Firmeninsolvenzen auf höchstem Stand seit fast einem Jahrzehnt
Wirtschaftskrise, hohe Kosten und Großpleiten treiben die Schadenssummen in die Höhe

Die anhaltende wirtschaftliche Krise hat in Deutschland zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen geführt. Nach Berechnungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform stieg die Zahl der Insolvenzen im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 24,3 Prozent auf 22.400 Fälle. Dies ist die höchste Zahl seit 2015, als 23.180 Insolvenzen registriert wurden. Laut Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, wirken sich die wirtschaftlichen Belastungen der vergangenen Jahre nun mit Verzögerung aus und führen zu einer Zunahme der Unternehmensinsolvenzen.
Besonders betroffen sind Kleinstunternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten, die 81,4 Prozent aller Fälle ausmachen. Gleichzeitig wurde ein überdurchschnittlicher Anstieg bei größeren Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten verzeichnet. Hier stieg die Zahl der Insolvenzen um 44,4 Prozent. Zwar bleibt ihr Anteil am Gesamtaufkommen gering, doch die wirtschaftlichen Folgen solcher Großinsolvenzen sind erheblich. Neben hohen Forderungsausfällen führen sie zu einem massiven Verlust von Arbeitsplätzen.
Die Insolvenzen betrafen alle Branchen, wobei Dienstleister mit einem Anstieg von 27,1 Prozent besonders stark betroffen waren. Das Verarbeitende Gewerbe verzeichnete einen Zuwachs von 23,9 Prozent, während das Baugewerbe mit einer Insolvenzquote von 97 pro 10.000 Unternehmen die höchste Belastung aufwies. Zudem wurden vermehrt sogenannte Ketteninsolvenzen registriert, die durch die anhaltenden wirtschaftlichen Krisen der letzten Jahre begünstigt wurden.
Die wirtschaftlichen Schäden durch die Insolvenzen sind erheblich gestiegen. Die geschätzte Schadenssumme beläuft sich auf 56 Milliarden Euro, verglichen mit 31,2 Milliarden Euro im Vorjahr. Auch die Zahl der bedrohten oder weggefallenen Arbeitsplätze stieg von 205.000 auf etwa 320.000. Großinsolvenzen wie die von Galeria Karstadt Kaufhof und FTI Touristik trugen maßgeblich zu diesem Anstieg bei.
Nicht nur Unternehmen, sondern auch Privatpersonen sind von der wirtschaftlichen Lage stark betroffen. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen stieg 2024 um 8,5 Prozent auf 72.100 Fälle. Hauptursachen sind die gestiegenen Lebenshaltungskosten und höheren Kreditzinsen. Zusätzlich belastet der Abbau gut bezahlter Arbeitsplätze die finanzielle Situation vieler Haushalte. Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt, und weitere Insolvenzen könnten folgen.
