Britische Inflation steigt schwächer als erwartet
Leichte Zinssenkung der Bank of England zeigt begrenzte Wirkung im Dienstleistungssektor

Die Inflation in Großbritannien ist im Juli 2024 leicht gestiegen, nachdem die Bank of England zu Beginn des Monats eine Zinssenkung vorgenommen hatte. Laut den veröffentlichten Daten des Statistikamts stiegen die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,2 Prozent. Dies markiert einen leichten Anstieg gegenüber den 2,0 Prozent im Juni desselben Jahres. Ökonomen, die von der Nachrichtenagentur Reuters befragt wurden, hatten jedoch mit einem stärkeren Anstieg von 2,3 Prozent gerechnet, sodass das tatsächliche Ergebnis hinter den Erwartungen zurückblieb.
Die Zinssenkung der Bank of England um einen Viertelprozentpunkt auf 5,0 Prozent war die erste Lockerung seit dem Frühjahr 2020. Vor dem Hintergrund dieser geldpolitischen Maßnahme wird den neuen Inflationsdaten besondere Aufmerksamkeit geschenkt, da sie Einfluss auf den zukünftigen Kurs der Zentralbank, insbesondere in der bevorstehenden Sitzung im September, haben könnten. Trotz des jüngsten Anstiegs der Inflation liegt die Rate noch immer in der Nähe des Inflationsziels der Bank von zwei Prozent.
Eine besondere Herausforderung bleibt jedoch der Preisanstieg im Dienstleistungssektor, der im Juli 2024 überdurchschnittlich stark ausfiel. Die Preise für Dienstleistungen stiegen um 5,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, was jedoch eine leichte Abnahme im Vergleich zum Juni darstellt, als die Steigerungsrate noch bei 5,7 Prozent lag. Dieser Rückgang markiert die niedrigste Inflationsrate in diesem Sektor seit über zwei Jahren. Auch hier hatten Ökonomen von Reuters einen etwas geringeren Rückgang auf 5,5 Prozent erwartet, was zeigt, dass der Preisdruck im Dienstleistungsbereich weiterhin hoch bleibt.
Die Bank of England hatte seit Dezember 2021 bis August 2023 insgesamt 14 Mal die Zinsen angehoben, um der ausufernden Inflation entgegenzuwirken. Dieser straffe geldpolitische Kurs unter der Führung von Notenbankchef Andrew Bailey hat dazu beigetragen, dass die Lebenshaltungskosten in Großbritannien nicht mehr so stark ansteigen wie zuvor. Im Oktober 2022 lag die Inflationsrate auf der Insel bei 11,1 Prozent, was der höchste Wert seit über vier Jahrzehnten war. Dieser extreme Anstieg war auf mehrere Faktoren zurückzuführen, darunter der starke Anstieg der Energie- und Lebensmittelpreise infolge der russischen Invasion in der Ukraine, der Corona-bedingte Arbeitskräftemangel und die Unterbrechung globaler Lieferketten.
