Wirtschaftsstimmung in Deutschland fällt erneut zurück
Schwache Auftragseingänge, internationale Unsicherheiten und Rezessionsgefahr prägen das Bild

Der ifo-Geschäftsklimaindex, ein zentraler Indikator für die wirtschaftliche Lage in Deutschland, ist im November erneut gesunken. Wie das Münchner ifo-Institut mitteilte, fiel der Index von 86,5 Punkten im Oktober auf 85,7 Punkte. Damit zeigt sich eine Verschlechterung der Stimmung in den Führungsetagen von rund 9000 befragten Unternehmen. Nach einem kurzen Anstieg im Oktober war dies die erste Verbesserung nach vier Monaten mit Rückgängen. Doch die Skepsis über die aktuelle Geschäftslage und die zukünftigen Aussichten überwiegt.
Besonders betroffen ist der Dienstleistungssektor, wo die Stimmung merklich eingetrübt ist. Auch die Industrie kämpft mit rückläufigen Aufträgen, was die wirtschaftliche Dynamik weiter bremst. Das ifo-Institut stellt fest, dass der deutschen Wirtschaft derzeit die notwendige Kraft fehle. Präsident Clemens Fuest unterstreicht diese Einschätzung und sieht keine schnellen Lösungen, um die Lage zu verbessern.
Die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Monate unterstreicht diese Schwierigkeiten. Nach einem Wachstum von lediglich 0,1 Prozent im Sommerquartal konnte eine technische Rezession gerade noch vermieden werden. Das zweite Quartal wies jedoch ein Minus von 0,3 Prozent auf, nachdem im ersten Quartal noch ein Anstieg um 0,2 Prozent verzeichnet worden war. Zwei aufeinanderfolgende Schrumpfungsquartale hätten eine Rezession bedeutet.
Auch der Einkaufsmanagerindex, ein weiterer bedeutender Konjunkturindikator, verzeichnete einen Rückgang auf den niedrigsten Stand seit neun Monaten. Diese Entwicklung spiegelt die Unsicherheiten wider, die sowohl in der Binnenwirtschaft als auch auf den internationalen Märkten bestehen. Die Baubranche zeigt ebenfalls ein düsteres Bild. Im September gingen die Auftragseingänge kalender- und saisonbereinigt um 12,4 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Insgesamt sank die Nachfrage in den ersten drei Quartalen des Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 2,0 Prozent.
Hinzu kommt die Unsicherheit durch internationale Entwicklungen. Der Wahlsieg von Donald Trump in den USA sorgt für zusätzliche Herausforderungen, insbesondere durch die Aussicht auf mögliche Strafzölle und eine protektionistischere Handelspolitik. Für die exportorientierte deutsche Wirtschaft könnte dies weitere Rückschläge bedeuten. Ökonomen wie Philipp Scheuermeyer von der KfW sehen daher kaum Anlass für Optimismus. Zwar könnte der private Konsum im kommenden Jahr etwas zur Stabilisierung beitragen, doch die Risiken bleiben hoch. Die Aussicht auf wirtschaftspolitische Impulse wird durch die derzeitige politische Unsicherheit zusätzlich gedämpft.
