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Schlechtester Monat seit vier Jahren: US-Staatsanleihen in teuflischer Spirale

Die Renditen zehnjähriger Treasuries steigen im September auf 5,3 Prozent – der höchste Stand seit 2007. Investoren warnen vor einer Abwärtsspirale.

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Schlechtester Monat seit vier Jahren: US-Staatsanleihen in teuflischer Spirale

US-Staatsanleihen haben ihren schlechtesten Monat seit vier Jahren hinter sich. Die Renditen zehnjähriger Treasuries stiegen im September um mehr als einen halben Prozentpunkt auf 5,3 Prozent und erreichten damit den höchsten Stand seit 2007 – nur knapp unter dem Niveau, das zuletzt 2002 gesehen wurde. Investoren warnen, dass der wichtigste Schuldenmarkt der Welt von einer „teuflischen Spirale“ des Verkaufs erfasst worden ist.

Das Ausmaß dieser Bewegung ist für einen Markt mit einem Volumen von 32 Billionen US-Dollar ungewöhnlich. Dieser Markt dient als Anker für die globale Finanzwelt. Der Verkaufssturm, der zunächst durch Sorgen über die US-Staatsschulden und die Inflation getrieben wurde, hat nun Wellen des Verkaufs durch Fonds ausgelöst. Das berichten große Investoren und Händler.

Diese Woche habe sich eine Feedback-Schleife etabliert, so die Marktteilnehmer: Die Renditen seien auf Niveaus gestiegen, bei denen bestimmte Fonds verpflichtet sind, Treasuries zu verkaufen. Das löste weitere Phasen von Bond-Verkäufen aus und trieb die Kreditkosten weiter in die Höhe. „Es ist diese teuflische Spirale. Und man muss sich fragen, was sie durchbrechen wird“, sagte Priya Misra, Portfolio-Managerin bei JPMorgan Asset Management. „Das kann eine Weile so weitergehen“, fügte sie hinzu. „Niemand möchte vor dem Güterzug stehen.“

Die Details

Beruhigung brachten auch die jüngsten Konjunkturdaten nicht. Ein Bericht vom Mittwoch zeigte, dass die persönlichen Konsumausgaben-Inflation – die bevorzugte Preisindikatormessgröße der Federal Reserve – im August mit 3,4 Prozent stabil geblieben war. Erwartet worden war ein Anstieg auf 3,7 Prozent. Auch die Entscheidung des Schatzministers Scott Bessent im August, die Käufe seines Ministeriums an Treasuries auszuweiten, konnte den Verkaufssturm nicht stoppen.

Die US-Kreditkosten steigen seit Beginn des Iran-Krieges im Februar. Ein scharfer Anstieg der Energiekosten hat die Inflation verschärft – was toxisch für Anleihen ist, die über Jahre hinweg feste Zinszahlungen leisten. Ein Kredithunger großer KI-Unternehmen, starke Wachstumsprognosen für die US-Wirtschaft und die Tatsache, dass die öffentlichen Schulden der USA 40 Billionen US-Dollar überschritten haben, haben ebenfalls dazu beigetragen, die Renditen in die Höhe zu treiben.

Doch nun spielen auch technische Faktoren eine signifikante Rolle. Zu den großen gezwungenen Verkäufern langfristiger Treasuries in dieser Woche gehörten Hedgefonds und Immobilien-Investmenttrusts (REITs), die große Portfolios von hypothekenbesicherten Wertpapieren halten. Das sagte Matthew Scott, globaler Leiter des Handels bei AllianceBernstein. Er erklärte, dass die Amerikaner zunehmend zögern, ihre Hypotheken vorzeitig zurückzuzahlen, wenn die Kreditkosten steigen.

Für Anleger, die hypothekenbesicherte Wertpapiere halten, verlängert sich dadurch der Zeitrahmen, über den die Hypotheken abbezahlt werden. Sie müssen daher andere langfristige Schuldtitel wie Treasuries abstoßen, um diese Verschiebung auszugleichen. Eine ähnliche Dynamik spiele sich in anderen Bereichen des Marktes ab, etwa bei der Neuausrichtung von Portfolios durch gehobene Fonds mit großen Positionen im Treasury-Futures-Markt, sagte Amrut Nashikkar, Analyst bei Barclays.

Daniel Gottlander, Leiter des Swaps-Handels für Nordamerika bei Citi, teilte diese Einschätzung. „Wenn es zu solchen Verkaufsstürmen kommt, müssen Sie das Risiko in anderen Teilen des Portfolios reduzieren. Deshalb passiert alles gleichzeitig. Es gibt viele Spillover-Effekte“, sagte er. Während diese Effekte typisch für einen großen Verkaufssturm sind, gibt es normalerweise Investoren, die bereit sind, Bonds zu günstigen Preisen zu kaufen, was den Markt stabilisieren kann. Das geschieht jedoch nicht, so Gottlander. „Der marginale Käufer ist noch nicht erschienen.“

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 14.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Rendite US-amerikanischer Staatsanleihen unaufhaltsam steigt und die 5-Prozent-Marke bei der zehnjährigen Laufzeit in greifbare Nähe rückt. Am Freitag notierte die Rendite damals bei 4,975 Prozent – ein Anstieg um 19,1 Basispunkte allein in dieser Woche. Das langfristige 30-Jahres-Papier erreichte ein Niveau nahe dem höchsten Stand seit zwei Jahrzehnten.

Am 15.09.2026 meldete aktien.news, dass die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf bis zu 5,025 Prozent kletterte – der höchste Stand seit der Finanzkrise von 2007. Seit Beginn des Iran-Krieges sei die Rendite damals um mehr als einen vollen Prozentpunkt gestiegen. Auch am deutschen Anleihemarkt herrschte Krisenstimmung: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen erreichte mit 3,57 Prozent ein Mehrjahreshoch, nachdem sie Ende Februar noch bei 2,6 Prozent gelegen hatte.

Am 24.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Renditen der 30-jährigen US-Treasuries um bis zu vier Basispunkte auf 5,44 Prozent gestiegen sind – den höchsten Stand seit 2004. Der Anstieg beschränkte sich nicht auf den US-Markt: Auch die europäischen Renditen stiegen weiter. In Japan erreichten die Renditen von Staatsanleihen nach der Wiedereröffnung des Marktes nach einer dreitägigen Pause Niveaus, die zuletzt 1996 beobachtet wurden.

Am 26.09.2026 schließlich hieß es bei aktien.news, der US-Staatsanleihemarkt erlebe den stärksten einseitigen Kursverfall seit Beginn des Handelskriegs von Präsident Donald Trump. Die Renditen zehnjähriger Treasuries kletterten in dieser Woche über 5,2 Prozent auf den höchsten Stand seit 2007. Bei Papieren mit 30-jähriger Laufzeit stiegen die Renditen erstmals seit 2004 über 5,5 Prozent. Damals hieß es, hinter dem Ausverkauf stünden unerwartet robuste Wirtschaftsdaten, die die Belastungen durch die Rekordverschuldung und die sprudelnden Ölpreise verstärken.

Was das für Anleger bedeutet

Die aktuelle Entwicklung zeigt, wie stark die Eigenlogik eines Marktes das Geschehen bestimmen kann. Nicht nur fundamentalökonomische Gründe wie Inflation oder Staatsverschuldung treiben die Renditen, sondern auch der Zwang großer Fonds, ihre Positionen anzupassen. Für deutsche Privatanleger ist der US-Anleihemarkt vor allem deshalb relevant, weil er als Referenzgröße für die weltweite Zinsbildung gilt. Steigende Renditen bedeuten sinkende Kurse bereits gehaltener Anleihen.

Wer festverzinsliche Papiere oder entsprechende Fonds hält, spürt diese Kursverluste direkt – je länger die Restlaufzeit, desto stärker die Reaktion. Der irakische Kriegsbeginn im Februar markiert dabei den Ausgangspunkt des jüngsten Anstiegs der Kreditkosten. Für Sparer und Anleger, die auf neue Engagements setzen, sind höhere Renditen grundsätzlich attraktiv – sie erkaufen sich diesen Vorteil jedoch mit einem Marktumfeld, in dem etablierte Anleger derzeit gezwungen sind zu verkaufen, anstatt zu kaufen. Eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf lässt sich daraus nicht ableiten.

Ausblick

Marktbeobachter rechnen damit, dass sich die Dynamik fortsetzen kann. Priya Misra von JPMorgan Asset Management sagte, das könne eine Weile so weitergehen. Entscheidend ist aus Sicht der Händler, ob ein Käufer auf den Markt kommt: Daniel Gottlander von Citi betonte, der marginale Käufer sei noch nicht erschienen. Bestätigte Stabilisierungssignale lieferte zuletzt weder die Inflationsentwicklung noch das Vorgehen des US-Schatzministeriums.

Kurz erklärt

  • Rendite: die effektive Verzinsung einer Anleihe, die sich gegenläufig zu ihrem Kurs entwickelt.
  • Treasury: eine vom US-Schatzamt emittierte Staatsanleihe zur Finanzierung des US-Haushalts.
  • Hypothekenbesicherte Wertpapiere: Anleihen, deren Erträge aus einem Bündel von Immobilienkrediten stammen.
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