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Analyst vor Ort: Was wirklich in der Straße von Hormus passiert

Citrini Research entsandte einen Analysten direkt in die Konfliktregion – die Erkenntnisse widersprechen dem Markt-Narrativ einer totalen Blockade.

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Analyst vor Ort: Was wirklich in der Straße von Hormus passiert

Während Ölhändler weltweit Satellitenbilder und offizielle Erklärungen auswerten, wählte das Analysehaus Citrini Research einen ungewöhnlichen Weg: Das Unternehmen schickte einen eigenen Analysten direkt in das Konfliktgebiet rund um die Straße von Hormus. Der Analyst reiste auf die omanische Musandam-Halbinsel und beobachtete die Schifffahrtsaktivitäten vor Ort – per Boot und aus nächster Nähe.

Citrini Research ist kein unbekannter Name an der Wall Street. Das Analysehaus sorgte bereits Anfang des Jahres mit einer marktverändernden Bearish-Prognose zum Thema Künstliche Intelligenz für erhebliches Aufsehen. Nun richtet das Unternehmen seinen Fokus auf eine der geopolitisch brisantesten Wasserstraßen der Welt, durch die ein erheblicher Teil des globalen Ölhandels fließt.

Schiffe fahren noch – aber weniger als gewöhnlich

Die Erkenntnisse des Analysten, den Citrini aus Sicherheitsgründen nicht namentlich nannte, stellen das vorherrschende Narrativ an den globalen Märkten infrage. Entgegen der weit verbreiteten Annahme, die Straße von Hormus sei faktisch geschlossen, stellte der Analyst fest, dass sich weiterhin Schiffe durch die Meerenge bewegen. Dem auf der Plattform Substack veröffentlichten Bericht zufolge hat der Verkehr in den letzten Tagen auf etwa 15 Schiffe pro Tag zugenommen.

Dieser Wert liegt zwar deutlich unter dem normalen Niveau, deutet aber darauf hin, dass die Unterbrechung eher partiell und im Wandel begriffen als absolut ist. Citrini geht zudem davon aus, dass das tatsächliche Schifffahrtsvolumen noch höher liegt als die gemeldeten Daten. Viele Schiffe schalten demnach ihre AIS-Transponder ab – jenes Schiffsverfolgungssystem, das Standort, Geschwindigkeit, Identität und Route eines Schiffes übermittelt – und sind damit auf offiziellen Tracking-Systemen schlicht nicht sichtbar.

Iran kontrolliert selektiv – kein vollständiger Stopp

Besonders aufschlussreich sind die Interviews, die der Analyst laut dem Substack-Bericht mit Fischern, Schmugglern und regionalen Beamten geführt haben soll. Sie deuten auf ein System hin, in dem der Iran Schiffen selektiv die Durchfahrt gestattet. Tanker müssen demnach eine Genehmigung einholen, bevor sie Gewässer in der Nähe des iranischen Territoriums durchqueren. Citrini bezeichnet dies als „funktionalen Kontrollpunkt" – und nicht als klassische Blockade.

Diese Einschätzung ist für Öl-Investoren von erheblicher Bedeutung. Eine vollständige Blockade würde kurzfristig zu extremen Preisausschlägen führen, während ein selektiver Kontrollpunkt eine dauerhaftere, aber moderatere Risikoprämie in die Märkte einpreist. Genau das ist auch die Erwartung von Citrini: Das Unternehmen rechnet mit einer länger anhaltenden Störung, die strukturell in den Ölmärkten verankert bleibt.

Citrinis Handelsempfehlung: Dezember 2026 statt Frontmonat

Auf Basis dieser Analyse bevorzugt Citrini Research längerfristige Rohölexposures. Konkret empfiehlt das Unternehmen WTI-Kontrakte für Dezember 2026 gegenüber dem Frontmonat. Diese Positionierung spiegelt die Erwartung wider, dass die geopolitische Unsicherheit rund um die Straße von Hormus nicht kurzfristig endet, sondern sich als strukturelles Risiko in den Terminmärkten niederschlägt.

Einschränkend muss jedoch festgehalten werden: Die Ergebnisse basieren auf einer einzigen Feldforschung und anekdotischen Berichten, die sich nur schwer unabhängig verifizieren lassen. Angesichts der begrenzten Transparenz in der Region bleibt eine externe Überprüfung der Erkenntnisse kaum möglich. Citrini reagierte auf eine Anfrage von CNBC zur Stellungnahme zunächst nicht.

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