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Zürich für Ökonomen und Dichter: Ein persönlicher Leitfaden

Eine Ökonomin und Dichterin teilt ihre Lieblingsorte in Zürich – vom Seeufer bis zur Bibliotheksbar der ehemaligen Brauerei.

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Zürich für Ökonomen und Dichter: Ein persönlicher Leitfaden

Die Financial Times widmet die aktuelle Ausgabe ihres wöchentlichen Newsletters einem ungewöhnlichen Stadtporträt: Zürich, beschrieben aus der doppelten Perspektive einer Ökonomin und einer Dichterin. Chefredakteurin Roula Khalaf wählt dafür regelmäßig ihre Lieblingsberichte aus. Der Beitrag stammt von Jessica Salter, die Fotografien lieferte Joël Hunn.

Salter wurde in München geboren und zog mit vier Jahren von Genf nach Zürich. Ihre Mutter ist Niederländerin, ihr Vater Deutscher. In ihren frühen Teenagerjahren kehrte sie nach Deutschland zurück, studierte später Volkswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen und schloss ein weiteres Studium in den Fächern Volkswirtschaftslehre und Philosophie an der Harvard University ab. Heute teilt sie ihre Zeit zwischen London und Zürich auf und arbeitet im Finanz- und Investmentbereich sowie als Dichterin und Performerin.

Ihre Bindung an die Stadt ist eng. "Ich fühle mich sehr schweizerisch", schreibt sie. Ihr erstes Zuhause war eine Wohnung am Zürichsee, doch das Haus, an das sie sich wirklich erinnert, lag weiter draußen in Schindellegi – einem Dorf, das trotz einer halben Stunde Fahrt zum Stadtzentrum einen ländlichen Charakter bewahrt hat. Ihre Kindheitserinnerungen seien vor allem sinnlich geprägt: die Berge, der See. Der Klang verhalte sich hier anders als in den meisten Städten, man fühle sich wie in einem Kokon eingehüllt.

Die Details

Der See steht im Zentrum des Lebens in Zürich. Bei warmem Wetter versammeln sich am Wochenende und nach der Arbeit alle am Ufer. Salter sitzt gerne auf der Terrasse des Hotels Alex Lake Zürich, das direkt am Wasser liegt; ein kleines Boot pendelt hin und her zum Storchen, einem Hotel und Restaurant im Stadtzentrum. Am nördlichen Ufer bietet La Muña eine kleine Dachterrasse, die bei Sonnenuntergang mit Blick auf die darunterliegende Stadt besonders geeignet ist.

Sport spielt eine große Rolle: "Hierzulande ist jeder sportlich und fast jeder ist ein semi-professioneller Radfahrer", schreibt Salter. Sie selbst fährt ein niederländisches Fahrrad mit aufrechtem Lenker und wandert lieber. Der Uetliberg, ein Berg direkt über der Stadt, ist die einfachste Wanderung und lässt sich in ein paar Stunden bewältigen. Der Etzel auf der Südseite des Zürichsees ist eine richtige Halbtageswanderung mit Restaurant auf dem Gipfel. Für eine ernsthafte Wanderung geht sie zum Grossen Mythen, einem Berg mit steilen Haarnadelkurven.

Seit ihrer Kindheit besucht sie das Seebad Utoquai, die öffentlichen Bäder auf der Promenade zwischen Bellevue und Zürichhorn. Auch im See selbst wird gebadet – Menschen schwimmen sogar zur Arbeit und transportieren ihre Dinge in einem wasserdichten Beutel. Vor kurzem hat sich Salter einer Gruppe weiblicher Unternehmerinnen angeschlossen, die sich weiter unten am See Richtung Richterswil treffen. Dort wird ein Kaltwasser-Dip im See gemacht, anschließend helfen sich die Teilnehmerinnen gegenseitig bei Geschäftsplänen, Finanzierung und Networking.

Kultur und Finanzplatz

Dem Vorurteil, Zürich sei sehr puritanisch, widerspricht Salter teilweise: Oberflächlich betrachtet sei es das, doch hinter verschlossenen Türen sei die Stadt radikal kreativ. Es gebe eine blühende Techno-Szene, in der Adriatique und Jenny Cara hier ihren Sitz haben. In ihren frühen Zwanzigern habe sie eine DJ-Freundin oft nach Kreis 5 gebracht, was etwas an Shoreditch in London erinnere. Basel und Zürich seien berüchtigt dafür, sich wegen des Fußballs zu hassen, doch die Leute kämen aus Basel wegen der Musik; sie respektierten die Techno-Szenen des jeweils anderen.

Eines der schönsten Gebäude sei die Schweizerische Nationalbank, mitten im Zentrum an der Börsenstrasse. Nebenan befindet sich das SNB Forum, wo man Banknoten besichtigen und die Geschichte der SNB auf einem interaktiven LED-Bildschirm erkunden kann. Dort findet auch die Karl Brunner Distinguished Lecture Series statt; Salter hat den amerikanischen Ökonomen John H. Cochrane dort sprechen hören.

Das Aufwachsen in Zürich habe maßgeblich dazu beigetragen, ihr beizubringen, wie sich eine europäische Hauptstadt der Finanzen verhält. Ein großer Fokus liege auf familiengeführten Unternehmen, die naturgemäß darüber nachdächten, wie sie über viele Generationen hinweg bestehen können. In New York oder London, wo sie ebenfalls gelebt und gearbeitet hat, sei das Tempo schneller, was recht kurzfristig wirken könne.

Bücher, Mode und Essen

Salter gibt an, immer mehr Geld für Bücher als für Kleidung ausgegeben zu haben. Ihr Lieblingsbuchladen ist Dr. Peter Bichsel Fine Books im Herzen der Altstadt. Er spezialisiert sich auf schöne und seltene Bücher vom 15. bis zum 21. Jahrhundert; sie fand dort einmal eine frühe Ausgabe eines Gedichtbands von Else Lasker-Schüler. Der Laden sei ein Zentrum für literarische Köpfe und Kreative. Zürich verfüge zudem über hervorragende Vintage-Möbelgeschäfte wie Kioskio, das Stücke aus privaten Sammlungen ganz Europas bezieht; die Preise seien wirklich gut.

Bei Kleidung mag sie Lamarel, eine Schweizer Marke, die sich um einfache, leicht fallende Formen herum entwickelt hat. Die Stadt habe je nach Standort unterschiedliche Kleiderordnungen: In der Nähe der Kunsthochschulen und Designstudios in Kreis 4 und Kreis 5 sei der Stil locker und vintage, im Zentrum konservativer, mit gedämpften Tönen und makelloser Schneiderei.

Die Food-Szene habe sich seit ihrer Kindheit stark verändert. Früher habe es nur eine Handvoll Restaurants mit internationaler Küche gegeben, heute seien es viele. Amia ist eine neue Außenbar mit einer französisch-mediterran inspirierten Speisekarte, und sie liebt die Konfitüre von Saibling beim Bürgli. Die Trattoria Neumarkt bietet rotierende Pop-up-Menüs, oft mit einer japanisch-italienischen Mischung; Salter bestellt dort die japanische Interpretation von Cacio e Pepe mit Udon-Nudeln. Ihr italienischer Partner sei anfangs skeptisch gewesen, inzwischen aber überzeugt.

Wenn sie schreiben möchte, geht sie ins B2 Boutique Hotel, eine ehemalige Brauerei in der Nähe der Google-Büros, die jetzt die außergewöhnlichste Bibliotheksbar habe: Bücher von Boden bis Decke, rundherum. Dort sitze sie stundenlang mit einem Kaffee und schreibe. Meistens finde sie sich aber am See wieder, unten am Bürkliplatz, einem Stadtplatz, an dem man direkt am Wasser sitzen kann. Sie finde ihn endlos inspirierend. Zürich habe ihr eine Sensibilität für Atmosphäre, Stille und Ordnung beigebracht; die Stadt habe eine Ebene, die einen aufmerksam mache für das, was nicht gesagt wird – und genau dort könne Poesie entstehen.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 10.04.2026 berichtete aktien.news, dass die Financial Times und ihre Chefredakteurin Roula Khalaf in einem wöchentlichen Newsletter regelmäßig persönliche Produktfavoriten vorstellen. Die damalige Ausgabe widmete sich ausschließlich sogenannten Ein-Produkt-Spezialisten – Herstellern, die sich auf ein einziges Kernprodukt oder eine sehr enge Produktkategorie konzentrieren; die Auswahl umfasste 16 Produkte.

Am 04.04.2026 hatte aktien.news gemeldet, dass die FT eine Auswahl der 20 beeindruckendsten Hütten und Refugien weltweit zusammengestellt hat, darunter ein zweistöckiges Baumhaus im englischen Devon. Am 30.05.2026 folgte eine kuratierte Auswahl von 16 Organisationsprodukten für mehr Ordnung im Alltag. Am 19.09.2026 berichtete aktien.news über eine Ausgabe, die sich exquisiten Accessoires und Kunstgegenständen widmete – von einem Wollmantel von Dolce & Gabbana bis zu einem Taschentuch aus Baumwolle mit Scritto-Muster von Berluti.

Was das für Anleger bedeutet

Der Beitrag ist kein Investmentresearch, sondern ein persönlicher Reise- und Lebensstiltext. Dennoch enthält er für deutsche Privatanleger einige Anknüpfungspunkte. Die Autorin beschreibt Zürich als europäische Hauptstadt der Finanzen, in der familiengeführte Unternehmen eine große Rolle spielen und naturgemäß über Generationen hinweg planen. Diesen langfristigen Horizont stellt sie ausdrücklich dem schnelleren, kurzfristiger wirkenden Tempo in New York und London gegenüber.

Konkret genannt wird die Schweizerische Nationalbank (SNB) an der Börsenstrasse. Ihr angeschlossenes SNB Forum ist öffentlich zugänglich: Besucher können Banknoten besichtigen und die Geschichte der Notenbank auf einem interaktiven LED-Bildschirm erkunden. Dort findet zudem die Karl Brunner Distinguished Lecture Series statt, in deren Rahmen Salter den amerikanischen Ökonomen John H. Cochrane sprechen hörte. Für Anleger, die sich mit dem Schweizer Finanzplatz beschäftigen, sind dies konkrete, kostenfrei zugängliche Informationsangebote.

Ausblick

Der Newsletter der FT-Chefredakteurin erscheint wöchentlich und stellt jeweils unterschiedliche Themen in den Mittelpunkt – von Produktfavoriten über Reiseziele bis zu Stadtporträts wie dem vorliegenden. Weitere Termine, Pläne oder Erwartungen nennt der Quelltext nicht.

Kurz erklärt

  • Volkswirtschaftslehre: Wissenschaft, die gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge wie Produktion, Verteilung und Konsum untersucht.
  • Schweizerische Nationalbank: Die Zentralbank der Schweiz mit Sitz in Zürich.
  • Karl Brunner Distinguished Lecture Series: Eine Vortragsreihe, die im Umfeld der Schweizerischen Nationalbank stattfindet.
ZürichFinancial TimesRoula KhalafSchweizerische NationalbankSnb ForumFinanzplatz ZürichJessica SalterStadtporträt

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