Codelcos El Teniente: Erdrutsch tötet zwei Arbeiter in Kupfermine
Nach einem tödlichen Erdrutsch in der Südgrube stellt Chiles Staatskonzern Codelco den Betrieb in El Teniente teilweise ein.

Zwei Arbeiter sind am Sonntag bei einem Erdrutsch in der chilenischen Kupfermine El Teniente ums Leben gekommen. Ein dritter Mitarbeiter überlebte den Vorfall. Der chilenische Staatskonzern Codelco hat daraufhin den Betrieb im betroffenen Sektor teilweise eingestellt.
Die chilenische Bergbaubehörde SERNAGEOMIN bestätigte den Unfall in einem Beitrag auf X. Demnach ereignete sich der Erdrutsch kurz vor 14:00 Uhr Ortszeit (17:00 Uhr GMT) im Bereich der sogenannten Südgrube der Mine. Drei Mitarbeiter des Dienstleisters Aura Ingeniería SA wurden von den Erdmassen erfasst, während sie dort Inspektionen durchführten.
Ein Arbeiter konnte gerettet werden. Die beiden anderen, die vollständig verschüttet worden waren, wurden später nur noch tot geborgen. Codelco drückte in einer offiziellen Stellungnahme sein Beileid gegenüber den Familien der Opfer aus.
Die Details
SERNAGEOMIN erklärte unmittelbar nach dem Unfall: „Der Betrieb im Sektor der Südgrube des Bergwerks wird ausgesetzt." Codelco bestätigte zudem, dass die chilenische Kriminalpolizei sowie die Staatsanwaltschaft vor Ort eingetroffen sind, um die Ermittlungen zur Klärung der genauen Unfallumstände einzuleiten.
Als Ursache des Erdrutsches nannte Codelco heftige Regenfälle in Zentralchile, die im Tagebaubereich der Mine zu dem Abgang geführt hatten. Das Unternehmen erklärte weiter: „Maßnahmen zur Sicherung des Wohlergehens der drei Arbeiter, die sich zum Zeitpunkt des Vorfalls in dem Gebiet befanden, wurden sofort aktiviert."
Die Mine El Teniente liegt etwa 75 Kilometer südöstlich der chilenischen Hauptstadt Santiago in den Anden. Sie ist seit über einem Jahrhundert in Betrieb und verfügt über ein Netz von mehr als 4.500 Kilometern an Tunneln und unterirdischen Stollen – eines der ausgedehntesten Untertagebergwerke der Welt. Codelco zählt zu den weltweit größten Kupferproduzenten.
Hintergrund: Was bisher geschah
El Teniente und der Mutterkonzern Codelco stehen seit geraumer Zeit im Fokus der Öffentlichkeit, was Sicherheitsvorfälle und Produktionsrisiken betrifft. Bereits am 11.02.2026 berichtete aktien.news, dass die Produktion in El Teniente nach einem tödlichen Unfall im Vorjahr für mindestens fünf Jahre deutlich unter dem früheren Niveau bleiben werde. Minenleiter Claudio Sougarret hatte damals gegenüber Reuters erklärt, die Förderung für 2025 sei auf 301.000 Tonnen Kupfer geplant, und räumte ein, dass die Fördermengen „wahrscheinlich in diesem Bereich liegen und dort für die nächsten fünf Jahre bleiben werden."
Am 08.10.2026 berichtete aktien.news über eine neue Risikoanalyse des Beratungsunternehmens GEM Mining Consulting. Demnach sind in Chiles größten Kupferminen im Durchschnitt 5,2 Prozent der Produktion durch Streiks, extreme Wetterbedingungen, Unfälle und geologische Probleme gefährdet. El Teniente rangierte in diesem sogenannten „Production-at-Risk-Index" mit einem Wert von 9 Prozent an erster Stelle aller 14 bewerteten Betriebe – noch vor Los Pelambres (8 Prozent) und Escondida (7,5 Prozent).
Auch andere chilenische Kupferminen waren zuletzt von tödlichen Unfällen betroffen. Am 25.09.2026 meldete aktien.news, dass die Escondida-Mine des Konzerns BHP ihren Betrieb nach einem tödlichen Unfall schrittweise wieder aufnahm. Am 02.10.2026 kam ein Arbeiter bei einem Unfall in Codelcos Kupfermine Radomiro Tomic im Norden Chiles ums Leben, während er Wartungsarbeiten an einem Förderband durchführte.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die in den Kupfersektor oder in Unternehmen mit Kupferexposure investiert sind, verdeutlicht der Vorfall die operativen Risiken, die mit dem Bergbau in Chile verbunden sind. Codelco ist ein staatlicher Konzern und nicht direkt an der Börse notiert. Dennoch beeinflusst die Produktionslage in El Teniente den globalen Kupfermarkt, da Chile der weltgrößte Kupferproduzent ist.
Die Teileinstellung des Betriebs in der Südgrube kommt zu einem Zeitpunkt, an dem El Teniente ohnehin bereits unter eingeschränkter Kapazität arbeitet. Die Risikoanalyse von GEM Mining Consulting hatte El Teniente bereits als den am stärksten gefährdeten Betrieb unter Chiles großen Kupferminen eingestuft. Anleger, die über börsennotierte Kupferproduzenten oder Rohstoff-ETFs in den Sektor investiert sind, sollten die Entwicklungen rund um die chilenische Bergbauindustrie weiterhin aufmerksam verfolgen.
Ausblick
Konkrete Angaben zur Dauer der Betriebsunterbrechung in der Südgrube von El Teniente wurden weder von Codelco noch von SERNAGEOMIN gemacht. Die laufenden Ermittlungen von Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft werden die genauen Unfallumstände klären. Codelco hatte bereits im Februar 2026 erklärt, die Fördermengen in El Teniente würden für die nächsten fünf Jahre auf dem reduzierten Niveau von rund 301.000 Tonnen Kupfer jährlich verbleiben.
Kurz erklärt
- Tagebau: Eine Abbaumethode, bei der Rohstoffe im offenen Gelände an der Erdoberfläche gewonnen werden, im Gegensatz zum Untertagebau in Tunneln.
- SERNAGEOMIN: Die chilenische Bergbaubehörde, die für die Aufsicht und Regulierung des Bergbausektors sowie für die Untersuchung von Unfällen zuständig ist.
- Production-at-Risk-Index: Ein Bewertungsmaßstab, der den Anteil der Produktion eines Bergwerks angibt, der durch verschiedene Risikofaktoren wie Unfälle, Wetter oder geologische Ereignisse gefährdet ist.
