Seequent kündigt KI-gestütztes Imago für schnellere Kernprotokollierung an
Die Bentley-Tochter will Bohrkerndaten mit KI in Minuten statt Tagen analysieren und so Explorationsentscheidungen beschleunigen.

Die Software-Sparte von Bentley Systems, Seequent, hat ein neues, KI-gestütztes Bildanalyse-Tool namens Imago vorgestellt. Nach Angaben des Unternehmens ermöglicht es Geologen, Bohrkerndaten in Minuten statt in Tagen oder Wochen zu analysieren. Damit rückt die Automatisierung eines bislang überwiegend manuellen Arbeitsschritts in den Fokus der Rohstoffexploration.
„Jede Kernschale stellt eine erhebliche Investition dar, doch die Kernprotokollierung war traditionell ein manueller, qualitativer Prozess, dessen Ergebnisse von der Ausbildung, Erfahrung, Zeit und den Ressourcen des Geologen oder Kernprotokollierers beeinflusst wurden“, sagt Tim Schurr, Produktlinienmanager für Bohrdaten bei Seequent. „Durch die Anwendung von KI innerhalb des etablierten Workflows von Imago bringt die Imago-Bildanalyse Wiederholbarkeit in den Prozess, hilft Organisationen, Zeit und Geld zu sparen, und verbessert gleichzeitig die Konsistenz der erfassten Daten.“
Für Schurr ist diese Konsistenz entscheidend: „Das ist für jede nachfolgende Entscheidung von Bedeutung. Geologen können unerwartete Ergebnisse untersuchen, Annahmen hinterfragen sowie Modelle validieren und stärken, die Bohrentscheidungen leiten.“ Der Ansatz zielt damit nicht allein auf Geschwindigkeit, sondern auf die Zuverlässigkeit der Datengrundlage.
KI direkt im bestehenden Workflow
Bentley hatte Seequent im Jahr 2021 übernommen und kurz darauf die cloudbasierte Software von Imago zur Erfassung und Verwaltung geowissenschaftlicher Bilder hinzugefügt. Schurr betont, dass KI, die direkt in bestehende Explorations-Workflows integriert ist, die Konsistenz und Zuverlässigkeit der geologischen Daten verbessern kann, auf denen Explorationsentscheidungen basieren – und zwar anstatt Aufgaben lediglich zu beschleunigen.
Die Imago-Bildanalyse nutzt proprietäre Machine-Learning-Modelle von Seequent, um Fotoarchive von Kernen, die über Jahre von Bohrprogrammen gesammelt wurden, in quantitative geologische Daten umzuwandeln. Geologen können die Ausgaben mit den zugrunde liegenden Kernbildern abgleichen, Analysen anpassen und Ergebnisse validieren, bevor sie diese in Modellierungen, Interpretationen und Entscheidungsfindungsprozesse in der Exploration einbeziehen – „wobei eine direkte Verbindung zum Gestein selbst gewahrt bleibt“.
Diese Verbindung erweitert nach Unternehmensangaben den Wert von Kernbildern und geologischen Daten über die initiale Kernprotokollierung hinaus. Sie unterstützt damit Interpretation und Entscheidungsfindung während des gesamten Lebenszyklus von Exploration und Bergbau.
600 Meter Kernbilder in zwei Minuten
Seequent gibt an, dass seine speziell entwickelten Machine-Learning-Modelle zur Automatisierung der Vorbereitung und Analyse von Kernbildern eingesetzt werden. Dadurch werden neue und historische Bilder von Bohrkerenschalen in Auswertungen wie untertägige Datensätze für die Rock Quality Designation (RQD) umgewandelt. Die RQD ist eine gängige Kennzahl zur Bewertung der Gesteinsqualität im Bohrloch.
Als konkretes Beispiel führte das Unternehmen an, dass 600 Meter Kernbilder mithilfe der Imago-Bildanalyse in zwei Minuten verarbeitet wurden, um „strukturierte, tiefenreferenzierte Bohrdaten für nachgelagerte Interpretationen“ zu erzeugen. Solche tiefenreferenzierten Datensätze sind für die weitere geologische Modellierung von Bedeutung, da sie Aussagen über konkrete Abschnitte im Bohrloch erlauben.
Für deutsche Anleger und Marktbeobachter ist der Schritt vor allem ein Signal aus dem Umfeld der Bergbau- und Explorationstechnologie. Bentley Systems ist als Infrastruktur-Softwareanbieter bekannt; die Tochter Seequent bedient geowissenschaftliche Anwendungen. Die Integration von KI in etablierte geologische Workflows reiht sich in einen breiteren Trend ein, in dem Softwareanbieter versuchen, datenintensive Prozesse in der Rohstoffbranche zu automatisieren.
Seequent ist nach eigenen Angaben am Stand C27 auf der IMARC 2026 vertreten. Die International Mining and Resources Conference + EXPO gilt als eine der größten Bergbaukonferenzen Australiens und bringt nach Veranstalterangaben globale Bergbauführer mit Technologie, Finanzen und der Zukunft der Branche zusammen. Die Veranstaltung ist für den 27. bis 29. Oktober 2026 angesetzt, mit Öffnungszeiten von 9:00 bis 17:30 Uhr am Dienstag und Mittwoch sowie 9:00 bis 16:30 Uhr am Donnerstag.
Ob sich die versprochene Zeitersparnis in der Praxis flächendeckend durchsetzt, dürfte auch davon abhängen, wie gut sich die KI-Ergebnisse in bestehende geologische Interpretationsprozesse einfügen. Seequent setzt dabei auf die Kombination aus Automatisierung und menschlicher Validierung – ein Ansatz, der in der Branche zunehmend an Bedeutung gewinnt.
