Bank of England hebt Leitzins erstmals seit 2023 auf 4 Prozent
Die Bank of England erhöht den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt auf 4 Prozent – der erste Schritt seit 2023.

Die Bank of England (BoE) hat am Donnerstag die Zinswende eingeleitet und den Leitzins erstmals seit 2023 um einen Viertelprozentpunkt auf 4 Prozent angehoben. Wie aus Berichten von Bloomberg und Investing.com hervorgeht, fiel die Entscheidung im geldpolitischen Ausschuss mit einer deutlichen Mehrheit von 8 zu 1 Stimmen. Catherine Mann, das einzige abweichende Mitglied, hatte sich für einen noch stärkeren Anstieg auf 4,25 Prozent ausgesprochen.
Die Entscheidung fällt in ein Umfeld deutlich gestiegener Inflation. Im September kletterte die Teuerungsrate auf 3,5 Prozent – den höchsten Stand seit elf Monaten – und liegt damit deutlich über dem Ziel der Notenbank von 2 Prozent. Für Mitte des nächsten Jahres prognostiziert die BoE einen weiteren Anstieg der Teuerungsrate auf etwa 5 Prozent.
Als Haupttreiber der Preisentwicklung identifizierte die Zentralbank die explodierenden Energiepreise, die eine Folge des seit neun Monaten andauernden Iran-Krieges sind. Zwar sieht die BoE bislang nur „begrenzte Anzeichen“ für Zweitrundeneffekte bei Löhnen und Preisen. Sie betonte jedoch, dass der Inflationsdruck ausreiche, um eine Straffung der Geldpolitik zu rechtfertigen.
Die Notenbank stemmt sich gegen einen externen Energieschock
Beobachter deuten den Schritt nicht als Versuch, die Wirtschaft abzukühlen, sondern als präventive Maßnahme. Nick Saunders, CEO von Webull UK, interpretiert die Entscheidung als Vorsorge, um ein Übergreifen des externen Energieschocks auf Lohnforderungen und die breitere Inflation zu verhindern. Damit soll verhindert werden, dass sich der einmalige Preisschub dauerhaft in der Inflationsrate festsetzt.
Paul Dales, Chefökonom für Großbritannien bei Capital Economics, bewertete den Ton der Entscheidung als „etwas hawkish“. Er schließt weitere Zinsschritte, möglicherweise bereits im Dezember, nicht aus. Die BoE betonte ihrerseits, dass sie die Zinsen bei Bedarf anpassen werde, um die Inflation mittelfristig wieder auf das 2-Prozent-Ziel zurückzuführen.
Mit diesem Schritt schließt sich die Bank of England anderen globalen Zentralbanken an. Die Federal Reserve, die Bank of Japan und die Europäische Zentralbank haben ihre Geldpolitik seit Beginn des Konflikts im Februar gestrafft. Großbritannien reiht sich damit in eine internationale Bewegung ein, die auf die gestiegenen Energiepreise reagiert.
Die Bank of England hielt den Leitzins monatelang bei 3,75 Prozent
Der nun vollzogene Schritt war in den vergangenen Monaten bereits angelegt. Bereits am 30.04.2026 berichtete aktien.news, dass die BoE ihren Leitzins unverändert bei 3,75 Prozent belassen hatte. Der Geldpolitische Ausschuss stimmte damals mit 8 zu 1 Stimmen für diese Entscheidung, lediglich Chefökonom Huw Pill plädierte für eine sofortige Anhebung auf 4,0 Prozent. Die Entscheidung fiel einen Tag nach dem identischen Schritt der US-Notenbank Federal Reserve und kurz vor der erwarteten Zinspause der Europäischen Zentralbank.
Auch am 18.06.2026 blieb der Leitzins bei 3,75 Prozent. Wie aktien.news berichtete, wurde die Entscheidung von sieben der neun Mitglieder des Ausschusses getragen, zwei Mitglieder votierten für eine Zinserhöhung. BoE-Chefökonom Huw Pill und das externe Ausschussmitglied Megan Greene stimmten als Gegenstimmen für eine Anhebung um 25 Basispunkte auf 4,00 Prozent.
Am 18.09.2026 hielt die BoE den Leitzins erneut bei 3,75 Prozent. Die Entscheidung fiel damals mit 6:3 Stimmen und spiegelte die zunehmende Zerrissenheit der Währungshüter wider. Drei Mitglieder – Chefvolkswirt Huw Pill sowie die externen Mitglieder Megan Greene und Catherine Mann – stimmten für eine Anhebung um 25 Basispunkte auf 4,0 Prozent. Notenbankchef Andrew Bailey warnte in der begleitenden Stellungnahme vor den Folgen der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten; der anhaltende Konflikt habe die Preise für Erdgas und Brent-Rohöl in diesem Monat um knapp 20 Prozent in die Höhe getrieben.
Am 25.09.2026 zeichnete sich die Wende ab. Wie aktien.news berichtete, steuerte die BoE auf eine mögliche Zinswende zu. Angesichts anhaltend hoher Energiepreise signalisierten mehrere hochrangige Entscheidungsträger eine Abkehr von der abwartenden Haltung. Sarah Breeden, stellvertretende Gouverneurin für Finanzstabilität, machte die veränderte Haltung bei einem Forum des National Institute of Economic and Social Research (NIESR) deutlich. Der Fokus richtete sich auf die Sitzung im November.
Die Zinswende reiht sich in eine globale Straffung der Geldpolitik ein
Für deutsche Privatanleger ist die Entscheidung vor allem als Signal zu lesen: Die BoE reagiert auf einen externen Energieschock und nicht auf eine überhitzte Binnennachfrage. Das unterscheidet den britischen Schritt von einer klassischen Konjunkturdämpfung. Wer in britische Anlagen investiert ist, sollte die weitere Entwicklung der Energiepreise und die Frage im Blick behalten, ob sich der Preisdruck auf Löhne und breitere Preise überträgt.
Bemerkenswert ist die Geschlossenheit des Ausschusses: Nach mehreren Sitzungen mit knappen oder gespaltenen Mehrheiten votierten diesmal acht von neun Mitgliedern für den Schritt. Nur Catherine Mann ging über die mehrheitlich beschlossene Anhebung hinaus. Diese Einigkeit könnte Marktteilnehmern als Hinweis auf eine entschlossene Haltung der Notenbank dienen.
Die BoE schließt weitere Zinsschritte nicht aus
Die weitere wirtschaftliche Entwicklung bleibt mit Unsicherheiten behaftet. Die BoE betonte, sie werde die Zinsen bei Bedarf anpassen, um die Inflation mittelfristig wieder auf das 2-Prozent-Ziel zurückzuführen. Paul Dales von Capital Economics hält weitere Zinsschritte, möglicherweise bereits im Dezember, für möglich.
Zusätzliche Unsicherheit bringt der Ausgang der US-Midterms. Dessen Auswirkungen auf eine mögliche diplomatische Lösung des Iran-Konflikts sind offen. Da die Energiepreise als Haupttreiber der Inflation gelten, dürfte die Entwicklung des Konflikts maßgeblich bestimmen, wie sich die Teuerungsrate und damit der geldpolitische Kurs der BoE weiterentwickeln.
Diese Fachbegriffe helfen beim Verständnis des Beschlusses
- Leitzins: Der zentrale Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld beschaffen können und der die Zinsen in der gesamten Wirtschaft beeinflusst.
- Zweitrundeneffekte: Die Übertragung eines ursprünglichen Preisschubs auf Löhne und andere Preise, wodurch sich die Inflation verfestigen kann.
- Hawkish: Eine geldpolitische Haltung, die auf straffere Zinsen und eine konsequente Inflationsbekämpfung ausgerichtet ist.
