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250 Millionen Euro: Aus altem Nähmaschinenwerk wird Zukunftsquartier

Investor plant neues Stadtquartier auf 100.000 Quadratmetern Industriebrache in Wittenberge.

2 Min
250 Millionen Euro: Aus altem Nähmaschinenwerk wird Zukunftsquartier

Graue Fassaden, große Industriefenster und verwitterter Backstein auf 100.000 Quadratmetern: Das ehemalige Nähmaschinenwerk in Wittenberge erinnert an eine glanzvolle Industrievergangenheit. Seit dem Ende der Produktion Anfang der 1990er-Jahre liegen große Teile des Geländes jedoch brach. Zerbrochene Fenster und bröckelnde Fassaden prägen das Bild.

Doch nun soll hier etwas Neues entstehen. Ein privater Investor will das historische Areal für rund 250 Millionen Euro zu einem modernen Stadtquartier entwickeln. Geplant sind Gastronomie, ein Hotel sowie Räume für Kunst- und Kulturveranstaltungen.

Vom Industriestandort zum Innovationsquartier

"Es geht nicht allein um Tourismus, sondern auch um Bildung und Forschung, Technik und Innovation", sagt Investor Renaud Vercouter De Gambs. Im Fokus stehe zudem die Schaffung neuer Arbeitsplätze in der brandenburgischen Kleinstadt.

Das Veritas-Nähmaschinenwerk galt zu DDR-Zeiten als einer der modernsten Produktionsstandorte für Haushaltsnähmaschinen weltweit. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts hatte der US-Konzern Singer in den Fabrikhallen produziert. Kurz vor der Wiedervereinigung arbeiteten hier rund 3.200 Menschen. 1992 wurde das Werk liquidiert – der Beginn eines tiefgreifenden Strukturwandels in Wittenberge.

Ostdeutschland besonders betroffen

Wie stark das Thema Industriebrachen Ostdeutschland betrifft, zeigt eine bundesweite Baulandumfrage aus dem Jahr 2020. Demnach machen Brachflächen im Osten rund 55 Prozent der innerörtlichen Flächenreserven aus, im Westen gut 30 Prozent. Neuere vergleichbare Zahlen gibt es bislang nicht.

Die Stadt Wittenberge versucht an vielen Stellen, wieder attraktiver zu werden. "Wir wollen auf den Wohnstandort hinweisen, auf den Urlaubsstandort, auf den touristischen Standort und auch auf den Arbeitsstandort", sagt Bürgermeister Oliver Hermann.

Gute Lage zwischen Berlin und Hamburg

Die Kleinstadt hat dafür gute Voraussetzungen: Wittenberge liegt genau zwischen den Metropolen Berlin und Hamburg und verfügt über einen ICE-Anschluss. Einen zusätzlichen Schub erhofft sich Hermann von der Landesgartenschau 2027. Die Menschen sollten sehen, dass Wittenberge ein Ort sei, "an dem man arbeiten, wohnen und sich erholen kann".

Dass die Umnutzung alter Industriebauten gelingen kann, zeigt die Alte Ölmühle in Wittenberge. Auch sie war einst eine Industriebrache. Heute gibt es dort ein Vier-Sterne-Hotel, ein Restaurant und Freizeitangebote.

Erfolgsbeispiel Alte Ölmühle

Entscheidend sei die Mischung, sagt Geschäftsführer Lutz Lange: "Es geht um die Vielschichtigkeit." Zu ihm kommen Urlauber, Spa- und Tagungsgäste. Am Wochenende sei das Hotel fast immer ausgebucht, unter der Woche liege die Auslastung bei 80 bis 85 Prozent.

Der Weg dahin war jedoch lang. Seit 2007 wurde die Alte Ölmühle Stück für Stück entwickelt. Ursprünglich waren 2,5 Millionen Euro Investition geplant, inzwischen sind rund 17,6 Millionen Euro in das Areal geflossen. "Man muss einen langen Atem haben, man muss querdenken, man muss ein bisschen anders sein", sagt Lange.

Langfristige Perspektive für Wittenberge

Auch für den deutlich größeren Veritas-Park dürfte der Wandel Jahre dauern. Immerhin hat sich der jahrzehntelange Bevölkerungsrückgang in Wittenberge deutlich abgeschwächt. Zuletzt lag die Einwohnerzahl relativ stabil bei rund 17.000. Projekte wie der Veritas-Park und die Landesgartenschau sollen helfen, diesen positiven Trend zu festigen.

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