Wenige Firmen treiben Produktivität in Deutschland
Studie zeigt: 13 Unternehmen leisten 65 Prozent des Wachstums und bremsen trifft keine Konsequenz

Nur ein sehr kleiner Teil der deutschen Unternehmen ist für den Großteil des Produktivitätswachstums verantwortlich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des McKinsey Global Institute, das zwischen 2011 und 2019 die Entwicklung von 8300 Unternehmen in Deutschland, Großbritannien und den USA analysierte. In Deutschland entfielen demnach 65 Prozent des gesamten Produktivitätsfortschritts auf lediglich 13 Firmen. Das entspricht nur 0,4 Prozent der betrachteten Unternehmen.
Gemessen wurde die Bruttowertschöpfung pro Mitarbeiter, also der Produktionswert abzüglich der Vorleistungen. Die Studienautoren betonen, dass nicht viele Unternehmen mit kleinen Fortschritten für den nationalen Produktivitätszuwachs sorgen, sondern vielmehr wenige Firmen mit außerordentlich großen Sprüngen. Diese „Produktivitäts-Champions“ zeichnen sich durch besonders starke Innovationskraft, strategische Geschäftsmodellentwicklung sowie gezielte Fokussierung auf rentable Märkte oder Regionen aus.
Zu den in Deutschland identifizierten Spitzenunternehmen gehören unter anderem Zalando, Rewe, Carl Zeiss, Hapag-Lloyd, MTU Aero Engines sowie der Flugzeughersteller Airbus. Diese Firmen steigerten ihre Produktivität nicht nur deutlich, sondern bauten gleichzeitig auch ihre Marktanteile weiter aus. Der Produktivitätsgewinn resultierte dabei weniger aus klassischen Effizienzmaßnahmen wie Kostensenkungen, sondern vielmehr aus mutigen und vorausschauenden Entscheidungen auf Managementebene.
Deutschland ist laut der Studie vor allem in traditionellen Branchen wie Automobilindustrie und Einzelhandel stark. In zukunftsträchtigen Bereichen wie Elektronik, Halbleiter oder Computertechnik hingegen sei das Land unterrepräsentiert. Dies unterstreiche die Notwendigkeit, neue Wachstumsfelder gezielt zu entwickeln und bestehende Strukturen aufzubrechen.
Eine Herausforderung stellt auch die geringe Marktdynamik dar. In den USA beispielsweise fließen Kapital und Arbeitskräfte deutlich schneller von unproduktiven zu produktiveren Unternehmen. In Deutschland hingegen halten sich sogenannte Produktivitätsbremser länger im Markt. Das schwächt den gesamtwirtschaftlichen Fortschritt erheblich.
Die Autoren der Studie sehen darin ein klares Signal an die Politik. Es brauche eine gezielte Förderung neuer Geschäftsmodelle und eine strukturpolitische Öffnung, die produktiven Unternehmen mehr Raum gibt, zu wachsen. Gleichzeitig seien mutigere Restrukturierungen notwendig, um die Ressourcenbindung in ineffizienten Unternehmen zu reduzieren. Nur so könne Deutschland seine Position im internationalen Vergleich stärken.
