Barclays warnt vor französischer Wahl als Risiko für den Euro
Die französische Präsidentschaftswahl 2027 könnte Euro und Staatsanleihen belasten, so die Analyse der Barclays-Strategen.

Die französische Präsidentschaftswahl im kommenden April könnte zum Risiko für den Euro und französische Staatsanleihen werden. Zu dieser Einschätzung kommen Analysten der britischen Großbank Barclays. Als Gründe nennen sie Schuldenmarktturbulenzen, eine instabile Finanzlage sowie das Fehlen einigender Kräfte aus dem politischen Zentrum. Frankreich ist nach Deutschland die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone – entsprechende politische Verwerfungen strahlen daher direkt auf die gesamte Währungsunion aus.
In den Umfragen führt derzeit die rechtsextreme Spitzenkandidatin Marine Le Pen. Auf Platz zwei liegt ihr Rivale von der linken Flanke, Jean-Luc Mélenchon. Damit spiegelt die Wahl laut den Analysten die zunehmende Polarisierung des Landes wider. Edouard Philippe, ein ehemaliger Premierminister unter dem scheidenden Präsidenten Emmanuel Macron, ist einer von Reuters zitierten Umfrage des Instituts Toluna Harris Interactive zufolge der einzige Kandidat der Mitte-rechts-Parteien, der in verschiedenen Szenarien vor Mélenchon liegt.
Zwischen Kaufchance und zu großer Zuversicht
In einer Notiz argumentieren die Barclays-Strategen Saadalla Nadra-Yazji und Rohan Khanna, dass ein „zynischer Marktbeobachter" einwenden würde, solche Dramen seien nicht so selten und böten letztlich eine „Kaufchance" für Investoren. Sie räumen ein, dass Le Pen eine Phase größerer fiskalischer Disziplin in Frankreich einläuten sowie einen moderateren und reformorientierteren Ton gegenüber der Europäischen Union anschlagen könnte.
Gleichzeitig weisen die Analysten darauf hin, dass die Zinsdifferenzen zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen „bereits erheblich gestiegen" seien. Dies deute darauf hin, dass die Märkte die Risiken der Wahl bereits eingepreist hätten. Diese Zinsdifferenz, auch Spread genannt, gilt als wichtiger Gradmesser für das Vertrauen der Anleger in die Bonität eines Landes: Je größer der Abstand zur als besonders sicher geltenden deutschen Bundesanleihe, desto höher die Risikoprämie, die Investoren verlangen.
Trotz dieser bereits vollzogenen Bewertung kommen die Strategen zu dem Schluss, dass die optimistische Sichtweise „zu großzügig gegenüber französischen und damit auch europäischen Vermögenswerten" sei. Sie sehen demnach weiteres Risikopotenzial.
Frankreich entfernt sich vom Kern
Als Begründung führen die Analysten mehrere Belastungsfaktoren an. Insbesondere die restriktivere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, angebotsseitige Inflation und geopolitische Spannungen trügen dazu bei, dass sich französische Anleihen „mehr wie periphere und deutlich weniger wie Kern"-Schuldtitel verhielten. Mit anderen Worten: Frankreich wird von den Märkten zunehmend wie ein Schuldner am Rand der Eurozone behandelt – und nicht mehr wie ein sicherer Kernstaat.
Hinzu kommt die fiskalische Entwicklung des Landes, die sich laut den Analysten „erheblich verschlechtert" hat. Um die großen Defizite einzudämmen, seien „schmerzhafte Eingriffe" erforderlich – und diese Defizite dürften voraussichtlich auch ins nächste Jahr reichen. Für Anleger bedeutet das eine anhaltende Unsicherheit über die Tragfähigkeit der französischen Staatsfinanzen.
Auch die politische Landschaft selbst nährt die Skepsis. Der Einbruch der Unterstützung für traditionell zentristische Politik sowie die Unsicherheit bezüglich dieser Parteien nach Macrons Abgang machten ein Aufeinandertreffen zwischen Le Pen und Mélenchon wahrscheinlicher, argumentieren Nadra-Yazji und Khanna.
Prognose: größerer Spread, schwächerer Euro
Vor diesem Hintergrund prognostizieren die Analysten, dass sich die Differenz zwischen den Renditen französischer und deutscher Staatsanleihen weiter vergrößern werde. Investoren würden demnach höhere Renditen für das Halten der risikoreicheren französischen Schulden verlangen. Gleichzeitig steht der derzeit überbewertete Euro laut Barclays vor einer potenziell scharfen Korrektur, sobald die politische Unsicherheit in Frankreich ihren Höhepunkt erreicht.
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung deshalb relevant, weil Frankreich ein Kernmitglied der Eurozone ist und die Gemeinschaftswährung eng an die Stabilität ihrer großen Mitgliedstaaten gekoppelt ist. Steigt die Risikoprämie französischer Anleihen dauerhaft, kann das den Euro unter Druck setzen und die Zinslandschaft in der gesamten Währungsunion beeinflussen. Die Barclays-Analysten zeichnen damit ein Bild, in dem die Märkte das französische Wahlrisiko zwar teilweise eingepreist haben – aber womöglich noch nicht vollständig.
