Ghana setzt auf Wiederaufbau der Reserven trotz GoldBod-Aussetzung
Die ghanaische Zentralbank macht den Wiederaufbau der Devisenreserven zur Priorität, während die Goldexporte von GoldBod seit August ausgesetzt sind.

Die ghanaische Zentralbank wird in den kommenden Monaten den Wiederaufbau der Devisenreserven in den Mittelpunkt ihrer Politik stellen. Das kündigte Gouverneur Johnson Asiama am Mittwoch zum Auftakt der Sitzung des Geldpolitischen Ausschusses in Accra an. Hintergrund sind eine schwächere Leistungsbilanz, sinkende Reserven und ein seit August ausgesetztes Goldexportvolumen des staatlichen Käufers GoldBod.
Asiama erklärte, die politischen Entscheidungsträger müssten die allgemein positiven innenwirtschaftlichen Bedingungen gegen einen zunehmend unsicheren globalen Hintergrund abwägen. Dieser sei durch den Konflikt im Nahen Osten und steigende Ölpreise geprägt. „Die schwächere Leistungsbilanz, der Rückgang der Reserven und das seit August ausgesetzte Goldexportvolumen durch GoldBod … erfordern eine sorgfältige Prüfung unserer Puffer vor dem üblichen Anstieg der Devisennachfrage im vierten Quartal“, sagte der Gouverneur.
Rückgang der Goldreserven belastet die Puffer
Konkret sind Ghanas Goldreserven im Juni 2026 von 33 Tonnen im Vorjahr auf 24,4 Metertonnen gesunken. Als Gründe nennt die Zentralbank Goldverkäufe im Jahr 2025 sowie geringere als angestrebte Käufe bei großflächigen Minen. Der Rückgang der Reserven schmälert den Spielraum der Notenbank, um auf Währungsschwankungen und externe Schocks zu reagieren – ein zentrales Thema für ein Land, dessen Cedi in der Vergangenheit wiederholt unter Druck stand.
Im Rahmen des nationalen Goldankaufsprogramms sammelt GoldBod lokal gefördertes Gold für den Export und den Aufbau von Reserven an. Ein Teil der Barren wird an die Zentralbank übertragen, um die Reserven zu stärken und den Cedi zu stützen. Fällt dieses Volumen aus, wirkt sich das unmittelbar auf die Fähigkeit der Notenbank aus, ihre Devisenpuffer aufzufüllen.
„Der Wiederaufbau der Reserven wird in der Tat eine zentrale Priorität der Bank in den kommenden Monaten sein“, betonte Asiama. Damit stellt die Zentralbank klar, dass die Reservebildung Vorrang vor anderen Zielen erhält.
Höhere Abgabequote soll Reserven stützen
Bereits im Mai hatte Ghana den Anteil der jährlichen Produktion, den große Goldminen an die Zentralbank abliefern müssen, von 20 Prozent auf 30 Prozent erhöht. Mit dieser Maßnahme verfolgte das Land das erklärte Ziel, die Reserven wieder aufzubauen. Die Anhebung der Abgabequote ist Teil einer erneuten Bemühung, die Devisenpuffer des westafrikanischen Staates zu festigen.
Für Anleger und Beobachter der ghanaischen Wirtschaft ist dabei entscheidend, wie sich die Kombination aus höherer Abgabequote, ausgesetzten GoldBod-Exporten und globalen Unsicherheiten auf den Cedi auswirkt. Die Zentralbank signalisiert mit ihrer Ankündigung, dass sie dem Aufbau von Reserven in den kommenden Monaten klare Priorität einräumt.
Wirtschaft wächst langsamer, aber solide
Unterstützung erhält die Notenbank von der Konjunktur. Laut Angaben des Ghana Statistical Service, die Anfang dieses Monats veröffentlicht wurden, wuchs die ghanaische Wirtschaft im zweiten Quartal 2026 um 6,0 Prozent. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte das revidierte Wachstum 6,6 Prozent betragen. Die Dynamik hat sich damit zwar leicht abgeschwächt, das Niveau bleibt jedoch robust.
Für deutsche Privatanleger, die in Schwellenländern oder im Rohstoffsektor engagiert sind, ist Ghana vor allem als bedeutender Goldproduzent relevant. Die Entwicklung der Reserven und der Goldexporte des Landes beeinflusst die Stabilität des Cedi und damit die Attraktivität ghanaischer Vermögenswerte.
Die kommenden Monate dürften zeigen, ob es der Zentralbank gelingt, die Reserven trotz des ausgesetzten GoldBod-Exportvolumens und des erwarteten Anstiegs der Devisennachfrage im vierten Quartal wieder aufzubauen. Asiama hat den Kurs bereits vorgegeben: Die Prüfung der Puffer und der Wiederaufbau der Reserven stehen im Zentrum der Politik.
