Barratt Redrow: Schwieriges Umfeld, aber Aktie legt am Ergebnis-Tag zu
Barratt Redrow legt Jahreszahlen vor: Margendruck, starke Liquidität und ein neues Rückkaufprogramm.

Der britische Wohnungsbauer Barratt Redrow (LSE:BTRW) hat am Dienstag seine Jahreszahlen vorgelegt und zeigt sich in einem schwierigen Marktumfeld kämpferisch. Die Aktie reagierte dennoch positiv auf die Nachrichten und legte am Ergebnis-Tag zu.
Eine detaillierte Handelsmitteilung im Juli hatte die Erwartungen für diese Jahreszahlen bereits vorgezeichnet. Wie erwartet spiegeln die Zahlen die anhaltenden Schwierigkeiten im gesamten Wohnungsbausektor wider. Barratt Redrow bildet dabei keine Ausnahme, hat seine Strategie aber mit Entschlossenheit an die schwache Marktlage angepasst.
Kapitalrückführung als Signal an die Aktionäre
Das Unternehmen reagierte auf den Druck der Aktionäre, sein Kapital effektiver einzusetzen. Barratt kündigte ein neues Programm in Höhe von 400 Millionen Pfund an. Es besteht aus einem Aktienrückkaufprogramm über 386 Millionen Pfund sowie einer nominalen Dividendenzahlung von einem Pence pro Aktie in Gesamthöhe von 14 Millionen Pfund.
Die Dividendenrendite wird dadurch von aktuell 6,2 Prozent auf 0,4 Prozent sinken. Der Rückkauf soll jedoch preisstabilisierend wirken und den deutlichen Abschlag der Aktie gegenüber dem Nettoinventarwert je Aktie verringern. Richard Hunter, Leiter der Märkte bei interactive investor, bezeichnet diesen Schritt als Beispiel für die Fähigkeit von Barratt, "die Hebel unter seiner Kontrolle in einem unglaublich herausfordernden Umfeld zu betätigen".
Kostendisziplin und starke Liquidität
Die Gruppe hatte zuvor angekündigt, die Ausgaben für Grundstücke zu reduzieren, um Profitabilität und finanzielle Stärke zu schützen. Die tatsächlichen Ausgaben beliefen sich auf 625 Millionen Pfund, nach 862 Millionen Pfund im Vorjahr. Damit liegen sie deutlich unter den zuletzt prognostizierten Werten zwischen 700 und 800 Millionen Pfund.
Dies hat die Nettokassenposition der Gruppe auf einen Schlag auf 773 Millionen Pfund verbessert. Das liegt weit über den erwarteten 550 bis 650 Millionen Pfund, die das Unternehmen im April noch genannt hatte. Im kommenden Jahr könnte sich dies jedoch ändern: Barratt veranschlagt kassenwirksame Ausgaben für Grundstücke in Höhe von 800 bis 900 Millionen Pfund, wodurch sich die Nettokassenposition zum Jahresende auf 400 bis 500 Millionen Pfund reduzieren dürfte.
Margendruck durch Anreizsysteme
Um das Kaufinteresse aufrechtzuerhalten, setzt Barratt auf Anreize wie ein erfolgreiches Teilzahlungssystem. Dies setzt jedoch die bereinigten Bruttogewinnmargen unter Druck, die von 17,4 auf 15,3 Prozent gesunken sind. Vor diesem Hintergrund waren alle Gewinne hart erkämpft.
Die Umsätze stiegen in den 52 Wochen bis zum 28. Juni um 6,6 Prozent auf 6,06 Milliarden Pfund. Der bereinigte Gewinn vor Steuern lag bei 572,8 Millionen Pfund, was einem Rückgang von 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Fertigstellungen von Wohnimmobilien stiegen um 5 Prozent auf 17.667 Einheiten, der durchschnittliche Verkaufspreis legte um 2,2 Prozent auf 352.000 Pfund zu.
Die zugrunde liegende private Reservierungsrate blieb mit 0,55 effektiv unverändert. Aktuell liegt sie bei 0,62, was einen vorsichtig vielversprechenden Start ins neue Geschäftsjahr darstellt.
Redrow-Integration abgeschlossen
Die Integration von Redrow ist nun abgeschlossen. Von den angestrebten Kostensynergien in Höhe von 100 Millionen Pfund wurden bereits 73 Millionen Pfund realisiert. Das aktuelle Auftragsbuch umfasst 11.200 Wohnungen, ein Anstieg von 5,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Wert stieg um 3,6 Prozent auf 3,38 Milliarden Pfund, was gewisse Einblicke in die Gewinne des laufenden Jahres bietet.
Die allgemeinen Aussichten bleiben jedoch vorsichtig. Die geschätzte Spanne für die Fertigstellungen wurde von 17.700 bis 18.200 auf 17.500 bis 17.900 reduziert. Grund sind anhaltende Verzögerungen im Planungsprozess.
Herausforderungen durch Klage und Kosteninflation
Ein weiterer Dorn im Fleisch des Sektors ist eine Sammelklage, die Ende Juni eingeleitet wurde. Sieben Bauunternehmen, darunter Barratt, werden auf Schadensersatz in Höhe von 4,5 Milliarden Pfund verklagt. Der Vorwurf: wettbewerbswidriges Verhalten habe zwischen Oktober 2015 und Juni dieses Jahres zu höheren Preisen für Neubauten geführt.
Zudem haben höhere globale Energiepreise und potenzielle Lieferkettenunterbrechungen infolge des Konflikts im Nahen Osten Barratt veranlasst, die Inflation der Baukosten für das nächste Jahr auf drei bis vier Prozent zu schätzen. Der Einfluss des Krieges auf die allgemeine Kaufbereitschaft der Verbraucher sei angesichts der Wahrscheinlichkeit längerfristig höherer Zinsen noch zu bewerten.
Langfristige Perspektive bleibt intakt
Trotz aller Widrigkeiten gibt es positive Ansatzpunkte. Es besteht weiterhin ein Angebotsdefizit an Wohnraum im Vereinigten Königreich, das die anhaltende Nachfrage sicherstellen dürfte. Die Regierung versucht zudem, die Planungsvorschriften zu lockern. Irgendwann werde die Zinstrajektorie nach unten korrigiert, was neue Käufer anlocken sollte.
Die Aktie von Barratt Redrow verzeichnete im letzten Jahr einen Rückgang von 25 Prozent und verpasste damit die Rallye des breiteren FTSE 100, der um 16 Prozent zulegte. In den letzten drei Monaten konnte die Aktie jedoch um zehn Prozent zulegen. Die Performance über zwei und fünf Jahre ist mit Rückgängen von 46 beziehungsweise 58 Prozent noch frustrierender.
Die Marktkonsensmeinung der Aktien lautet dennoch auf "starker Kauf". Die positive Reaktion auf die Zahlen deutet darauf hin, dass die Investoren zur Gruppe stehen – trotz aller Herausforderungen.
