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Armani vor Verkauf von 15 Prozent: Gespräche mit LVMH und L'Oréal

Der Luxuskonzern verhandelt über den Verkauf einer Minderheitsbeteiligung, die der verstorbene Gründer Giorgio Armani testamentarisch verfügt hat.

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Das italienische Modehaus Armani steht vor einem entscheidenden Schritt seiner Unternehmensgeschichte. Nach dem Tod des legendären Gründers Giorgio Armani im vergangenen September im Alter von 91 Jahren bereitet sich das Unternehmen auf formelle Verhandlungen über den Verkauf einer Minderheitsbeteiligung von 15 Prozent vor. Dieses Mandat hatte der verstorbene Designer in seinem Testament festgeschrieben. Für die Marke geht es dabei um mehr als einen reinen Anteilsverkauf: Der Schritt markiert den Versuch, sich von einem gründergeführten Familienunternehmen zu einer dauerhaft eigenständigen Institution weiterzuentwickeln.

Der Zeitplan hat sich verschoben. Ursprünglich waren die formellen Gespräche für Juni erwartet worden, nun sind sie für Ende September oder Anfang Oktober angesetzt. Im Testament hatte Giorgio Armani drei bevorzugte Interessenten benannt: den französischen Luxuskonzern LVMH, den Kosmetikriesen L'Oréal sowie den Brillenkonzern EssilorLuxottica. Damit sind drei der größten Player der europäischen Luxus- und Konsumgüterbranche in einem Verfahren gebunden, das für die Zukunft des Hauses Armani richtungsweisend ist.

Ein zentraler Streitpunkt ist die Struktur des Verkaufs. Armani-CEO Giuseppe Marsocci stellte zuletzt klar, dass der Verkauf der 15-Prozent-Beteiligung "nicht in Stein gemeißelt" sei als Transaktion mit einem einzigen Käufer. In Unternehmenskreisen wächst die Überzeugung, dass der Anteil unter den drei bevorzugten Parteien aufgeteilt werden könnte. Ein solches Vorgehen würde jedem der drei Interessenten einen Sitz am Tisch sichern und damit die Interessen der Traditionsmarke mit der strategischen Vorsicht der potenziellen Investoren ausbalancieren.

Die Details

Der Knackpunkt der Verhandlungen ist die Bewertung. Unternehmensnahe Quellen nennen eine Bewertung von rund 10 Milliarden Euro, während die potenziellen Investoren den Wert des Hauses laut Berichten zwischen 3 Milliarden und 7 Milliarden Euro veranschlagen. Diese erhebliche Lücke zwischen Vorstellung und Angebot dürfte die Gespräche maßgeblich erschweren. Sollten sich die Parteien bei Preis und Konditionen nicht einigen, hat das Unternehmen einen Börsengang als gangbare Alternative ins Spiel gebracht.

Auch die operative Entwicklung setzt das Management unter Druck. Armani hat zwei Jahre in Folge rückläufige Umsätze verzeichnet: ein Minus von 5 Prozent im Jahr 2024, gefolgt von einem Rückgang um 2,8 Prozent im Jahr 2025 auf 2,19 Milliarden Euro. Dem steht ein Anstieg des EBITDA um 3,2 Prozent auf 153 Millionen Euro gegenüber, der vor allem auf aggressive Kostensenkungen und die starke Entwicklung der High-End-Linie Armani Privé zurückgeführt wird.

Unter der Führung von CEO Giuseppe Marsocci, der sein Amt im Oktober angetreten hat, arbeitet das Unternehmen mit der Boston Consulting Group an einer Schärfung der Markenpositionierung. Die Strategie zielt darauf ab, das Portfolio stärker in Richtung margenstärkerer Accessoires zu verschieben, ein Bereich, der als bedeutende Wachstumschance identifiziert wurde. Flankiert wird dieser Kurs von einem weitreichenden Umbau des Verwaltungsrats: Mit dem ehemaligen Gucci-Chef Marco Bizzarri und dem Yoox-Gründer Federico Marchetti rücken externe Persönlichkeiten in das Gremium ein, während der langjährige Manager Leo Dell'Orco zum Vorsitzenden aufsteigt.

Für die Wiederbelebung der Marke Emporio Armani wurde der renommierte Designer Dario Vitale verpflichtet, bekannt für seinen Erfolg dabei, jüngere Zielgruppen für Miu Miu zu gewinnen. Emporio Armani steht derzeit für nahezu ein Drittel des Jahresumsatzes der Gruppe. Eine erfolgreiche Neupositionierung dieser Linie ist damit entscheidend für die künftige Relevanz des Gesamtunternehmens.

Die Motive der möglichen Käufer unterscheiden sich deutlich. Das Interesse von L'Oréal wird überwiegend als defensive Maßnahme gewertet, um die lukrative Lizenzvereinbarung mit Armani zu schützen, die bis 2050 läuft. EssilorLuxottica, das einen Lizenzvertrag bis 2038 hält, soll weniger am Besitz eines Modehauses interessiert sein und stärker darauf fokussiert sein, die Familie Armani zu unterstützen, zumal der eigene strategische Schwerpunkt auf Medizintechnik und dem US-Markt liegt. LVMH wiederum hat Interesse signalisiert, sieht sich aber mit einer Portfoliopassung konfrontiert: Armanis aktuelles Geschäftsmodell stützt sich stark auf niedrigere Preisklassen und Mode statt auf die margenstarken Accessoires, die den Kern des LVMH-Erfolgs ausmachen.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 10.03.2026 berichtete aktien.news, dass Leonardo Maria Del Vecchio die US-Großbank Citigroup mandatiert hat, um seine Beteiligung an der Familienholding Delfin aufzustocken. Konkret plante er, sein vertraglich gesichertes Vorkaufsrecht auszuüben und jeweils 12,5 Prozent der Anteile von seinen Geschwistern Luca und Paola zu erwerben.

Am 22.04.2026 meldete aktien.news, dass Leonardo Maria Del Vecchio laut Bloomberg News die Gespräche über einen Auskauf seiner Geschwister intensiviert. Das Volumen des geplanten Deals soll sich auf rund 10 Milliarden Euro belaufen, womit eine der größten Familientransaktionen im europäischen Unternehmensumfeld näher rückte. Im Mittelpunkt stand dabei EssilorLuxottica, der weltgrößte Brillenkonzern.

Am 17.08.2026 berichtete aktien.news, dass LVMH an der Börse seinen Bewertungsvorsprung gegenüber Ralph Lauren verloren hat. LVMH wurde von den Märkten mittlerweile mit einem leichten Abschlag gegenüber einem Anbieter bewertet, der im Luxussegment traditionell als deutlich zugänglicher und preiswerter gilt.

Am 16.09.2026 schilderte aktien.news den Weg des Traditionshauses Missoni vom Familienimperium zur Private-Equity-Wette. Trotz jahrzehntelanger Präsenz in Vorständen, Designstudios und auf den Modewochen gelang es Missoni nie ganz, seinen kulturellen Einfluss in ein Luxusimperium zu verwandeln, destabilisiert durch familiäre Tragödien, eine komplexe Lizenzstruktur, kreative Fehlschritte und mangelnde Skalierbarkeit.

Was das für Anleiter bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die Armani-Transaktion vor allem als Stimmungsindikator für die europäische Luxusbranche relevant. Armani selbst ist nicht börsennotiert, doch die Bewertungsunterschiede zwischen Vorstellungen und Angeboten zeigen, wie vorsichtig Investoren derzeit bei Traditionsmarken mit rückläufigen Umsätzen kalkulieren. Bemerkenswert ist die Konstellation, dass mit L'Oréal und EssilorLuxottica zwei Unternehmen im Bieterkreis sitzen, deren primäres Interesse dem Schutz bestehender Lizenzverträge gilt – ein Hinweis darauf, dass strategische Absicherung derzeit stärker wiegt als Expansion.

Der breitere Markt liefert zusätzliche Orientierung. Am 28. September 2026 zeigten die europäischen Märkte Anzeichen von Belastung: Der Stoxx Europe 600 fiel um 0,4 Prozent, belastet von Sorgen über hohe Kreditkosten und anhaltend hohe Ölpreise. Luxusaktien legten dennoch moderat und vorsichtig zu, wobei LVMH-Aktien um 0,8 Prozent stiegen, während andere Sektoren wie Banken und Technologie deutliche Verluste verzeichneten. Im Kontrast dazu legten japanische Aktien um 1,8 Prozent zu, nachdem sie aus einem dreitägigen Feiertag zurückkehrten.

Ausblick

Die formellen Gespräche über die 15-Prozent-Beteiligung sind für Ende September oder Anfang Oktober angesetzt. Offen ist, ob der Anteil an einen einzelnen Käufer oder aufgeteilt unter den drei testamentarisch benannten Interessenten geht. Kommt keine Einigung über Preis und Konditionen zustande, bleibt ein Börsengang die erklärte Rückfalloption. Der Markt richtet seinen Blick parallel auf makroökonomische Signale wie die diplomatischen Entwicklungen zwischen den USA und China, die Entwicklung der Anleiherenditen und die Schwankungen beim Rohöl.

Kurz erklärt

  • Minderheitsbeteiligung: Ein Anteil an einem Unternehmen, der dem Halter keinen beherrschenden Einfluss verschafft.
  • EBITDA: Eine Gewinnkennzahl, die Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen misst.
  • Börsengang: Der erstmalige Verkauf von Unternehmensanteilen an der Börse.
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