Deutsche Wirtschaft kämpft mit anhaltender Stagnation
Minimalwachstum, schwache Industrie und gedämpfte Hoffnungen auf Besserung

Die deutsche Wirtschaft hat im dritten Quartal 2024 ein minimales Wachstum von 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal verzeichnet. Dies geht aus aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts hervor. Die vorherige Schätzung lag bei einem Wachstum von 0,2 Prozent. Im zweiten Quartal war die Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent gesunken, was in Verbindung mit einem weiteren Rückgang eine technische Rezession bedeutet hätte. Dank eines Anstiegs des Privatkonsums konnte diese jedoch knapp vermieden werden.
Ökonomen bewerten die derzeitige wirtschaftliche Lage kritisch. Jens-Oliver Niklasch von der LBBW beschreibt die Entwicklung als eine Phase, in der die Wirtschaft bestenfalls stagniert. Andreas Scheuerle von der DekaBank spricht von einer „quälend langen Stagnationsphase“, in der konjunkturelle und strukturelle Probleme in toxischer Weise zusammenwirken. Die Hoffnung auf eine Erholung sei gedämpft, so Sebastian Dullien vom IMK, der die aktuelle Entwicklung lediglich als Ausreißer und nicht als Trendwende einstuft. Eine nachhaltige Besserung könnte sich erst 2025 einstellen, wenn steigende Löhne und eine niedrigere Inflation den Konsum weiter ankurbeln.
Ein Lichtblick in den Daten ist der Konsum. Verbraucherinnen und Verbraucher erhöhten ihre Ausgaben im Sommer um 0,3 Prozent. Der Staatskonsum verzeichnete sogar ein Plus von 0,4 Prozent. Gleichzeitig meldet das Statistische Bundesamt jedoch negative Impulse aus den Investitionen. In Maschinen und Fahrzeuge wurde 0,2 Prozent weniger investiert, in den Bau sogar 0,3 Prozent weniger. Eine Belebung könnte laut Experten durch die gelockerte Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) erfolgen. Niedrigere Zinsen könnten sowohl Investitionen anregen als auch der Bauwirtschaft Impulse geben.
Der Außenhandel zeigt sich gespalten. Während Exporte preis-, saison- und kalenderbereinigt um 1,9 Prozent zurückgingen, stiegen die Importe um 0,2 Prozent. Insgesamt bleibt der Ausblick jedoch angespannt. Die KfW hat ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 0,1 Prozent auf minus 0,1 Prozent korrigiert. Für 2025 wird nur noch ein moderates Wachstum von 0,5 Prozent erwartet, weit entfernt von den 1,0 Prozent, die im Sommer prognostiziert wurden.
Auch die Industrie ist stark unter Druck. Branchen wie der Fahrzeugbau, Maschinenbau und die Elektroindustrie melden deutliche Produktionsrückgänge. So sank die Produktion im Fahrzeugbau bis September um 6,9 Prozent, im Maschinenbau um 8,5 Prozent und in der Elektroindustrie sogar um 10,7 Prozent. Diese Entwicklungen unterstreichen die anhaltend schwierige Lage der deutschen Wirtschaft.
