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Anthropic erwägt neues KI-Modell vor möglichem Börsengang

Anthropic plant neues KI-Modell gegen OpenAI-Konkurrenz vor möglichem Börsengang

3 Min
Anthropic erwägt neues KI-Modell vor möglichem Börsengang

Das KI-Unternehmen Anthropic erwägt einem Reuters-Bericht zufolge die Veröffentlichung eines neuen KI-Modells, um dem jüngsten Erfolg von OpenAIs GPT-6 Astra entgegenzutreten. Dies geschieht im Vorfeld eines erwarteten Börsengangs und nur wenige Tage, nachdem Anthropic-CEO Dario Amodei öffentlich zu einer Verlangsamung der KI-Entwicklung aufgerufen hatte.

Drei mit der Angelegenheit vertraute Personen berichten, dass der Zeitpunkt des möglichen Starts darauf abzielt, dem wachsenden Wettbewerbsdruck durch den direkten Rivalen OpenAI zu begegnen. Das Unternehmen prüft dabei auch die Sicherheit seines nächsten Modells als Teil der Veröffentlichungsüberlegungen.

Widerspruch zwischen Sicherheitsappell und Wettbewerbsdruck

Die Entwicklung ist bemerkenswert, denn erst am 12. September hatte Amodei in einem 3.800 Wörter langen Essay ein düsteres Szenario von KI-Agentenschwärmen gezeichnet, die das Internet übernehmen und die menschliche Kontrolle übertreffen. „Wir müssen das Tempo verlangsamen, mit dem wir die Fähigkeiten von KI-Modellen verbessern“, schrieb der Anthropic-CEO. Unterstützung für diesen Appell kam überraschenderweise von OpenAI-CEO Sam Altman und SpaceX-CEO Elon Musk.

Nun zeigt sich jedoch, dass der Wettbewerbsdruck offenbar stärker wiegt als die Sicherheitsbedenken. Einige Investoren haben ihre Einschätzung der Marktposition von Anthropic als führenden Anbieter von Unternehmens-KI-Tools bereits neu bewertet, seit OpenAI am 3. September GPT-6 Astra veröffentlichte.

OpenAI holt mit GPT-6 Astra auf

OpenAI warb bei der Einführung von GPT-6 Astra mit Verbesserungen in den Bereichen Computernutzung, Softwareentwicklung, Cybersicherheit und professioneller Arbeit. Das Modell stieß auf starkes Interesse bei Unternehmenskunden und Entwicklern. Laut den neuesten Daten der Unternehmensausgabenplattform Ramp entfielen auf Astra etwa 13 Prozent der erfassten Ausgaben für Unternehmens-KI, verglichen mit rund acht Prozent für Claude Fable von Anthropic.

Auch auf der Entwicklerplattform OpenRouter hat Astra die Führung übernommen. Die Nutzer gaben dort letzte Woche erstmals seit mehr als zweieinhalb Jahren wieder mehr für OpenAI-Modelle als für Anthropic-Modelle aus.

Anthropic behält Einkommensvorsprung

Trotz des Aufholens von OpenAI sehen viele bestehende und potenzielle IPO-Investoren keine unmittelbare Bedrohung für Anthropic. Die annualisierte Umsatzrate von Anthropic lag Ende Juli bei über 65 Milliarden Dollar, verglichen mit etwa neun Milliarden Dollar Ende 2025. Für 2028 prognostiziert das Unternehmen einen Umsatz von rund 190 bis 200 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Die annualisierte Umsatzrate von OpenAI überschritt im Juli 40 Milliarden Dollar.

Investoren rechnen jedoch damit, dass sich die Führungsposition unter den großen KI-Entwicklern wiederholt verschieben wird, da jedes neue Modell potenziell kurzlebige Vorteile bringt.

Größere Herausforderung durch Open-Source-Modelle

Eine möglicherweise größere Bedrohung für Anthropic und andere führende KI-Anbieter ist der Aufstieg von Open-Source- und Open-Weight-Modellen. Diese senken die Token-Kosten und ermöglichen es Unternehmen, mehr eigene KI-Infrastruktur aufzubauen, anstatt sich auf externe Anbieter zu verlassen.

Meta Platforms gehörte zu den größten Kunden von Anthropic, will jedoch seinen Einsatz der Modelle reduzieren, während es intern mehr KI-Fähigkeiten entwickelt, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen berichten.

IPO-Zeitplan weiter unklar

Unterdessen hat OpenAI etwas Druck von der Jagd nach den öffentlichen Märkten genommen. CEO Sam Altman bestätigte am Samstag, dass das Unternehmen nicht im Jahr 2026 an die Börse gehen werde, mit Verweis auf KI-Sicherheitsbedenken. Anthropic könnte seinen Börsengang auf die Zeit nach den US-Zwischenwahlen im November verschieben. Reuters hatte zuvor berichtet, dass das Marketing frühestens Mitte Oktober beginnen sollte.

Die Debatte über Ausgaben für neue Modelle unterstreicht den zunehmenden Druck auf KI-Unternehmen, früher nachhaltige Cashflows zu generieren. Steigende Zinsen und harter Wettbewerb durch günstigere Open-Source-Alternativen, insbesondere aus China, setzen die Branche unter Zugzwang.

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