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Anthropic-KI löst Kurseinbruch bei Datenanalyse- und Softwareaktien aus

Neue KI-Tools des Chatbot-Entwicklers schüren Disruptions-Ängste in traditionellen Branchen.

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Anthropic-KI löst Kurseinbruch bei Datenanalyse- und Softwareaktien aus

Die Einführung neuer KI-Funktionen durch das Unternehmen Anthropic hat am Dienstag zu massiven Kursverlusten bei Datenanalyse- und Softwareunternehmen in den USA und Europa geführt. Der KI-Entwickler hatte am Freitag Plug-ins für seinen Claude Cowork Agenten vorgestellt, die Aufgaben in den Bereichen Recht, Vertrieb, Marketing und Datenanalyse automatisieren sollen. Die Ankündigung löste bei Investoren Befürchtungen aus, dass traditionelle Geschäftsmodelle durch künstliche Intelligenz fundamental bedroht werden könnten.

Besonders hart traf es Thomson Reuters, dessen Aktie um fast 18 Prozent einbrach – der größte Tagesverlust in der Unternehmensgeschichte. Das kanadische Unternehmen betreibt mit Westlaw eine der führenden Rechtsdatenbanken und generiert dort einen Großteil seiner Umsätze. Seit Jahresbeginn hat die Aktie bereits 33 Prozent an Wert verloren. "Manchmal schießt der Markt einfach zuerst und stellt die Fragen später", kommentierte Mike Archibald, Portfoliomanager bei AGF Investments in Toronto, die Marktreaktion.

Morgan Stanley-Analysten unter der Leitung von Toni Kaplan berichteten, dass die meisten Investoren mittlerweile pessimistisch gestimmt seien. Die Konsensmeinung befürchte, dass Thomson Reuters angesichts der verstärkten Konkurrenz durch spezialisierte KI-Tools nicht mehr das gleiche Wachstumsniveau in seinem Rechtssegment aufrechterhalten könne. Das Unternehmen wird am Donnerstag seine Zahlen für das vierte Quartal vorlegen.

Europäische Rechtsdienstleister unter Druck

Auch europäische Anbieter von Rechtsanalysediensten gerieten massiv unter Verkaufsdruck. Die Aktie des britischen Unternehmens RELX fiel um 14 Prozent und steuerte auf den größten Tagesrückgang seit 1988 zu. Seit dem Höchststand im vergangenen Februar hat sich der Kurs fast halbiert. Das niederländische Unternehmen Wolters Kluwer verlor rund 13 Prozent. Diese dramatische Umkehr unterstreicht den wachsenden Druck, den KI-Technologien auf den europäischen Softwaresektor ausüben.

Weitere professionelle Dienstleistungsunternehmen verzeichneten ebenfalls deutliche Verluste. Factset Research gab 10,5 Prozent ab, Morningstar verlor 9 Prozent und LegalZoom brach um 19,7 Prozent ein. In London fielen Experian, Sage Group, London Stock Exchange Group und Pearson zwischen 6 und 12 Prozent. Die Verkaufswelle erfasste auch Werbeunternehmen: Omnicom verlor 11,2 Prozent, während die Aktien des französischen Konzerns Publicis nach Veröffentlichung der Unternehmensergebnisse um über 9 Prozent abstürzten.

Strukturelle Neubewertung im Technologiesektor

"Der Verkaufsdruck bei Software und Datenanalyse spiegelt eine sich vertiefende Strukturdebatte wider", erklärte Jonathan McMullan, Analyst bei Schroders. Die historische "Sichtbarkeitsprämie" schwinde, da die Geschwindigkeit des KI-Fortschritts die Verteidigung langfristiger Bewertungen erschwere. Besonders bedroht sei das traditionelle Modell der Abrechnung pro Softwarebenutzer, da KI-Tools es Unternehmen ermöglichen, mit weniger Personal mehr zu leisten.

Auch die großen US-Technologiekonzerne blieben von der Marktkorrektur nicht verschont. Nvidia verlor 2,8 Prozent, Meta Platforms gab um 2,1 Prozent nach, Microsoft fiel um 2,9 Prozent und Oracle sank um 3,4 Prozent. Der Leitindex S&P 500 verlor 0,84 Prozent, während der technologielastige Nasdaq um 1,43 Prozent nachgab. Händler und Analysten betonten, dass die Anlegerangst oft die tatsächlichen Fundamentaldaten der Unternehmen übersteige und die Marktreaktion möglicherweise übertrieben sei.

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