Zentralbanken im Dilemma: Ölpreisschock trifft auf Zinsentscheidungen
Der Iran-Konflikt treibt Brent-Öl über 100 Dollar – ausgerechnet in einer Woche voller Zentralbanksitzungen weltweit.

Der Brent-Rohölpreis übersteigt weiterhin die Marke von 100 Dollar pro Barrel, während der Konflikt mit dem Iran in seine dritte Woche geht. Am Wochenende griffen die USA die Insel Charg an – Irans wichtigsten Ölexport-Knotenpunkt. US-Präsident Donald Trump verhandelt gleichzeitig mit Verbündeten über eine sichere Passage durch die blockierte Straße von Hormus.
Die Meerenge bleibt das geopolitische Epizentrum der Krise. Indien gelang es am Wochenende, zwei seiner Tanker sicher durch die Straße zu führen. Mehrere von Trump kontaktierte Länder erklärten jedoch bis Montag, keine Schiffe in die Region entsenden zu wollen – obwohl Washington noch in dieser Woche eine Koalitionsankündigung plant.
An den Börsen zeigte sich ein uneinheitliches Bild: Der japanische Nikkei verlor 0,3 Prozent, der südkoreanische KOSPI erholte sich nach den Vorwochenverlusten um mehr als 1 Prozent. Der europäische STOXX 600 eröffnete schwächer, US-Futures lagen vor Handelsbeginn im Plus. Der US-Dollar gab nach seinem Wochengewinn von über 1 Prozent leicht nach, Gold zeigte sich stabil.
Zentralbanken unter Druck
Das wichtigste Marktereignis der Woche sind die geldpolitischen Sitzungen mehrerer großer Zentralbanken. Fed, EZB, Bank of England und Reserve Bank of Australia tagen allesamt in einem Umfeld erhöhter Unsicherheit. Für die US-Notenbank Fed wird am Mittwoch keine Zinsänderung erwartet – Anleger richten ihren Blick dennoch gespannt auf die Risikoeinschätzung der Währungshüter.
Die jüngsten US-Wirtschaftsdaten verdeutlichen das Dilemma: Die Kerninflation gemessen am PCE-Index stieg im Februar auf 3,1 Prozent, während das BIP-Wachstum im vierten Quartal auf lediglich 0,7 Prozent nach unten korrigiert wurde. Beide Datensätze stammen noch aus der Zeit vor der Iran-Krise und unterstreichen das klassische Stagflationsrisiko – steigende Preise bei gleichzeitig schwächelnder Wirtschaft.
An den Terminmärkten ist eine zweite Zinssenkung der Fed in diesem Jahr vollständig aus den Erwartungen verschwunden. Die einzige noch vollständig eingepreiste Senkung wird erst für Dezember 2025 erwartet. Als einzige Zentralbank könnte die Reserve Bank of Australia in dieser Woche tatsächlich handeln und die Zinsen zum zweiten Mal in diesem Jahr anheben.
China, Meta und der globale Flugverkehr
Aus China kamen am Montag überraschend positive Daten: Die Einzelhandels- und Industriezahlen für Januar und Februar übertrafen die Prognosen. Allerdings spiegeln auch diese Zahlen die Zeit vor dem Ölpreisanstieg wider. Im Fokus stehen zudem die US-chinesischen Handelsgespräche in Paris, die am Montag in ihren zweiten und letzten Tag gingen – geleitet von US-Finanzminister Scott Bessent.
Trump deutete an, den geplanten Staatsbesuch in China Ende des Monats verschieben zu können, falls Peking bei der Öffnung der Straße von Hormus nicht kooperiert. Die Eskalationsdynamik zwischen Geopolitik und Handelsdiplomatie bleibt damit hoch.
Auf Unternehmensseite sorgt Meta für Schlagzeilen: Der Facebook-Konzern plant laut Reuters-Informationen den Abbau von bis zu 20 Prozent seiner Belegschaft. Zudem trifft der Krieg den globalen Flugverkehr massiv – der Flughafen Dubai wurde erneut von einer Drohne getroffen, wichtige Hubs in Dubai, Doha und Abu Dhabi blieben zeitweise geschlossen und zehntausende Passagiere sitzen fest.
