Anleihemarkt: Brutaler September deutet auf düsteren Oktober hin
Der Bloomberg U.S. Aggregate Total Return Index fiel im September um mehr als 2,5 Prozent – der schwächste Monat seit mindestens dem 30. April.

Der September ist für den Anleihemarkt ein brutaler Monat gewesen. Und wenn die Geschichte ein verlässlicher Indikator ist, könnte der Oktober sogar noch schlechter ausfallen. Das berichtet MarketWatch unter Berufung auf Daten von Dow Jones Market Data.
Konkret sank der Bloomberg U.S. Aggregate Total Return Index – besser bekannt unter seinem Kürzel AGG – im September um mehr als 2,5 Prozent. Damit markiert der Monat den stärksten monatlichen Rückgang seit mindestens dem 30. April. Der AGG gilt als breiter Maßstab für den US-Anleihemarkt und wird häufig als das Anleihe-Pendant zum Aktienindex S&P 500 beschrieben.
Der Rückgang fällt in ein Quartal, das sich für US-Staatsanleihen als das schlimmste seit Jahren erwies. Der Druck auf den Anleihemarkt ist also kein kurzfristiges Phänomen, sondern das Ergebnis einer Entwicklung, die sich über Monate aufgebaut hat. Für Anleger weltweit – auch in Deutschland – ist das von Bedeutung, weil US-Treasuries als Referenz für die globale Zinsbildung gelten.
Die Details
Die zentrale Zahl des Berichts ist der Rückgang des AGG um mehr als 2,5 Prozent im September. Dow Jones Market Data weist diesen Wert als den stärksten monatlichen Rückgang seit mindestens dem 30. April aus. Der Index misst die Gesamtrendite – also Kursveränderungen plus Zinserträge – eines breiten Korbs von US-Anleihen.
Der September war damit der Abschluss eines Quartals, das für den US-Treasury-Markt das schlechteste seit Jahren war. Die genauen Quartalszahlen nennt die Quelle nicht, wohl aber die Einordnung: Die Schmerzen am Anleihemarkt sind nach Einschätzung des Berichts noch nicht vorbei, wenn die historische Entwicklung als Maßstab dient.
Bemerkenswert ist der Kontrast zur Entwicklung im Monatsverlauf. Bereits Mitte September lag der Bloomberg Aggregate Bond Index auf Total-Return-Basis nur um 1,6 Prozent im Minus. Bis zum Monatsende weitete sich das Minus dann auf mehr als 2,5 Prozent aus – ein Beleg dafür, wie stark die Verluste in der zweiten Monatshälfte zunahmen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 18.09.2026 berichtete aktien.news, dass der US-Anleihemarkt eine historische Talfahrt erlebt. Die zehnjährige US-Treasury verzeichnete den schlechtesten Lauf seit über 100 Jahren. Dennoch blieben viele Anleger dem Markt treu – aus einem einfachen Grund. Der Bloomberg Aggregate Bond Index lag laut Dow Jones Market Data bis zum Börsenschluss am Mittwoch auf Total-Return-Basis um 1,6 Prozent im Minus. Noch nie in den vergangenen mehr als 100 Jahren war der Lauf der zehnjährigen US-Staatsanleihe so schlecht wie derzeit.
Bereits am 16.09.2026 berichtete aktien.news, dass der September der Wall Street einen historisch schlechten Start bescherte. Der Dow Jones Industrial Average verzeichnete in den ersten zehn Handelstagen des Monats die schwächste Performance seit dem Jahr 2008. Auch der S&P 500 und der Nasdaq Composite erlebten ihren schlechtesten Monatsstart in den ersten zehn Septembertagen seit 2020. Der Dienstag markierte zugleich den 18. Jahrestag der Insolvenzantragstellung von Lehman Brothers.
Bereits am 26.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe am Freitag auf 5,23 Prozent gestiegen war und damit den höchsten Stand seit 2007 erreichte. Die als Referenz für den gesamten Kapitalmarkt geltende Rendite hatte zu Beginn des Monats noch knapp unter 4,8 Prozent notiert. Anleger zeigten sich von dem raschen Anstieg über die Marke von 5 Prozent sichtlich erschüttert. Laut dem CME-FedWatch-Tool, das die Wetten auf Fed-Funds-Futures auswertet, lag die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Oktober bei 64 Prozent.
Bereits am 04.06.2026 berichtete aktien.news, dass sich am US-Anleihemarkt ein Phänomen zurückgemeldet hatte, das Marktteilnehmer mit Sorge beobachten: die sogenannte „Bestie" der Hypothekenabsicherung. Auf dem Höhepunkt des jüngsten Ausverkaufs am US-Staatsanleihenmarkt registrierte Vishal Khanduja ein auffälliges und ungewöhnliches Muster. Konkret beobachtete Khanduja, dass große Wellen von Futures-Verkäufen den Markt trafen – und das genau zu jenem Zeitpunkt, als hypothekenbesicherte Wertpapiere besonders stark unter Druck gerieten.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung am US-Anleihemarkt aus mehreren Gründen relevant. Erstens bilden US-Treasuries den globalen Referenzzins, an dem sich auch europäische Renditen orientieren. Steigt die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe auf 5,23 Prozent, verändert das die relative Attraktivität von Anleihen weltweit.
Zweitens wirkt ein fallender AGG unmittelbar auf Fonds und ETFs, die breite US-Anleiheindizes abbilden. Wer solche Produkte im Depot hält, spürt den Rückgang von mehr als 2,5 Prozent im September direkt in der eigenen Rendite. Der Index misst dabei die Gesamtrendite, sodass auch die laufenden Zinserträge bereits eingerechnet sind.
Drittens zeigt der Blick auf die Zinserwartungen, warum der Markt unter Druck steht. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Oktober lag laut CME-FedWatch bei 64 Prozent. Steigende Zinsen bedeuten fallende Anleihekurse – dieser Mechanismus erklärt einen Großteil der Verluste. Hinzu kommen strukturelle Effekte wie die Hypothekenabsicherung, die in turbulenten Phasen zusätzliche Verkäufe auslösen kann.
Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten. Der Bericht von MarketWatch liefert eine Momentaufnahme und den historischen Vergleich – nicht mehr und nicht weniger.
Ausblick
Der zentrale Hinweis des Berichts lautet, dass der Oktober nach Einschätzung der Quelle sogar noch schlechter ausfallen könnte, wenn die Geschichte ein verlässlicher Indikator ist. Diese Aussage stützt sich auf den historischen Vergleich, nicht auf eine konkrete Prognose.
Als konkreter Termin steht die Zinsentscheidung der Federal Reserve im Oktober im Raum. Das CME-FedWatch-Tool wies zuletzt eine Wahrscheinlichkeit von 64 Prozent für eine Zinserhöhung im Oktober aus. Dieser Wert ist für die weitere Entwicklung am Anleihemarkt entscheidend, weil er die Erwartungen der Marktteilnehmer widerspiegelt.
Ob sich die Talfahrt fortsetzt, hängt damit maßgeblich von der Inflationsentwicklung und der Geldpolitik ab. Der Bericht nennt als Ursache für den raschen Renditeanstieg über die Marke von 5 Prozent die hartnäckige Inflation und die daraus resultierenden Erwartungen weiterer Straffungen durch die Federal Reserve.
Kurz erklärt
- Bloomberg U.S. Aggregate Total Return Index (AGG): Ein breiter Index, der die Gesamtrendite von US-Anleihen inklusive Zinserträgen abbildet.
- Total-Return-Basis: Eine Betrachtung, die Kursgewinne und -verluste sowie erhaltene Zinsen zusammenrechnet.
- Rendite: Die Verzinsung einer Anleihe, die sich am Markt bildet und sich gegenläufig zum Kurs entwickelt.
- CME-FedWatch-Tool: Ein Instrument, das aus Terminkontrakten die Markterwartungen über künftige Zinsentscheidungen der Fed ableitet.
- Hypothekenabsicherung: Absicherungsgeschäfte von Haltern hypothekenbesicherter Papiere, die den Anleihemarkt in Stressphasen zusätzlich belasten können.
