US-Inflation steigt weiter und fordert die Fed heraus
Zinssenkungen möglich, doch künftige Strategie steht vor großen Unsicherheiten

Die Inflationsrate in den USA nimmt weiter zu und entfernt sich zunehmend vom Ziel der Federal Reserve (Fed). Laut jüngsten Daten des Arbeitsministeriums stiegen die Verbraucherpreise im November um 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Dies ist ein Anstieg gegenüber Oktober, als die Rate noch bei 2,6 Prozent lag. Haupttreiber dieser Entwicklung waren gestiegene Lebensmittel- und Wohnkosten. Auch die Kerninflation, die schwankungsanfällige Preise für Energie und Lebensmittel ausschließt, bleibt mit 3,3 Prozent auf einem hohen Niveau. Besonders hohe Preisanstiege wurden bei neuen und gebrauchten Autos sowie bei Bekleidung registriert.
Die Fed steht damit vor einer schwierigen Entscheidung. Am Mittwoch wird sie ihre letzte Zinsentscheidung für dieses Jahr treffen und zugleich neue Prognosen für den Leitzins sowie das Wirtschaftswachstum veröffentlichen. Aktuell liegt der Leitzins in einer Spanne von 4,5 bis 4,75 Prozent, nachdem die Fed im September begonnen hatte, die Zinsen zu senken. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Zinsen wie geplant um weitere 25 Basispunkte gesenkt werden. Zinshändler an der Terminbörse CME sehen die Wahrscheinlichkeit hierfür bei über 98 Prozent. Dennoch warnen Experten, dass die Zinssenkungen im kommenden Jahr langsamer ausfallen könnten, als ursprünglich geplant.
Kapitalmarktexperten wie Mohamed El-Erian und Oksana Aronov sehen unterschiedliche Szenarien. Während El-Erian betont, dass die Fed möglicherweise zwischen einer stabilen, aber über dem Zielwert liegenden Inflation und einem rigorosen Streben nach der Zwei-Prozent-Marke abwägen muss, geht Aronov davon aus, dass die Fed ihre Zinsen im nächsten Jahr weniger stark senken wird als ursprünglich geplant. Auch Gilles Moëc von der französischen Versicherungsgruppe Axa rechnet nur noch mit zwei weiteren Zinssenkungen in den nächsten Monaten.
Ein weiterer Faktor, der die Inflationsentwicklung beeinflussen könnte, ist die künftige Regierung von Donald Trump. Der designierte Präsident plant Initiativen wie Steuersenkungen, Importzölle und Maßnahmen gegen illegale Einwanderung, die den Preisdruck weiter erhöhen könnten. Experten warnen, dass dies die Spielräume der Fed für weitere Zinssenkungen einschränken könnte.
Auch in der Euro-Zone stehen Entscheidungen über die Geldpolitik bevor. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird am Donnerstag über ihre Leitzinsen beraten. Trotz einer niedrigeren Inflationsrate von 2,3 Prozent im Vergleich zu den USA bleibt die wirtschaftliche Lage in der Euro-Zone schwächer. Eine Zinssenkung um 25 Basispunkte gilt hier ebenfalls als wahrscheinlich.
