Wirtschaftsweise senken Wachstumsprognose drastisch für 2025
Stagnation und fehlender Konsum bremsen Erholung der deutschen Wirtschaft

Die Wirtschaftsweisen haben ihre Prognose für das Wachstum der deutschen Wirtschaft im Jahr 2025 drastisch gesenkt. Sie erwarten nur noch einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,4 Prozent. Ursprünglich war von einem Zuwachs von 0,9 Prozent ausgegangen worden. In ihrem aktuellen Gutachten weisen die Experten darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft durch konjunkturelle und strukturelle Probleme gebremst wird und sich voraussichtlich erst im Laufe des Jahres 2025 leicht erholen wird. Die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr soll sogar leicht um 0,1 Prozent sinken. Gründe hierfür sind insbesondere rückläufige Produktionszahlen in der Industrie und eine abnehmende Investitionstätigkeit. Auch die Erholung der Weltwirtschaft habe nicht den erwarteten positiven Einfluss auf die deutschen Exporte gehabt.
Der private Konsum zeigt ebenfalls keine Belebung, obwohl die Reallöhne zuletzt gestiegen sind. Viele Haushalte sparen ihr zusätzliches Einkommen, anstatt es in den Konsum zu investieren. Diese Zurückhaltung wird auf pessimistische Erwartungen hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung und die Verlangsamung der Reallohnsteigerungen zurückgeführt. Der Sachverständigenrat prognostiziert, dass die Konsumausgaben auch 2025 nur geringfügig steigen werden und die Verbraucherpreise im nächsten Jahr um 2,1 Prozent anziehen.
Die Bundesregierung hatte ihre Konjunkturprognose im Oktober ebenfalls gesenkt und für dieses Jahr einen Rückgang des BIP um 0,2 Prozent prognostiziert. Für 2025 erwartet sie jedoch ein Wachstum von 1,1 Prozent und plant eine Wachstumsinitiative mit Steuererleichterungen und Vergünstigungen beim Strompreis, deren Umsetzung durch die politische Lage allerdings ungewiss ist. Der Vorsitzende des SVR, Schnitzer, betonte die Notwendigkeit, die Modernisierung des Landes voranzutreiben und zukunftsorientierte öffentliche Ausgaben zu priorisieren.
Der SVR fordert unter anderem einen Sonderfonds oder gesetzlich verankerte Mindestquoten für Investitionen in Infrastruktur, Verteidigung und Bildung. Diese Bereiche würden laut dem Gutachten oft zugunsten kurzfristiger Wahlversprechen vernachlässigt. Auch der Verkehrsbereich soll durch kontinuierliche Einnahmen aus einem Fonds langfristig gestärkt werden, wobei eine Zweckbindung der Mittel zur Erhaltung der bestehenden Infrastruktur gefordert wird.
Weitere Themen des Gutachtens umfassen die Digitalisierung des Finanzmarkts und den angespannten Wohnungsmarkt. Im Finanzsektor fordert der SVR regulatorische Experimentierräume für Innovationen. Für den Wohnungsmarkt sprechen sich die Wirtschaftsweisen für eine befristete Mietenregulierung in Kombination mit Maßnahmen zur Wohnraumerweiterung aus. Dies soll den Zugang zu Wohnraum insbesondere für einkommensschwache Haushalte erleichtern und die Mobilität von Arbeitskräften in wirtschaftlich starke Regionen fördern.
