Anthropic IPO: Droht SpaceX der Verlust des Rekords?
KI-Entwickler Anthropic könnte SpaceX als größten Börsengang aller Zeiten ablösen.

SpaceX hat im Juni mit einem Börsengang Geschichte geschrieben. Das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk sammelte 75 Milliarden US-Dollar ein und bewertete die Aktie auf 1,77 Billionen US-Dollar – der größte IPO aller Zeiten. Doch dieser Rekord könnte bereits im nächsten Monat fallen. Der KI-Entwickler Anthropic, bekannt für seine Claude-Sprachmodelle, steht offenbar vor dem Börsengang und könnte SpaceX überflügeln.
Die entscheidende Frage für Anleger: Ist Anthropic den Hype wert? Ein Blick auf die Zahlen zeigt ein Unternehmen, das in atemberaubendem Tempo wächst – aber auch eine Aktie, die möglicherweise bereits vollständig bewertet ist.
Die KI-Chance von Anthropic
Anthropic generiert Einnahmen, indem es Einzelpersonen und Unternehmen Zugang zu seiner Familie der Claude-Sprachmodelle (LLMs) verkauft. Das Geschäftsmodell ähnelt dem von OpenAI, doch Anthropic hat sich mit einem Fokus auf Sicherheit und Zuverlässigkeit positioniert.
Die Wachstumszahlen sind beeindruckend: Berichten zufolge überstieg die annualisierte Umsatzlaufgeschwindigkeit von Anthropic Ende Juli 65 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: SpaceX lag zum Zeitpunkt seines letzten Quartals bei etwa 31,2 Milliarden US-Dollar. Anthropic setzt also mehr als doppelt so viel um wie das Raumfahrtunternehmen.
Noch bemerkenswerter ist das Wachstumstempo. Der Umsatz im zweiten Quartal lag bei über 11,5 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg von 143 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einer Steigerung von 1.361 Prozent. Solche Wachstumsraten sind in der Technologiebranche nahezu beispiellos.
Rentabilität trotz hoher Investitionen
Ein entscheidender Unterschied zu vielen KI-Startups: Anthropic erwirtschaftet ein positives bereinigtes Betriebsergebnis. Das ist angesichts des hohen Investitionsbedarfs für das Training modernster KI-Modelle keine einfache Leistung. Die Entwicklung großer Sprachmodelle ist extrem kapitalintensiv, da sie enorme Rechenleistung und spezialisierte Hardware erfordert.
SpaceX hingegen argumentierte selbst, dass seine wichtigsten Chancen in der KI-Branche liegen. Das Raketenunternehmen schätzte den adressierbaren Gesamtmarkt (TAM) in der KI-Sparte auf 26,5 Billionen US-Dollar ein – den gesamten TAM seines Geschäfts auf 28,5 Billionen US-Dollar. Die Bewertung von SpaceX ist also maßgeblich eine Funktion seiner KI-Chancen, nicht seiner Raumfahrtaktivitäten.
Die SpaceX-Fallstudie für Anleger
Die Leistungen von SpaceX in der Raumfahrtindustrie waren in den vergangenen zwei Jahrzehnten beeindruckend. Das Unternehmen war Pionier bei wiederverwendbaren Raketen und hat die Kosten für Weltraumflüge erheblich gesenkt. SpaceX ist der klare Marktführer in der Branche der Weltraumstarts und erzielt bedeutende Umsätze aus Verträgen mit Regierungsbehörden. Zudem arbeitet das Unternehmen an der nächsten Raketengeneration Starship, die vollständig wiederverwendbar sein soll.
Doch seit dem Börsengang hat sich die SpaceX-Aktie im Wesentlichen seitwärts bewegt. Zwar stieg der Kurs zeitweise auf 225,64 US-Dollar und das Unternehmen legte exzellente Finanzergebnisse für das zweite Quartal vor. Doch größtenteils war das, was SpaceX seit dem IPO erreicht hat, bereits im Aktienkurs eingepreist.
Vorsicht vor überhöhten Erwartungen
Ähnliches könnte bei Anthropic eintreten. Trotz des rasant wachsenden Umsatzes und der massiven Chancen in der KI-Branche könnte das Aufwärtspotenzial bei einem Marktwert von 2 Billionen US-Dollar oder mehr begrenzt sein. Die Erwartungen an das Unternehmen sind bereits jetzt extrem hoch.
Anthropic kann zwar eine etablierte Erfolgsbilanz aus Durchbrüchen und Marktdominanz vorweisen – anders als SpaceX, das sich über zwei Jahrzehnte in der Raumfahrtindustrie bewährt hat. Doch die Bewertung spiegelt diese Zukunftshoffnungen bereits wider.
Für Anleger, die über einen Kauf von Anthropic-Aktien beim Börsengang nachdenken, ist Vorsicht geboten. Die Geschichte von SpaceX zeigt, dass selbst bei exzellenten Fundamentaldaten das Kurspotenzial begrenzt sein kann, wenn die Bewertung bereits alle positiven Erwartungen eingepreist hat. Wer jetzt einsteigt, kauft möglicherweise zu Höchstkursen – und das Risiko einer Enttäuschung ist hoch.
