Andreas Beck sieht sehr gute Zeit für den Kauf von Anleihen
Bei zehnjährigen Euro-Staatsanleihen liegt die Umlaufrendite derzeit bei knapp 4,5 Prozent – für Beck ein klares Signal.

Der Rentenmarkt steht im Zentrum einer ungewöhnlichen Empfehlung. Andreas Beck sieht in der aktuellen Marktlage eine günstige Gelegenheit für den Kauf von Anleihen. Der Grund ist ein Renditeniveau, das Anleger lange nicht mehr gesehen haben: Zehnjährige Euro-Staatsanleihen kommen auf eine Umlaufrendite von knapp 4,5 Prozent. Beck wird in der WirtschaftsWoche mit den Worten zitiert: "Es ist sogar eine sehr gute Zeit. Mit einem Portfolio aus zehnjährigen Euro-Staatsanleihen kommt man gerade auf eine Umlaufrendite von knapp 4,5 Prozent."
Hinter dieser Aussage steht ein Markt, der in den Jahren der Niedrigzinsen kaum Beachtung fand. Anleiherenditen liegen so hoch wie lange nicht. Entscheidend ist dabei ein Mechanismus, der häufig verwechselt wird: Kurs und Rendite einer Anleihe bewegen sich in entgegengesetzte Richtungen. Ein Renditeanstieg bedeutet deshalb automatisch gefallene Kurse der betreffenden Papiere. Wer in den vergangenen Jahren Anleihen hielt, hat also Kursverluste verbucht. Wer jetzt kauft, sichert sich dagegen die höheren laufenden Erträge.
Als Gründe für den Renditeanstieg nennt die Quelle zwei Sorgen: Inflationsängste und die Furcht vor weiter steigenden Staatsschulden. Beide Themen hängen eng zusammen. Die Staatsverschuldung ist das eigentliche Problem, und nach Becks Einschätzung wird die Inflation durch staatliche Ausgabenexzesse getrieben. Daraus ergibt sich eine Gemengelage, die die Geldpolitik vor eine schwierige Aufgabe stellt.
Die Details
Beck argumentiert, dass höhere Zinsen nur gegen eine Inflation wirken, die durch privaten Konsum und private Investitionen getrieben wird. Ist die Teuerung dagegen staatlich verursacht, verpufft der Effekt. "Jetzt verteuern höhere Zinsen bloß den Schuldendienst für die Staaten", so Beck. Anders formuliert: Der Zinshebel trifft nicht die Ursache, sondern belastet zusätzlich die Haushalte der öffentlichen Hand.
Die zentrale Zahl der Analyse bleibt die Umlaufrendite von knapp 4,5 Prozent, die sich mit einem Portfolio aus zehnjährigen Euro-Staatsanleihen erzielen lässt. Veröffentlicht wurde der Beitrag am 23. September 2026, die Quelle ist die WirtschaftsWoche. Für deutsche Privatanleger ist dabei wichtig, was die Umlaufrendite überhaupt aussagt: Sie beschreibt die durchschnittliche Verzinsung aller im Umlauf befindlichen Anleihen einer Gruppe und ist damit ein guter Näherungswert für das aktuelle Marktniveau.
Bemerkenswert ist die Konstruktion von Becks Argument. Er kritisiert die staatliche Ausgabenpolitik, zieht daraus aber keine generelle Warnung vor Anleihen ab. Im Gegenteil: Gerade weil die Renditen so hoch sind, sieht er eine seltene Einstiegsmöglichkeit. Der Renditeanstieg, der Sparer über Jahre benachteiligt hat, wird so zum Vorteil für alle, die neu investieren.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 19.05.2026 berichtete aktien.news, dass die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen auf 3,17 Prozent geklettert war – den höchsten Stand seit 15 Jahren. Damals rentierten zehnjährige US-Staatsanleihen bei bis zu 4,63 Prozent und bremsten die Wall Street spürbar aus. Der Auslöser des Ausverkaufs war die Erwartung höherer Inflation, befeuert durch den Iran-Krieg. Der Mechanismus war derselbe wie heute: Anleihen bieten einen festen Zins, fallen die Kurse der Papiere, steigt die effektive Rendite für Käufer automatisch an.
Am 26.05.2026 folgte der Hinweis, dass die Rendite 30-jähriger US-Treasuries den höchsten Stand seit der Finanzkrise erreicht hatte. Auch in Deutschland und Großbritannien verzeichneten Anleger ähnliche Renditesprünge. Als zentraler Treiber galt die wachsende Staatsverschuldung vieler Industrienationen: Je mehr Anleihen Staaten an den Markt bringen, desto höhere Zinsen verlangen Investoren als Ausgleich für Laufzeitrisiken und Inflationsunsicherheit. Die Folge sind steigende Risiko- und Vertrauensprämien.
Am 16.09.2026 meldete aktien.news, dass die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen zeitweise bei 3,56 Prozent stand. Zehnjährige US-Treasuries rentierten inzwischen mit über fünf Prozent, was die Kapitalmärkte in Bewegung versetzte. Für Aktienanleger wurde die Lage damit zunehmend ungemütlich.
Am 18.09.2026 schließlich stieg die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen erstmals seit fast drei Jahren wieder über die Marke von fünf Prozent – der höchste Stand seit 2007. Getrieben wurde der monatelange Ausverkauf am größten Bondmarkt der Welt von hoher Inflation, einem wachsenden Haushaltsdefizit und einer Flut neuer Unternehmensanleihen. Der Bericht verwies darauf, dass zweistellige Renditen auf Staatsanleihen für Anleger wieder in Reichweite rücken.
Was das für Anleger bedeutet
Wer heute in zehnjährige Euro-Staatsanleihen investiert, sichert sich eine laufende Verzinsung auf dem aktuellen Marktniveau – vorausgesetzt, die Papiere werden bis zur Fälligkeit gehalten. Das unterscheidet die Situation grundlegend von den Nullzinsjahren, in denen festverzinsliche Anlagen kaum Erträge abwarfen. Gleichzeitig bleibt das Laufzeitrisiko bestehen: Steigen die Renditen weiter, fallen die Kurse bereits gehaltener Anleihen. Wer vorzeitig verkauft, kann Verluste realisieren. Umgekehrt profitieren Anleihen von fallenden Renditen mit Kursgewinnen.
Zu beachten ist auch die Verbindung zum Aktienmarkt. Steigende Anleiherenditen machen festverzinsliche Anlagen relativ attraktiver und belasten Aktienbewertungen – ein Zusammenhang, den aktien.news bereits am 16.09.2026 beschrieben hat. Eine Beimischung von Anleihen kann deshalb zur Stabilisierung eines Depots beitragen, wie der Bericht vom 26.05.2026 erläuterte.
Eine pauschale Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten. Entscheidend sind die eigene Anlagestrategie, der Anlagehorizont und die Frage, ob man Kursverluste vor der Fälligkeit aushalten kann. Becks Einschätzung ist eine Marktmeinung, keine Garantie – und sie hängt maßgeblich an der Annahme, dass die aktuellen Renditeniveaus attraktiv bleiben.
Ausblick
Konkrete Termine oder Prognosen für einzelne Notenbankentscheidungen nennt die Quelle nicht. Aus den früheren Berichten lässt sich lediglich ablesen, dass perspektivisch mehr Faktoren für weitere Renditeanstiege als für einen nachhaltigen Rückgang sprechen (26.05.2026) und dass zweistellige Renditen auf Staatsanleihen wieder in Reichweite sind (18.09.2026). Damit bleibt die entscheidende Frage offen, ob die Inflation tatsächlich staatlich getrieben ist. Denn genau davon hängt ab, ob höhere Zinsen überhaupt wirken – oder ob sie nur den Schuldendienst der Staaten verteuern.
Kurz erklärt
- Umlaufrendite: die durchschnittliche Verzinsung aller im Umlauf befindlichen Anleihen einer bestimmten Gruppe.
- Schuldendienst: die laufenden Zins- und Tilgungszahlungen, die ein Staat für seine Schulden leisten muss.
- Laufzeitrisiko: das Risiko, dass der Kurs einer Anleihe vor ihrer Fälligkeit durch veränderte Marktzinsen fällt.
