Wirtschaftsstimmung trübt sich weiter ein
Deutsches Konjunkturbarometer fällt auf tiefsten Stand seit der Corona-Rezession

Die Stimmung in den Führungsetagen deutscher Unternehmen hat sich zum Jahresende weiter eingetrübt. Der ifo-Geschäftsklimaindex, der als zentrales Barometer für die deutsche Konjunktur gilt, fiel im Dezember deutlich auf 84,7 Punkte, nach 85,6 Punkten im Vormonat. Dies stellt den niedrigsten Stand seit Mai 2020 dar, als die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie eine Rezession auslösten. Das Münchner ifo-Institut ermittelte diesen Rückgang auf Grundlage einer Umfrage unter etwa 9.000 Führungskräften. Damit sank der Index zum sechsten Mal in den vergangenen sieben Monaten. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem leichten Rückgang gerechnet.
Während die aktuelle Geschäftslage von den Unternehmen weniger negativ beurteilt wurde, sind die Erwartungen für die kommenden Monate deutlich pessimistischer. Clemens Fuest, Präsident des ifo-Instituts, betonte, dass die Schwäche der deutschen Wirtschaft inzwischen chronisch geworden sei. Philipp Scheuermeyer, Ökonom bei der KfW, ergänzte, dass vor allem die Industrie stark betroffen sei. Ein jahrelanger Abwärtstrend bei der Produktion führe nun vermehrt zu Beschäftigungsabbau. Zudem beeinflusse die negative Geschäftsstimmung zunehmend die Investitionsplanung der Unternehmen. Laut Scheuermeyer seien die Investitionsabsichten für das kommende Jahr außergewöhnlich negativ, und es bleibe fraglich, ob allein geldpolitische Maßnahmen der Notenbanken eine Wende herbeiführen könnten.
Die deutsche Wirtschaft bewegt sich damit weiterhin am Rande einer Rezession. Im dritten Quartal 2024 verzeichnete sie lediglich ein geringfügiges Wachstum von 0,1 Prozent. Auch für das Jahresende rechnen Ökonomen nicht mit einer spürbaren Erholung. Mit dem Ausgang der US-Präsidentschaftswahl und dem Sieg von Donald Trump erwarten Experten zusätzlichen wirtschaftlichen Gegenwind. Trump kündigte im Wahlkampf an, Strafzölle auf europäische Importe zu erheben und die USA weiter abzuschotten. Deutschland, das stark exportabhängig ist, könnte unter diesen Maßnahmen besonders leiden.
Für das Jahr 2025 haben führende Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumsprognosen bereits deutlich gesenkt. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft rechnet lediglich mit einer Stagnation, während das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung aus Berlin höchstens ein Wachstum von 0,2 Prozent prognostiziert. Laut ifo-Umfrage erwartet die Mehrheit der deutschen Unternehmen keine Verbesserung ihrer Geschäftslage: 56 Prozent rechnen mit einer unveränderten Situation, während 31 Prozent von einer Verschlechterung ausgehen. Lediglich 12,6 Prozent der Firmen zeigen sich optimistisch und erwarten bessere Geschäfte im kommenden Jahr.
