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Bank of England warnt: KI-Schulden treiben Risiko einer Marktkorrektur

Die Bank of England warnt vor einem schärferen Korrekturprozess, weil die Finanzierung des KI-Booms zunehmend über Schulden läuft.

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Bank of England warnt: KI-Schulden treiben Risiko einer Marktkorrektur

Die Bank of England (BoE) schlägt Alarm wegen der wachsenden Abhängigkeit der Kapitalmärkte von Schulden zur Finanzierung des Booms in der KI-Infrastruktur. In ihrem am Mittwoch veröffentlichten vierteljährlichen Update zur finanziellen Stabilität warnte die britische Zentralbank, das Finanzsystem sei dadurch einem „schärferen Korrekturprozess“ ausgesetzt als im vergangenen Sommer geschehen. Auslöser der Warnung ist die rasant steigende Emission von Schuldtiteln, die mit künstlicher Intelligenz verbunden sind.

Konkret belief sich die Ausgabe dieser Papiere im Jahr bis September auf 450 Milliarden US-Dollar, wie die BoE unter Berufung auf Schätzungen von Morgan Stanley mitteilte. Das ist mehr als das Doppelte des Vorjahreswertes. Der globale Absatz von mit KI verbundenen Schuldtiteln werde voraussichtlich sogar die Menge der von der britischen Regierung in diesem Jahr verkauften Anleihen übertreffen, hieß es weiter.

„Der rasante Anstieg der Ausgabe von mit künstlicher Intelligenz verbundenen Schuldtiteln erweitert die Exposition der Kapitalmärkte gegenüber Entwicklungen im KI-Bereich“, erklärte das Financial Policy Committee (FPC) der Notenbank. Die Aktien von KI-bezogenen Unternehmen und Halbleiterherstellern waren im Juli eingebrochen, bevor sie sich erholten, als die Anleger auf Bedenken hinsichtlich des Gewinnpotenzials der Technologie reagierten.

Die Details

Die BoE erklärte, das „Risiko einer schärferen Korrektur“ an den Finanzmärkten bestehe weiterhin, „insbesondere wenn es zu einem signifikanteren Schock bei den Gewinnerwartungen kommt, der sich aus Bedenken bezüglich des Tempos der KI-Entwicklung oder -Adoption ergibt“. Zugleich betonte sie, das Finanzsystem sei „bisher widerstandsfähig“ gewesen.

Das FPC warnte zudem, dass ausbleibende produktivitätssteigernde Effekte durch KI das Wirtschaftswachstum weniger ankurbeln würden als prognostiziert. Das würde „nicht nur die Bewertungen KI-bezogener Vermögenswerte, sondern auch die Märkte für Staatsschulden beeinflussen“.

Neben der KI-Thematik benannte die Zentralbank weitere Verwundbarkeiten, die in den vergangenen Monaten zugenommen hätten: den Krieg im Iran und die daraus resultierende Steigerung der Energiepreise, persistente inflatorische Druckfaktoren, hohe Staatsverschuldungsniveaus und steigende Zinsen. Sie warnte außerdem, dass die hohe Verschuldung beziehungsweise Hebelwirkung bei Hedgefonds, die auf britische Staatsanleihemärkte setzen, die Risiken einer Korrektur verschärfe.

Ein weiterer Punkt betrifft die Regulierung des britischen Bankensystems selbst. Die Zentralbank gab an, sie werde eine geplante Reduzierung der Kapitalanforderungen vorantreiben, indem sie die Leverage Ratio lockert – jene Kennzahl, die festlegt, wie viel Kapital Kreditgeber im Verhältnis zu ihren Gesamtvermögen halten müssen. Allerdings führte sie aus, dass dies zu einem „bedeutenden“ Anstieg der Hebelwirkung führen würde, die Banken Hedgefonds für Wetten auf Staatsverschuldungsmärkte bereitstellen – ein Bereich, der den Behörden bereits Sorgen bereitet.

Die Bankkredite in Gilts-Repo-Märkten an Hedgefonds und andere Nichtbanken haben sich seit 2023 bereits auf etwa 200 Milliarden Pfund verdoppelt. Das Komitee werde daher „marktgestützte Maßnahmen“ für Gilts-Repo-Märkte prüfen – etwa die Erhöhung der Anforderung zur Nutzung eines zentralen Clearings oder Mindest-Haircuts, die die Hebelwirkung begrenzen. Seine Vorschläge will es Anfang nächsten Jahres veröffentlichen.

Hintergrund: Was bisher geschah

Die Warnung reiht sich in eine Serie von Stellungnahmen der britischen Notenbank ein. Bereits am 07.07.2026 berichtete aktien.news, dass Gouverneur Andrew Bailey eindringlich vor dem Risiko einer scharfen Korrektur an den globalen Aktienmärkten gewarnt habe. Gegenüber dem Finanzstabilitätsrat erklärte er damals, die überhöhten Bewertungen gingen über den Optimismus im Bereich der Künstlichen Intelligenz hinaus; das FPC äußerte sich besonders besorgt darüber, dass bestehende Risiken für die Finanzstabilität gleichzeitig eintreten könnten.

Am selben Tag meldete aktien.news eine zweite Warnung: Die BoE habe vor einer gefährlichen Kombination von Finanzrisiken gewarnt, veröffentlicht im Rahmen des halbjährlichen Finanzstabilitätsberichts. Bailey nannte damals vier zentrale Risikofaktoren: den Konflikt im Nahen Osten, volatile Renditen von Staatsanleihen, höhere Marktzinsen sowie riskante Kreditmärkte.

Schon am 21.01.2026 hatten britische Abgeordnete Alarm geschlagen. Der parteiübergreifende Finanzausschuss des Unterhauses kritisierte den „Wait-and-See“-Ansatz von Bank of England, Financial Conduct Authority und Schatzamt und warnte, dieser setze die britische Öffentlichkeit und den Finanzplatz London „potenziell ernsten Schäden“ aus. Mehr als 75 Prozent aller Finanzdienstleistungsunternehmen in Großbritannien setzten bereits auf Künstliche Intelligenz, hieß es in dem Bericht.

Und am 30.06.2026 berichtete aktien.news, dass die BoE neue Regulierungsrahmen für autonome, sogenannte agentische KI fordert. Sarah Breeden, stellvertretende Gouverneurin für Finanzstabilität, machte dies auf dem Forum der Europäischen Zentralbank zum Zentralbankwesen in Portugal deutlich. Sie betonte, dass die rasant steigenden Fähigkeiten autonom handelnder KI-Systeme potenzielle Lücken in den bestehenden Aufsichtsstrukturen aufgezeigt hätten.

Was das für Anleger bedeutet

Für Privatanleger in Deutschland ist die Botschaft aus London vor allem ein Hinweis auf die Verflechtung von KI-Euphorie und Kreditmärkten. Die BoE benennt ausdrücklich, dass die Kapitalmärkte über Schuldtitel stärker als zuvor den Entwicklungen im KI-Sektor ausgesetzt sind. Ein Schock bei den Gewinnerwartungen der Technologiebranche könnte sich damit nicht mehr nur an den Aktienmärkten bemerkbar machen.

Bemerkenswert ist der Hinweis des FPC, dass auch die Märkte für Staatsschulden betroffen sein könnten, falls die erhofften Produktivitätsgewinne durch KI ausbleiben. Deutsche Anleger halten traditionell sowohl Technologiewerte als auch Staatsanleihen als vermeintlich sichere Anlageklasse – die BoE zeigt auf, dass beide über die Kreditverflechtungen zusammenhängen können.

Gleichzeitig betont die Zentralbank die Widerstandsfähigkeit des Systems „bisher“. Und Gouverneur Bailey warnt ausdrücklich vor voreiliger Regulierung: Aufsichtsbehörden dürften „nicht tatenlos zusehen“ und nicht davon ausgehen, dass die KI-Branche die Risiken für die Stabilität des Finanzsystems auflöse – einschließlich fortgeschrittener Modelle, die außer Kontrolle geraten oder für Cyberangriffe genutzt werden könnten. Bailey fügte jedoch hinzu, „wir sollten uns nicht automatisch an die Frage der Regulierung wenden“; „Das Verständnis, das Testen und das Etablieren glaubwürdiger Interventionspunkte müssen zuerst kommen.“ Dies ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.

Ausblick

Die BoE will ihre Vorschläge für marktgestützte Maßnahmen in den Gilts-Repo-Märkten Anfang nächsten Jahres veröffentlichen. Geprüft werden unter anderem eine stärkere Nutzung eines zentralen Clearings sowie Mindest-Haircuts, die die Hebelwirkung begrenzen sollen. Zugleich will die Zentralbank die geplante Lockerung der Leverage Ratio für das britische Bankensystem vorantreiben.

Zu beobachten bleibt, ob sich die Befürchtungen des FPC zu den Gewinnerwartungen im KI-Sektor materialisieren. Die BoE hält ausdrücklich fest, dass das Risiko einer schärferen Korrektur bestehen bleibt – insbesondere dann, wenn es zu einem signifikanteren Schock bei den Gewinnerwartungen kommt, der sich aus Bedenken bezüglich des Tempos der KI-Entwicklung oder -Adoption ergibt.

Kurz erklärt

  • KI-gebundene Schuldtitel: Anleihen und Kredite, mit denen Unternehmen Investitionen in künstliche Intelligenz und deren Infrastruktur finanzieren.
  • Leverage Ratio: Kennzahl, die festlegt, wie viel Kapital Kreditgeber im Verhältnis zu ihren Gesamtvermögen halten müssen.
  • Gilt-Repo-Markt: Markt für kurzfristige Wertpapierpensionsgeschäfte mit britischen Staatsanleihen, über den sich Finanzinstitute Liquidität beschaffen.
  • Haircut: Abschlag, mit dem Sicherheiten bei der Kreditvergabe bewertet werden und der die mögliche Hebelwirkung begrenzt.
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