Angst vor dem Börsencrash: Warum die Geschichte Anleger beruhigt
Die KI-Blase treibt Bewertungen auf Dotcom-Niveau. Doch die Wall-Street-Historie zeigt: Auf jeden Bärenmarkt folgte ein Bullenmarkt.

Die wachsende Sorge vor einem möglichen Börsencrash hat einen klaren Auslöser: Die sich heute aufbauende Künstliche-Intelligenz-Blase hat den Markt zurück auf Bewertungsniveaus geführt, die zuletzt vor dem Platzen der Dotcom-Blase gesehen wurden. Wer erst in den vergangenen Jahren eingestiegen ist, hat womöglich noch nie einen wirklich tiefen und lang anhaltenden Bärenmarkt erlebt. Zwar gab es einige rasante Einbrüche, doch nichts vergleichbar mit den Schmerzen während der Dotcom-Blase oder der Großen Rezession.
Tatsächlich könnte dem Markt ein massiver Kursverfall bevorstehen. Doch Anleger sollten sich davon nicht zu sehr verunsichern lassen. Der Blick auf die Geschichte liefert gute Gründe für Gelassenheit – auch wenn niemand die Zukunft sicher vorhersagen kann.
Bärenmärkte gehören zum Investieren dazu
Bullenmärkte fühlen sich großartig an, aber Aktien steigen nicht für immer in einer geraden Linie. Ein gezacktes Muster ist die Regel. Und ob zum Guten oder zum Schlechten – dieses gezackte Muster beinhaltet manchmal ziemlich dramatische Talfahrten.
Bärenmärkte sind die tiefsten Drawdowns und genauso normal wie Bullenmärkte. Doch auch Aktien fallen nicht für immer. Wer in Aktien investieren will, muss das Gute – die Bullenmärkte – mit dem Schlechten – den Bärenmärkten – in Kauf nehmen. Diese Einordnung ist für deutsche Privatanleger zentral, die häufig kurzfristige Kursschwankungen mit dauerhaften Verlusten verwechseln.
Was die lange Historie zeigt
Glücklicherweise verfügen wir über eine sehr lange Historie, aus der sich Hinweise darauf ziehen lassen, was in Zukunft zu erwarten ist. Während vergangene Performance keine zukünftigen Renditen vorhersagt, ist der S&P-500-Index langfristig stetig zusammen mit der US-Wirtschaft gewachsen. Das ergibt durchaus Sinn, da der S&P 500 speziell so konzipiert ist, dass er repräsentativ für die US-Wirtschaft steht.
Bemerkenswert ist: Jeder Bärenmarkt in der Geschichte wurde von einem Bullenmarkt gefolgt. Und die neuen Bullenmärkte haben den S&P-500-Index stets zu neuen Höchstständen geführt. Tatsächlich sind einige der schlimmsten Bärenmärkte der Wall-Street-Geschichte – der Dotcom-Crash und die Große Rezession – heute nur kleine Ausschläge im stetigen Aufwärtstrend des Index. Dies ist klarer Beweis dafür, dass eine Buy-and-Hold-Strategie für langfristige Anleger eine gute Wahl sein kann.
Einfach einsteigen – und dabeibleiben
Die Wahrheit ist, dass der einfache Kauf eines börsengehandelten Fonds (ETF) auf den S&P 500 eine solide Investitionsentscheidung darstellt. Zu den bekanntesten Beispielen zählen der SPDR S&P 500 Trust (SPY), der erste jemals kreierte ETF, sowie der Vanguard S&P 500 ETF (VOO). Beide notierten zuletzt mit einem Plus von 0,74 Prozent, während der Index selbst um 0,73 Prozent zulegte.
Der schwierige Teil besteht darin, an diesem ETF sowohl in Bullen- als auch in Bärenmärkten dranzubleiben. Wer dies durchhält, für den deutet die Wall-Street-Geschichte stark darauf hin, dass er sehr gut dastehen wird – selbst wenn er am Hochpunkt eines Bullenmarkts kauft.
Langfristig ist es wahrscheinlich wichtiger, dass Anleger mit dem Sparen und Investieren beginnen, als den Einstiegszeitpunkt perfekt zu treffen. Diese Botschaft richtet sich besonders an jene, die angesichts der aktuellen Bewertungsniveaus zögern. Ein Blick auf die langfristige Entwicklung des S&P 500 zeigt, dass Geduld und Kontinuität häufig wichtiger sind als der vermeintlich ideale Moment. Wer in einen breit gestreuten Index investiert und in turbulenten Phasen investiert bleibt, folgt damit einem Ansatz, der sich historisch über viele Jahrzehnte bewährt hat – ohne dass daraus eine Garantie für die Zukunft abgeleitet werden kann.
