Anleihemarkt: Renditen von JGBs und US-Treasuries auf Jahrzehntehochs
Die Rendite der zehnjährigen japanischen Staatsanleihe klettert auf den höchsten Stand seit 1996, getrieben von US-Treasuries und einem schwachen Yen.

Ein historischer Tag am globalen Anleihemarkt: Die Rendite der zehnjährigen japanischen Staatsanleihe (JGB) ist am Donnerstag auf ein 30-Jahres-Hoch gestiegen. Sie kletterte um 8 Basispunkte auf 3,055 Prozent und markiert damit den höchsten Stand seit August 1996. Getrieben wurde der Anstieg von den steigenden Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen, die im gesamten Kurvenverlauf nahezu Zweidekaden-Höchststände erreichten. Verschärft wurden die Bedenken zusätzlich durch inflatorische Drucke, die ein schwächerer Yen befeuert.
Die zehnjährige US-Treasury-Rendite stieg auf ein 19-Jahres-Hoch. Der Anstieg der japanischen Anleiherenditen spiegelt damit die höheren US-Renditen wider – ein Muster, das zeigt, wie eng die beiden größten Bondmärkte der Welt inzwischen verzahnt sind. Japans Benchmark-Borrowing-Costs waren bereits Anfang dieses Monats auf ein Dreidekaden-Hoch gestiegen.
Auch über die kürzeren und längeren Laufzeiten hinweg zogen die Renditen deutlich an. Die Rendite der 30-jährigen japanischen Anleihe legte um fast 7 Basispunkte auf 4,134 Prozent zu. Die 5-jährige Anleihe stieg mit einem Plus von ebenfalls 7 Basispunkten auf einen Rekordwert von 2,345 Prozent.
Politischer Druck aus Washington
Der japanische Renditesprung hat auch eine politische Vorgeschichte. US-Finanzminister Scott Bessent hatte zu Beginn des Monats signalisiert, er erwarte Maßnahmen aus Tokio und von der Bank of Japan zur Stützung des fallenden Yen. Der schwächere Yen gilt als Treiber importierter Inflation und erhöht den Druck auf die heimischen Anleihemärkte.
Als konkrete Auslöser des jüngsten Verkaufsdrucks nennt die Bank UOB in einer Notiz mehrere Faktoren: „Der Verkauf wurde durch wieder steigende Ölpreise, besser als erwartete US-PMI-Daten und eine schwache Nachfrage bei einer US-Auktion über 70 Milliarden Dollar für 5-jährige Treasuries getrieben, was die 5-Jahres-Renditen über 5 Prozent trieb."
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung vor allem ein Signal für die globale Zinsdynamik. Steigende Renditen an den beiden größten Anleihemärkten der Welt üben in der Regel Aufwärtsdruck auf die Kapitalmarktzinsen auch außerhalb Japans und der USA aus. Zugleich bedeutet ein Renditeanstieg fallende Kurse bei bereits im Depot befindlichen Anleihen – ein Effekt, der sich unmittelbar in der Bewertung von Rentenfonds niederschlägt. Wer in globalen Anleihe-ETFs investiert ist, spürt diese Bewegung daher direkt.
Beobachter richten den Blick nun auf die weitere Entwicklung des Yen und auf die Geldpolitik der Bank of Japan. Sollte der inflatorische Druck durch den schwachen Yen bestehen bleiben, dürften Notenbank und Finanzministerium noch stärker in den Fokus rücken. Klar ist: Der gleichzeitige Anstieg der Renditen in Tokio und Washington markiert einen bemerkenswerten Einschnitt für die weltweiten Bondmärkte.
