Bahnstreik bringt unerwartete Gewinner hervor
Fluglinien, Autovermieter und Busunternehmen profitieren, während die Wirtschaft hohe Kosten trägt

Der längste Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn hat nicht nur massive Auswirkungen auf den Bahnverkehr, sondern auch unerwartete Gewinner hervorgebracht. Airlines, Autovermieter und Busbetreiber profitieren von dem angekündigten Ausstand der Lokführer. Insbesondere die Lufthansa-Tochter Eurowings erlebt in diesen Tagen den höchsten Buchungseingang seit mehr als vier Jahren. Die Nachfrage auf innerdeutschen Strecken ist sprunghaft angestiegen, und Eurowings erwägt bereits Zusatzflüge sowie den Einsatz größerer Airbus-Flugzeuge, um der gesteigerten Nachfrage gerecht zu werden.
Auch die Lufthansa selbst verzeichnet zusätzliche Buchungen für innerdeutsche Flugverbindungen und setzt auf verschiedenen Strecken größere Flugzeuge ein, um den Passagieren Reisemöglichkeiten zu bieten. FlixBus, ein Konkurrent der Deutschen Bahn auf der Schiene, vermeldet ebenfalls einen starken Anstieg der Nachfrage. In Zeiten von Streiks bei Wettbewerbern verdoppelt sich erfahrungsgemäß die Nachfrage, und auch dieses Mal ist keine Ausnahme. Es sind immer noch ausreichend Tickets verfügbar, aber bei Bedarf werden zusätzliche Busse eingesetzt.
Die Autovermieter sind ebenfalls im Aufwind. Sixt, ein börsennotierter Autovermieter mit knapp 350 Stationen in Deutschland, berichtet von einer deutlich erhöhten Nachfrage in dieser Woche. Europcar, mit über 300 Stationen in Deutschland, gibt an, noch viele freie Fahrzeuge zu haben, aber es könnte knapp werden, da bereits zahlreiche Buchungen eingegangen sind.
Die Lokführergewerkschaft GDL hat zu einem sechstägigen Streik aufgerufen, und Vermittlungsportale werben nun offensiv um Umsteiger. Ein Anbieter, billiger-mietwagen.de, der Leihwagen und Carsharing-Angebote vermittelt, verwendet die Slogans "Bye bye Bahnsinn, Hallo Carsharing", um die Aufmerksamkeit auf alternative Transportmöglichkeiten zu lenken.
Interessanterweise betont der Verband "Die Güterbahnen", ein Konkurrent der Deutschen Bahn im Güterverkehr, dass die bestreikte DB Cargo nur noch einen Marktanteil von 40 Prozent hat. Dies bedeutet, dass 60 Prozent der Züge im Schienengüterverkehr weiterhin normal verkehren und oft sogar besser ans Ziel kommen, da das Netz weniger überlastet ist. Die Auswirkungen des Streiks auf die Wirtschaft sind jedoch erheblich, da Ökonomen schätzen, dass ein eintägiger bundesweiter Bahnstreik etwa 100 Millionen Euro an Wirtschaftsleistung kostet. Bei einer sechstägigen Streikdauer könnten die Kosten sich sogar auf eine Milliarde Euro Schaden summieren, was deutlich zeigt, wie wichtig eine reibungslose Bahninfrastruktur für die deutsche Wirtschaft ist.
