Inflation in Großbritannien übertrifft Erwartungen deutlich
Zentralbank vor Herausforderung zwischen Zinspolitik und Wirtschaftswachstum

Die Inflationsrate in Großbritannien hat im Oktober die Erwartungen der Ökonomen übertroffen und ist auf 2,3 Prozent gestiegen, wie das Statistikamt ONS mitteilte. Damit liegt sie wieder über der Zielmarke der Bank of England von zwei Prozent. Im Vormonat September hatte die Teuerung noch bei 1,7 Prozent gelegen und damit erstmals seit dreieinhalb Jahren unter dem Zielwert. Der Anstieg im Oktober wird vor allem durch eine deutliche Verteuerung von Dienstleistungen geprägt, deren Preise im Vergleich zum Vorjahr um 5,0 Prozent gestiegen sind.
Die sogenannte Kerninflation, die volatile Preiskomponenten wie Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak ausschließt, legte ebenfalls leicht zu und erreichte 3,3 Prozent, nach 3,2 Prozent im September. Diese Entwicklung könnte die Pläne der Bank of England zur Lockerung ihrer Geldpolitik beeinflussen. Nachdem die Zentralbank im Sommer erstmals seit längerer Zeit den Leitzins gesenkt und diesen im November auf 4,75 Prozent reduziert hatte, könnte der neuerliche Anstieg der Inflation dazu führen, dass weitere Zinssenkungen verschoben werden.
Parallel zur Veröffentlichung der Inflationsdaten reagierte auch das britische Pfund. Es wertete um 0,23 Prozent auf 1,2711 US-Dollar auf. Höhere Zinsen steigern die Attraktivität einer Währung für Investoren, da sie bessere Renditen bieten. Allerdings können gleichzeitig steigende Kreditkosten die wirtschaftliche Dynamik dämpfen. Dies stellt die britischen Währungshüter vor die Herausforderung, zwischen der Bekämpfung der Inflation und der Unterstützung des Wirtschaftswachstums abzuwägen.
Die Bank of England geht derzeit davon aus, dass die Inflationsrate bis Ende des Jahres auf etwa 2,5 Prozent steigen könnte. Für das Jahr 2025 wird eine weitere Zunahme auf 2,7 Prozent prognostiziert. Erst gegen Ende des dreijährigen Projektionszeitraums erwartet die Zentralbank, dass die Teuerung schrittweise unter die Zielmarke von zwei Prozent zurückkehren wird. Angesichts der aktuellen Entwicklung dürfte die Notenbank vor schwierigen Entscheidungen stehen, um sowohl Preisstabilität als auch wirtschaftliches Wachstum zu gewährleisten.
