Apollo-CEO Rowan: Europa muss sich mit Private Markets versöhnen
Apollo-CEO Marc Rowan sieht großes Potenzial, aber auch Wissensdefizite in Europa bei Private Markets.

Apollo-CEO Marc Rowan hat auf der Finanz-CEO-Konferenz der Bank of America Securities eine klare Botschaft an die europäische Finanzbranche gerichtet: Das europäische Direktkreditgeschäft wird schneller wachsen als in jedem anderen Teil der Welt – doch die Region müsse sich erst noch mit den Private-Market-Anlagen versöhnen. „Es gibt nur ein geringes Wissen über Private Markets und das vorhandene Wissen bezieht sich ausschließlich auf Buyouts, Hebelgeschäfte und Transaktionen", sagte Rowan am Mittwoch auf der Konferenz.
Die Aussage des Apollo-Chefs kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Private Markets weltweit massiv an Bedeutung gewinnen. Europa gilt dabei als der kommende Wachstumsmarkt für Direktkredite, also für Kredite, die nicht über Banken, sondern direkt von Fonds an Unternehmen vergeben werden. Rowan zufolge hinkt das Verständnis für diese Anlageklasse in Europa jedoch hinterher. Während institutionelle Anleger in den USA bereits seit Jahren in Private Credit investieren, sei das Wissen in Europa noch stark auf klassische Transaktionen wie Buyouts beschränkt.
Die Details
Marc Rowan, Chief Executive Officer von Apollo Global Management Inc., äußerte sich am Mittwoch auf der Finanz-CEO-Konferenz der Bank of America Securities. Die Kernaussage: Das europäische Direktkreditgeschäft wird schneller wachsen als in jedem anderen Teil der Welt. Gleichzeitig stellte Rowan fest, dass Europa sich noch „mit den Private-Market-Anlagen versöhnen" müsse. Der Apollo-CEO kritisierte das mangelnde Wissen über Private Markets in der Region. Das vorhandene Wissen beziehe sich ausschließlich auf Buyouts, Hebelgeschäfte und Transaktionen.
Apollo Global Management ist einer der größten alternativen Vermögensverwalter weltweit und ein dominierender Akteur im Private-Credit-Segment. Die Aussagen Rowans sind vor dem Hintergrund zu sehen, dass Apollo seine Aktivitäten in Europa kontinuierlich ausbaut. Der Zeitpunkt der Konferenz war der 23. September 2026. Die Veranstaltung wurde von der Bank of America Securities ausgerichtet.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 17. April 2026 berichtete aktien.news, dass Apollo-CEO Rowan auf dem CNBC Invest in America Forum in Washington, D.C. mit ungewöhnlich deutlichen Worten auf Kritik an seinem Unternehmen reagiert hatte. Anlass war die Debatte um Rücknahmebeschränkungen bei Private-Credit-Fonds. Apollo hatte die vierteljährlichen Rücknahmen in einem seiner Private-Credit-Fonds auf 5 Prozent begrenzt, was in der Branche als allgemein akzeptierter Standard gilt. Rowan sparte dabei nicht mit Kritik an Wettbewerbern: „Wenn man als Manager von erstrangig besicherten Krediten keine Rücknahmen von 5 Prozent pro Quartal bedienen kann, sage ich es ganz offen: Dann ist man ein I" – so das damalige Zitat.
Am 7. Mai 2026 berichtete aktien.news über Apollos Pläne, bis Ende September tägliche Bewertungen für seine Private-Credit-Fonds anzubieten. Das Unternehmen gab diese Pläne während einer Telefonkonferenz mit Analysten im Anschluss an die Veröffentlichung der Ergebnisse für das erste Quartal bekannt. Der Schritt sollte Bedenken über mangelnde Transparenz im privaten Kreditmarkt adressieren. „Dies ist der Beginn einer Standardisierung in diesem Markt", sagte Rowan damals. Er erläuterte, dass Apollo dabei andere Transaktionen, vergleichbare Vermögenswerte und aktuelle Markttrends beobachten werde, um einen Preis für die jeweiligen Assets zu ermitteln.
Am 11. Mai 2026 berichtete aktien.news zudem, dass Apollo den Verkauf seiner börsennotierten Business Development Company MidCap Financial Investment Corp. (MFIC) erwägt. Das Unternehmen bewertet den Fonds und seine Investitionen mit rund 3 Milliarden US-Dollar. Die Gespräche befanden sich damals in einem frühen Stadium. Eine BDC ist eine in den USA regulierte Investmentgesellschaft, die Kapital an kleine und mittelständische Unternehmen vergibt – vergleichbar mit einem börsennotierten Private-Credit-Fonds.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger sind die Aussagen von Marc Rowan in mehrfacher Hinsicht relevant. Private Markets und insbesondere Private Credit sind Anlageklassen, die traditionell institutionellen Investoren vorbehalten waren. In den USA haben vermögende Privatanleger zunehmend Zugang zu diesen Produkten, während der Markt in Europa noch in den Kinderschuhen steckt. Rowans Aussage, dass das europäische Direktkreditgeschäft schneller wachsen wird als in jedem anderen Teil der Welt, deutet auf ein massives Wachstumspotenzial hin.
Gleichzeitig warnt der Apollo-CEO vor einem mangelnden Verständnis für die Risiken. Wer in Private Markets investiert, sollte die Unterschiede zu traditionellen Anlageklassen kennen. Private-Credit-Fonds sind in der Regel weniger liquide als börsengehandelte Anleihen oder Aktien. Apollo selbst hatte im April 2026 Rücknahmen in einem seiner Fonds auf 5 Prozent pro Quartal begrenzt – ein Standard, der zeigt, dass Anleger nicht jederzeit an ihr Geld kommen. Die von Apollo angekündigten täglichen Bewertungen ab September 2026 sind ein Schritt zu mehr Transparenz, ändern aber nichts an der grundsätzlich geringeren Liquidität.
Anleger sollten sich bewusst sein, dass Private Markets höhere Renditen versprechen, aber auch mit höheren Risiken und geringerer Flexibilität verbunden sind. Die Aussagen Rowans unterstreichen, dass Europa in diesem Bereich noch Nachholbedarf hat – sowohl bei der Regulierung als auch bei der Ausbildung von Anlegern.
Ausblick
Apollo treibt die Standardisierung im Private-Credit-Markt weiter voran. Die bis Ende September 2026 angekündigten täglichen Bewertungen für die Private-Credit-Fonds des Unternehmens sind ein wichtiger Schritt. Ob und wann der geplante Verkauf der MidCap Financial Investment Corp. (MFIC) mit einem Volumen von rund 3 Milliarden US-Dollar abgeschlossen wird, ist noch offen. Die Gespräche befanden sich zuletzt in einem frühen Stadium. Für Europa bleibt abzuwarten, ob und wie schnell die Region das von Rowan diagnostizierte Wissensdefizit aufholt. Das Wachstum des Direktkreditgeschäfts in Europa wird nach Einschätzung des Apollo-CEOs schneller sein als in jedem anderen Teil der Welt – eine Entwicklung, die sowohl Chancen als auch Risiken birgt.
Kurz erklärt
- Private Markets: Sammelbegriff für Anlagen in nicht börsennotierte Unternehmen und Vermögenswerte, darunter Private Equity (Beteiligungen) und Private Credit (Direktkredite). Diese Anlagen sind weniger liquide als börsengehandelte Wertpapiere.
- Private Credit: Direktkredite, die von spezialisierten Fonds an Unternehmen vergeben werden, ohne den Umweg über eine Bank. Die Kreditgeber verhandeln die Konditionen direkt mit dem Kreditnehmer.
- Buyout: Der Erwerb eines Unternehmens oder einer Mehrheitsbeteiligung durch einen Private-Equity-Investor, oft unter Einsatz von Fremdkapital (Hebelgeschäft).
