Anthropic eröffnet Indien-Büro: KI-Expansion mit verdoppeltem Umsatz
US-KI-Entwickler startet in Bangalore durch – Indien wird nach USA zum zweitgrößten Claude-Markt

Der US-amerikanische KI-Entwickler Anthropic PBC expandiert mit einem neuen Büro in Bangalore nach Indien. Es ist der zweite asiatische Standort nach Tokio. Die Leitung übernimmt Irina Ghose als Managing Director India. Die Expansion erfolgt zeitgleich mit dem AI Impact Summit in Neu-Delhi, bei dem sich Indiens Premierminister Narendra Modi mit den CEOs führender KI-Unternehmen trifft.
CEO Dario Amodei berichtet von beeindruckenden Zahlen: Die Umsatz-Run-Rate in Indien hat sich innerhalb von vier Monaten verdoppelt. Indien ist nach den USA der größte Markt für das KI-Modell Claude. Besonders das Coding-Modell Claude Code verzeichnet überdurchschnittliches Wachstum. Das Unternehmen fokussiert sich auf die Einstellung lokaler Talente und den Ausbau strategischer Partnerschaften.
Zu den neuen Partnern zählen das Fintech-Unternehmen CRED und die Fluggesellschaft Air India. Air India setzt Claude Code zur Beschleunigung der Softwareentwicklung und Integration agentenbasierter KI ein. Der IT-Konzern Cognizant nutzt Claude zur Modernisierung veralteter Systeme. Weitere Kooperationen bestehen mit indischen Start-ups aus den Bereichen Recht, Bildung, Gesundheitswesen und Landwirtschaft.
Enterprise-Fokus und technische Intensität
Anthropics Strategie zielt auf den Enterprise-Markt ab. Mit Claude Cowork führte das Unternehmen kürzlich einen KI-Agenten für Büroangestellte ein. Die Claude-Nutzung in Indien zeichnet sich durch besonders hohe technische Intensität aus. Anders als in anderen Märkten liegt der Schwerpunkt auf Produktivitäts- und professionellen Arbeitslasten statt auf Consumer-Anwendungen.
Der AI Impact Summit markiert das erste globale KI-Treffen in einem Entwicklungsland. Neben Anthropic-CEO Amodei nehmen OpenAI-Chef Sam Altman, <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AGOOG">Alphabet-CEO Sundar Pichai und Google DeepMind-Chef Demis Hassabis teil. Auch Reliance-Chairman Mukesh Ambani und der französische Präsident Emmanuel Macron sind als Redner geladen. Modi betont das Gipfel-Motto "Wohlstand für alle, Glück für alle" als Zeichen menschenzentrierten Fortschritts.
Anwendungsorientierte KI-Strategie
Indien verfolgt eine pragmatische Strategie: Statt eigene Frontier-Modelle zu entwickeln, konzentriert sich das Land auf anwendungsorientierte Innovation. Bisher hat Indien kein KI-Modell hervorgebracht, das mit US- oder chinesischen Modellen konkurrieren kann. Die Strategie zahlt sich aus – mit über 72 Millionen täglichen ChatGPT-Nutzern Ende 2025 ist Indien einer der größten Endnutzermärkte für generative KI.
Die Attraktivität des Landes basiert auf seinem enormen Talentpool und der jungen, technologieaffinen Bevölkerung. Tech-Konzerne errichten zunehmend Global Capability Centers (GCCs). Über 60 Prozent der in den letzten zwei Jahren gegründeten GCCs fokussieren sich auf KI, Daten oder Produktentwicklung. Für die Zukunft wird erwartet, dass mehr als 80 Prozent der geplanten GCCs KI-zentriert sein werden.
Große Infrastrukturinvestitionen sind zugesagt: Alphabet, Microsoft und Amazon planen kombinierte Investitionen von 68 Milliarden US-Dollar in KI- und Cloud-Infrastruktur bis 2030. Die indische Regierung fördert parallel den Aufbau einer heimischen Lieferkette und genehmigte Halbleiterprojekte im Wert von 18 Milliarden US-Dollar. Unternehmen suchen verstärkt nach Führungskräften für neue Positionen wie "Chief AI Officer".
Auswirkungen auf IT-Dienstleistungsbranche
Die rasche KI-Einführung beunruhigt Indiens 283 Milliarden US-Dollar schwere IT-Dienstleistungsbranche. Allein im Februar verloren Aktien indischer Softwareexporteure über 47 Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung. Die Investmentbank Jefferies prognostiziert, dass Callcenter bis 2030 einen Umsatzrückgang von 50 Prozent durch KI-Einführung erleiden könnten.
Der AI Impact Summit in Neu-Delhi ist logistisch eine Mammutaufgabe. Über 250.000 Besucher und 300 Aussteller werden auf dem 70.000 Quadratmeter großen Gelände des Bharat Mandapam erwartet. Die Ankunft tausender internationaler Delegierter ließ die Luxushotelpreise in Delhi stark ansteigen. Aufgrund erwarteter Verkehrsstaus erlaubte der Oberste Gerichtshof Anwälten während der Gipfelwoche die Teilnahme per Videokonferenz.
