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World Steel senkt Stahlnachfrage-Prognose wegen China und Kriegsrisiken

Die World Steel Association revidiert ihre Prognosen deutlich nach unten – China, Europa und die Golfregion belasten die Aussichten erheblich.

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World Steel senkt Stahlnachfrage-Prognose wegen China und Kriegsrisiken

Die World Steel Association hat ihre Prognose für die weltweite Stahlnachfrage im Jahr 2026 deutlich gesenkt. Als Hauptgründe nennt der Branchenverband den schwächeren Stahlkonsum in China sowie Störungen durch den US-israelischen Krieg mit dem Iran. Statt des im April noch erwarteten Wachstums von 0,3 % rechnet der Verband nun mit einem Rückgang der globalen Stahlnachfrage um 0,1 %.

Alfonso Hidalgo de Calcerrada, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses von World Steel, machte die veränderte Lage deutlich: Die erwartete Erholung erweise sich als langsamer und schrittweiser als ursprünglich angenommen. Auch die Wachstumsprognose für 2027 wurde nach unten korrigiert – von zuvor 2,2 % auf nunmehr 1,7 %.

China und Europa unter Druck

Besonders stark belastet China die globale Stahlbilanz. Für das laufende Jahr prognostiziert World Steel einen Rückgang der chinesischen Stahlnachfrage um 2 %. Hintergrund ist die anhaltende Immobilienkrise des Landes, die länger andauert als der Verband erwartet hatte. China ist der mit Abstand größte Stahlkonsument der Welt, weshalb Schwankungen dort unmittelbare Auswirkungen auf den globalen Markt haben.

Auch die Aussichten für Europa haben sich eingetrübt. Für die Europäische Union und Großbritannien erwartet World Steel im Jahr 2026 nun einen Rückgang der Stahlnachfrage um 0,3 %. Noch im April war der Verband von einem Wachstum von 1,3 % ausgegangen. Als Ursache gilt eine langsamere und ungleichmäßigere Erholung im Bausektor als ursprünglich erwartet – ein Sektor, der traditionell zu den größten Stahlabnehmern zählt.

Golfregion: Nachfrage verschoben, nicht zerstört

Besonders drastisch fällt die Revision für die Golfregion aus. Dort wird die Stahlnachfrage im Jahr 2026 voraussichtlich um 11 % einbrechen, bevor sie 2027 wieder um 11,3 % zulegen soll. Hidalgo de Calcerrada betonte jedoch, dass es sich dabei nicht um eine dauerhafte Nachfragezerstörung handele: „Was wir in der Golfregion beobachten, ist nicht die Zerstörung der Nachfrage, sondern deren Aufschub, da Projektvergaben, Baubeginne und Finanzierungsentscheidungen nach hinten verschoben werden, solange die Sicherheitslage ungeklärt bleibt."

Der Verband geht davon aus, dass sich die Stahlnachfrage in der Golfregion kräftig erholen dürfte, sobald die Unsicherheit beseitigt ist, die Straße von Hormus wieder geöffnet wird und sich die Lieferketten normalisieren. Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt und für den Rohstofftransport in der Region von zentraler Bedeutung.

Indien bleibt Wachstumsmotor

Einen klaren Lichtblick liefert Indien. Der Verband bezeichnet das Land als den weltweit am schnellsten wachsenden großen Stahlmarkt. Für 2026 wird ein Nachfragewachstum von 7,9 % erwartet, für 2027 sogar 8,0 %. Indiens boomende Infrastrukturprojekte und das starke Bevölkerungswachstum treiben den Stahlbedarf kontinuierlich an und machen das Land zu einem der wenigen stabilen Wachstumspole in einem ansonsten eingetrübten globalen Umfeld.

Für deutsche Anleger und Unternehmen der Stahlindustrie sind die revidierten Prognosen ein wichtiges Signal. Die Kombination aus schwächelnder chinesischer Nachfrage, geopolitischen Risiken im Nahen Osten und einer schleppenden Erholung im europäischen Bausektor dürfte den Druck auf die globalen Stahlpreise und die Margen der Stahlproduzenten in den kommenden Quartalen aufrechterhalten.

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