Punkt für die indischen Stahlexporteure: Das Präferenzkontingent befreit indischen Stahl nicht vom EU-Carbon-Border-Adjustment-Mechanismus (CBAM). Dieser CO2-Grenzausgleichsmechanismus findet auf alle Stahlimporte in die EU Anwendung. Die GTRI schätzt, dass dieser Mechanismus nach vollständiger Umsetzung durchschnittlich rund 35 Prozent des Wertes der Stahlimporte betragen wird.
Das Abkommen stellt für Indien einen wichtigen Schritt zur Stärkung der Handelsbeziehungen mit der Europäischen Union dar. Die EU ist einer der größten Absatzmärkte für indischen Stahl. Die neuen Regelungen könnten langfristig Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit der indischen Stahlindustrie auf dem europäischen Markt haben. Für deutsche Stahlverarbeiter und Importeure bedeutet die erweiterte Quote ein größeres Angebot an indischem Stahl, allerdings zu den Bedingungen des CO2-Grenzausgleichs.
