Zinssenkungen in den USA beleben Schwellenländer-Märkte
Kapitalflüsse steigen, doch Risiken durch schnelle geldpolitische Lockerungen bleiben

Investoren richten zunehmend ihren Blick auf Schwellenländer, da Zinssenkungen in den USA in Aussicht stehen. Die Federal Reserve, die US-Notenbank, hat den Leitzins über ein Jahr hinweg auf einem Niveau von 5,25 bis 5,5 Prozent gehalten, was den höchsten Stand seit 23 Jahren darstellt. Mit dem Rückgang der Inflation wird jedoch eine Zinssenkung im September immer wahrscheinlicher. Dies könnte positive Auswirkungen auf die Kapitalströme in Schwellenländer haben, da eine lockere Geldpolitik in den USA dazu führen könnte, dass mehr Kapital in diese aufstrebenden Volkswirtschaften fließt.
Analysen des Institute of International Finance (IIF) zeigen, dass in den letzten Monaten die Aktienmärkte in Schwellenländern bereits hohe Zuflüsse verzeichneten. Im Juli überstiegen die Investitionen in diesen Märkten die Abflüsse um 7,1 Milliarden Dollar. Besonders bemerkenswert war der Kapitalzufluss in Schwellenländeranleihen, der im Juli um 33,2 Milliarden Dollar zunahm. Experten des Vermögensverwalters Lazard sind optimistisch, dass eine solche Entwicklung das Wirtschaftswachstum in Schwellenländern fördern und die Gewinnerwartungen der Unternehmen steigern wird. Darüber hinaus könnte eine Abschwächung des US-Dollars durch die Zinssenkungen ein günstigeres Umfeld für Aktien aus Schwellenländern schaffen.
Die positive Prognose für Schwellenländer markiert eine Wende, nachdem diese Märkte in den letzten Jahren aufgrund der zahlreichen Zinserhöhungen in den USA weniger attraktiv erschienen. Der Vergleich des MSCI World Index mit dem MSCI Emerging Markets Index verdeutlicht, dass Schwellenländer im Vergleich zu den entwickelten Märkten einen Nachholbedarf haben. Ein wesentlicher Grund für die bisherige Zurückhaltung der Anleger war, dass sichere Anlagen, wie US-Staatsanleihen, wieder höhere Renditen boten. Dies führte dazu, dass Zentralbanken in Schwellenländern gezwungen waren, ihre Leitzinsen im Gleichschritt mit den USA anzuheben, um eine Abwertung ihrer Währungen zu verhindern.
Trotz der jüngsten Börsenturbulenzen haben die Finanzmärkte der Schwellenländer diese Phase weitgehend unbeschadet überstanden. Analysten der Dekabank stellen fest, dass die Schwäche der Aktienmärkte nicht zu einer massenhaften Flucht aus Schwellenländeranlagen geführt hat. Doch die Situation bleibt angespannt, da die Notenbanken in diesen Ländern weiterhin auf ein heikles Gleichgewicht zwischen Zinslockerung und wirtschaftlicher Stabilität achten müssen. Experten warnen vor den Risiken einer zu schnellen Lockerung der Geldpolitik, die zu starken Reaktionen der Währungen führen könnte. Dennoch könnten sinkende Zinsen in den kommenden Monaten die Kreditaufnahme erleichtern und damit Investitionen und Wirtschaftswachstum in Schwellenländern ankurbeln.
