Anthropic-Umsatz erreicht 16,8 Milliarden Dollar vor geplantem Börsengang
Der KI-Entwickler steigert den Quartalsumsatz deutlich und bereitet sich auf einen Börsengang im November vor.

Der Umsatz von Anthropic ist im dritten Quartal auf 16,8 Milliarden US-Dollar gestiegen. Das berichtet der US-Sender CNBC unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Damit liegt der KI-Entwickler deutlich über dem Wert des zweiten Quartals, den die Quellen mit rund 11,6 Milliarden US-Dollar angeben.
Die Zahlen sind brisant, weil sich das Unternehmen hinter dem KI-Assistenten Claude auf einen Börsengang vorbereitet. Dieser ist Berichten zufolge für November geplant. Nach Angaben der Quellen hat Anthropic den Anlegern die Ergebnisse des dritten Quartals bereits mitgeteilt.
Neben dem Umsatzsprung gibt es weitere Kennzahlen, die für den geplanten Gang an die Börse relevant sind. So sei Anthropic im dritten Quartal bereinigt gewinnbringend tätig gewesen, betonten die Quellen. Zudem habe das Unternehmen den Anlegern mitgeteilt, dass es cashflow-positiv sei.
Die Details
Die Umsatzentwicklung von Anthropic zeigt nach den vorliegenden Angaben einen steilen Verlauf innerhalb des laufenden Jahres. Im ersten Quartal lag der Umsatz bei 4,7 Milliarden US-Dollar, im zweiten Quartal bei rund 11,6 Milliarden US-Dollar und im dritten Quartal bei 16,8 Milliarden US-Dollar. Die Angaben stammen von Personen, die mit der Sache vertraut sind und die gegenüber CNBC sprachen.
Ein weiterer Wert, den Anthropic den Anlegern genannt haben soll, betrifft die Effizienz des Kapitaleinsatzes. Wie die Financial Times berichtete, habe das Unternehmen im dritten Quartal pro Dollar an Ausgaben für Rechenleistung 1,70 US-Dollar an Umsatz generiert. Diese Kennzahl ist für Investoren insofern von Interesse, als der Betrieb großer KI-Modelle erhebliche Rechenkapazitäten erfordert.
Die Erwartungen der Anleger gehen über das abgelaufene Quartal hinaus. Nach Angaben des Wall Street Journal erwarten Investoren, dass Anthropic bis Jahresende annualisierte Umsätze in Höhe von 110 Milliarden US-Dollar erreichen wird. CNBC hatte zuvor berichtet, dass der Hersteller von Claude seine finanziellen Ergebnisse für das dritte Quartal erstmals auf einem Treffen mit potenziellen Anlegern offenlegen plane – einschließlich institutioneller Investoren. Diese Angaben stützten sich auf zwei mit der Sache vertraute Personen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Berichterstattung über Anthropic hat sich in den vergangenen Monaten verdichtet. Bereits am 13.08.2026 berichtete aktien.news, dass Anthropic beim geplanten Börsengang mit einer Bewertung von 2 Billionen US-Dollar oder mehr debütieren könnte. Der Bericht berief sich damals auf die Financial Times und ein halbes Dutzend Investoren des Unternehmens. Eine solche Bewertung würde Anthropic an SpaceX vorbeischieben und den größten Börsengang aller Zeiten markieren, hieß es damals.
Am 15.09.2026 meldete aktien.news, dass der IPO bereits Anfang November abgeschlossen werden könnte und eine Bewertung von rund zwei Billionen Dollar einbringen soll. In diesem Bericht wurde auch auf die Beteiligungen von Amazon und Alphabet an Anthropic hingewiesen, die bei einem Börsengang erheblich an Wert gewinnen könnten. Zudem wurde der annualisierte Umsatz genannt, der im Mai 47 Milliarden Dollar erreicht habe.
Nur wenige Tage später, am 19.09.2026, berichtete aktien.news über wachsende Skepsis unter Investoren. Konkurrenz durch OpenAI, preissensible Kunden und grundsätzliche Fragen zur Zukunft der Künstlichen Intelligenz überschatteten den geplanten IPO. Damals hieß es, die annualisierten Umsätze seien im Juli auf 65 Milliarden US-Dollar gestiegen, Unterstützer prognostizierten bis Jahresende mehr als 120 Milliarden US-Dollar, und das Unternehmen werde derzeit auf 965 Milliarden US-Dollar bewertet.
Am 29.09.2026 folgte ein weiterer Bericht von aktien.news auf Basis des IPO-Prospekts. Demnach könnte der Börsengang das KI-Labor mit rund 2 Billionen US-Dollar bewerten. Der Bericht enthielt auch eine Begriffsklärung für deutsche Leser: 2 Billionen US-Dollar entsprechen 2.000 Milliarden Dollar, im Englischen entspricht dies dem Wort "trillion".
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist der geplante Börsengang von Anthropic vor allem deshalb relevant, weil er zu den größten Technologie-Debüts der Geschichte gezählt werden könnte. Die nun berichteten Quartalszahlen liefern erstmals ein detaillierteres Bild der Ertragskraft. Der Umsatzsprung von 11,6 Milliarden US-Dollar im zweiten auf 16,8 Milliarden US-Dollar im dritten Quartal ist erheblich, ebenso der Hinweis auf eine bereinigte Profitabilität und einen positiven Cashflow.
Zugleich bleibt die Bewertungsfrage offen. Die in früheren Berichten genannten Erwartungen reichen von 965 Milliarden US-Dollar bis zu 2 Billionen US-Dollar. Die Skepsis, die aktien.news am 19.09.2026 beschrieb, ist damit nicht ausgeräumt. Anleger sollten beachten, dass die hier genannten Zahlen auf Angaben von mit der Sache vertrauten Personen und Medienberichten beruhen und nicht auf einer vollständig veröffentlichten Bilanz.
Ein direkter Zugang zu Anthropic-Aktien ist ohnehin erst nach dem Börsengang möglich. Wie aktien.news am 15.09.2026 berichtete, halten Amazon und Alphabet Minderheitsbeteiligungen an dem Unternehmen. Für Anleger, die nicht direkt investieren können oder wollen, sind solche Beteiligungen ein möglicher indirekter Weg – verbunden mit den üblichen Risiken eines Engagements in großen Technologiekonzernen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Der wichtigste Termin bleibt der geplante Börsengang. Nach den vorliegenden Berichten soll er im November stattfinden; ein früherer Bericht von aktien.news vom 15.09.2026 nannte ebenfalls Anfang November. Ein Bericht vom 13.08.2026 hatte noch Oktober genannt.
Für das Gesamtjahr kursieren unterschiedliche Erwartungen an den annualisierten Umsatz. Das Wall Street Journal nennt 110 Milliarden US-Dollar bis Jahresende. In dem Bericht von aktien.news vom 19.09.2026 war von mehr als 120 Milliarden US-Dollar die Rede, die Unterstützer prognostizierten. Beide Angaben beziehen sich auf den annualisierten Umsatz, also die Hochrechnung eines Zeitraums auf ein volles Jahr.
Kurz erklärt
- Annualisierter Umsatz: Hochrechnung des Umsatzes eines Zeitraums auf ein volles Jahr, um das Wachstumstempo vergleichbar zu machen.
- Cashflow-positiv: Das Unternehmen nimmt im laufenden Betrieb mehr Geld ein, als es ausgibt.
- Börsengang (IPO): Der erstmalige Verkauf von Aktien eines Unternehmens an der Börse.
